E-Auto-Bauer: „Schämt euch!“: Elon Musk wettert wegen Tesla-Doku gegen das ZDF
„Im Grunde sind wir nicht in einer sehr trockenen Region.“
Foto: AFPBerlin. Mit scharfen Worten hat Tesla-Chef Elon Musk auf eine Dokumentation des ZDF-Magazins „Frontal 21“ über sein neues Werk in Grünheide bei Berlin reagiert. „Wow, shame on ZDF Info!“ („Schämt euch, ZDF Info!“), twitterte Musk am Mittwochabend.
In der Reportage, die im ZDF-Hauptprogramm und nicht, wie von Musk behauptet, bei ZDF Info am 16. März ausgestrahlt wurde, wird durchgehend kritisch über die Ansiedlung des US-Elektroautobauers in Brandenburg berichtet. Die Doku-Verantwortlichen boten Musk via Twitter ein Interview an, „um Ihnen die Möglichkeit zu geben, zu erklären, warum die Gigafabrik Berlin so umweltfreundlich ist“.
Ein zentraler Kritikpunkt in der TV-Reportage ist der Wasserverbrauch der Gigafactory, in der ab Juli bis zu 500.000 Fahrzeuge pro Jahr produziert werden sollen. Musk hatte schon im vergangenen Jahr bestritten, dass es Probleme gebe.
In den Antragsunterlagen für die Fabrik war damals die Rede davon, dass für die Gigafactory pro Stunde 372 Kubikmeter Wasser aus dem öffentlichen Trinkwassernetz benötigt würden. Anwohner sahen darin eine Gefahr für die öffentliche Trinkwasserversorgung.
Musk twitterte daraufhin, dass er einige Dinge klarstellen wolle. Tesla werde nicht an jedem Tag so viel Wasser verbrauchen, schrieb er. „Das ist möglicherweise ein seltener Fall einer Spitzennutzung, aber nichts, was jeden Tag vorkommt.“
Später reduzierte Tesla allerdings seinen prognostizierten Wasserverbrauch in der Spitze von 3,3 Millionen auf rund 1,4 Millionen Kubikmeter im Jahr. Der Verbrauch soll bei einem Ausbau der Autofabrik nach den Plänen steigen. Im Entwurf für den geänderten Bebauungsplan der Gemeinde Grünheide heißt es: „Perspektivisch müssen zusätzliche 2,15 Millionen Kubikmeter pro Jahr bereitgestellt werden. Dabei sind weitere Kapazitäten zu erschließen.“
Wirtschaftsminister zum Einsatz von Pfählen: „Das war einfach doof“
Nach Recherchen von „Frontal 21“ könnte die Fabrik mit den nächsten Ausbaustufen rund 3,6 Millionen Kubikmeter Wasser im Jahr verbrauchen. Das wären rund 30 Prozent des gesamten Wasservolumens in der Region. Damit sei nicht genügend Wasser da, warnte der Chef des Wasserverbands Strausberg-Erkner (WSE), André Bähler, in der ZDF-Doku.
Automobilbetriebe benötigen Wasser für verschiedene Prozesse: vor allem in der Lackiererei, aber auch in der Gießerei, der Endmontage, für die Kühltürme sowie für die Sanitäranlagen und Reinigungszwecke. Im Fall von Tesla ist das ein besonders sensibles Thema, da die künftige Fabrik in Grünheide in einem Trinkwasserschutzgebiet gebaut wird.
Für Ärger sorgte denn auch im vergangenen Jahr, dass Tesla ohne entsprechende Zulassung Pfähle in den Boden des Werksgeländes getrieben hat - offenbar, um zu testen, welche Pfähle sich für einen Teil des Fundaments der Fabrik eignen könnten.
Laut Wasserhaushaltsgesetz brauchen Unternehmen für Pfählungen in Grundwassernähe die Erlaubnis des Landkreises. Diese Erlaubnis hatte Tesla nicht. Das Landesumweltministerium stoppte daraufhin die Pfahlsetzungen, der Landkreis Oder-Spree eröffnete ein Verfahren wegen Ordnungswidrigkeit.
Brandenburgs Wirtschaftsministet Jörg Steinbach (SPD) sagte dazu in der ZDF-Doku: „Das war einfach doof.“ Er glaube aber, Tesla habe seine Lektion gelernt. „Wir, inklusive mir selbst, haben sie am Telefon sowas von Maß genommen und gesagt: Wir versuchen hier stimmungsmäßig alles für euch, und dann baut ihr so einen Mist.“
Elon Musk: „Bäume würden nicht wachsen, wenn es kein Wasser gäbe“
Tesla-Chef Musk, der auf dem Werksgelände auch die weltgrößte Batteriefabrik errichten will, sieht das Wasserthema dennoch gelassen. „Im Grunde sind wir nicht in einer sehr trockenen Region“, sagte er in der ZDF-Doku. „Bäume würden nicht wachsen, wenn es kein Wasser gäbe“, machte er deutlich. „Ich meine, wir sind ja hier nicht in der Wüste.“
Laut internen Unterlagen des Landesumweltministeriums, aus denen das ZDF zitiert, gerät Brandenburg bei der Ressource Wasser allerdings schon heute zunehmend an „Kapazitätsgrenzen“. Weiter heißt es demnach in Sitzungsprotokollen vom 9. Juli 2020: Durch die „Ansiedlung von Industrie und Gewerbe (zum Beispiel Tesla)“ verschärfe sich die „Situation im östlichen Berliner Umland zusätzlich“.
Auf die Problematik hatte kürzlich auch Brandenburgs Umweltminister Axel Vogel (Grüne) anlässlich des Weltwassertags hingewiesen. „Eine geplante Großansiedlung wie Tesla zeigt, dass sich die damit verbundenen Herausforderungen durch eine Kommune oder ihren Zweckverband allein kaum bewältigen lassen, sondern übergreifende regionale Lösungen gefragt sind“, sagte Vogel.
Aus Vogels Ministerium hieß es, dass gegenwärtig in Hangelsberg/Nord, einem Ortsteil von Grünheide, Erkundungen für ein neues Trinkwasserreservoir mit einer Jahreskapazität von vier bis sechs Millionen Kubikmetern laufen würden, die für die künftige Wasserversorgung des Gewerbegebiets Freienbrink und damit auch der Gigafactory in Betracht kämen.