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Coronahilfen Studie: Corona-Ausbildungshilfen sind noch zu wenig bekannt

Die Regierung fördert Betriebe, die ihr Ausbildungsengagement trotz Krise beibehalten oder ausbauen. Doch die Unternehmen wissen zu wenig darüber.
24.11.2020 - 09:52 Uhr Kommentieren
Die Zahl der gemeldeten Ausbildungsstellen ist um rund sieben Prozent zurückgegangen. Quelle: imago images/Rupert Oberhäuser
Auszubildende an einer Werkzeugmaschine

Die Zahl der gemeldeten Ausbildungsstellen ist um rund sieben Prozent zurückgegangen.

(Foto: imago images/Rupert Oberhäuser)

Berlin Die staatlichen Hilfsprogramme zur Sicherung des Ausbildungsengagements in der Coronakrise sind in weiten Teilen der Wirtschaft noch unbekannt. In einer Umfrage des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) unter gut 1500 Betrieben gaben nur 44 Prozent an, das Programm „Ausbildungsplätze sichern“ zu kennen. Unter den Betrieben, die prinzipiell für eine entsprechende Förderung infrage kommen, lag der Anteil mit 51 Prozent leicht höher.

Unternehmen mit weniger als 250 Beschäftigten, die im Frühjahr erhebliche Umsatzeinbußen erlitten oder Kurzarbeit eingeführt haben und trotzdem ihr Ausbildungsengagement wie in den Vorjahren fortführen, können eine Ausbildungsprämie von 2000 Euro pro Ausbildungsvertrag beantragen.

Bieten sie sogar mehr Lehrstellen an als in den Vorjahren, winkt ein Zuschuss von 3000 Euro. Außerdem können Unternehmen Hilfen erhalten, die trotz Kurzarbeit die Ausbildung fortsetzen oder die Auszubildende aus Betrieben übernehmen, die wegen Corona Insolvenz anmelden mussten.

Von den vom IAB befragten Unternehmen, die sich als förderberechtigt einschätzen, haben bislang 16 Prozent eine Förderung beantragt. 15 Prozent der befragten Unternehmen planen, das zu tun. Die Ausbildungsprämien werden aber erst nach erfolgreich absolvierter Probezeit gewährt, die bei Auszubildenden bis zu vier Monate beträgt. Unternehmen, die ab August mit der Ausbildung begonnen haben, warten deshalb vielleicht mit ihrem Antrag zunächst noch ab. Von der Bundesagentur für Arbeit (BA) gibt es bisher noch keine belastbaren Zahlen, wie stark die Instrumente in Anspruch genommen werden.

Von den vom IAB befragten Unternehmen, die bereits Förderung beantragt haben, berichten 42 Prozent von einem geringen oder sehr geringen bürokratischen Aufwand. Dies sei „sehr erfreulich“ und habe ihn „angenehm beeindruckt“, sagt IAB-Direktor Bernd Fitzenberger, der an der Studie mitgewirkt hat.

So hatten Betriebe und Kammern in einer Auswertung des Deutschen Industrie- und Handelskammertags (DIHK) geklagt, die Beantragung sei zu aufwendig. Auch der Zentralverband des Deutschen Handwerks (ZDH) hatte das Antragsverfahren bemängelt.

Die Antragshürden sollten gesenkt werden

Der DIHK wie auch der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) machen sich zudem dafür stark, die Antragshürden zu senken – vor allem die Schwelle für den Umsatzausfall. Bislang können nur Unternehmen profitieren, bei denen der Umsatz im April und Mai um durchschnittlich mindestens 60 Prozent gegenüber den Vorjahresmonaten eingebrochen ist. Immerhin ein Viertel der Betriebe, die das Programm kennen, kann angesichts der strikten Vorgaben nicht einschätzen, ob sie förderberechtigt wären.

IAB-Direktor Fitzenberger würde sich ebenfalls geringere Hürden wünschen: „Auch wenn die aktuelle Regelung der Ausbildungsprämie in die richtige Richtung geht, hatte ich aus konjunkturpolitischen Gründen eine großzügigere Regelung bis zum nächsten Jahr vorgeschlagen, die keine Vorgaben im Hinblick auf die erforderlichen Umsatzausfälle oder die Unternehmensgröße macht“, sagt der Forscher.

Das Handwerk, Gewerkschaften oder BA-Chef Detlef Scheele hatten sich besorgt über den Corona- und konjunkturbedingten Rückstand auf dem Ausbildungsmarkt gezeigt. Von Oktober 2019 bis September 2020 wurden den Arbeitsagenturen und Jobcentern gut 530.000 Ausbildungsstellen gemeldet – sieben Prozent weniger als im Jahr zuvor. Allerdings ist auch die Zahl der gemeldeten Bewerber prozentual ähnlich stark zurückgegangen.

Scheele blickt aber bereits mit „großen Sorgen“ auf das kommende Jahr. Denn vor allem in der Industrie würden üblicherweise bereits im Winter die Lehrverträge für das nächste Lehrjahr geschlossen. Wegen der Pandemie und des Konjunktureinbruchs drohe in der Branche nun große Zurückhaltung.

Die Politik sollte deshalb stärker die Werbetrommel für die bestehenden Hilfen rühren und diese am besten noch ausbauen, findet IAB-Direktor Fitzenberger. In der derzeitigen Krise sei jede Ausbildung gut: „Ich würde mir deshalb eine Förderung für alle neu geschlossenen Ausbildungsverträge wünschen.“ Eine Aufstockung der Prämien hielte der IAB-Direktor dagegen für falsch. Denn dann sei die Gefahr von Mitnahmeeffekten groß.

Mehr: Bundesregierung verspricht Betrieben bessere Corona-Ausbildungsprämien

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