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Energiewende Altmaier warnt vor utopischen Zielen beim Thema Wasserstoff

Bundeswirtschaftsminister Altmaier plädiert für eine realistische Wasserstoff-Strategie. Seine Kritiker legen nach. Besonders die Rolle von blauem Wasserstoff ist umstritten.
29.05.2020 - 18:31 Uhr Kommentieren
Der Bundeswirtschaftsminister ist sich mit dem Bundesforschungsministerium uneins über die nationale Wasserstoffstrategie. Quelle: AFP
Peter Altmaier

Der Bundeswirtschaftsminister ist sich mit dem Bundesforschungsministerium uneins über die nationale Wasserstoffstrategie.

(Foto: AFP)

Berlin Wasserstoff ist das Zukunftsthema unserer Zeit. Ob Maschinenbauer, Energiewirtschaft oder Chemie- und Stahlindustrie: Viele Branchen setzen ihre Hoffnungen in das Gas. Mit Spannung warten daher viele Unternehmen darauf, dass die Bundesregierung ihre „Nationale Wasserstoffstrategie“ verabschiedet.

Doch Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU), der bei dem Thema die Federführung innehat, warnt vor überzogenen Vorstellungen. „Das Zukunftsthema Wasserstoff muss vorangetrieben werden mit ambitionierten, aber nicht mit utopischen Zielen“, heißt es in Altmaiers Ministerium.

Hinter der Warnung vor utopischen Zielen verbirgt sich ein Streit zwischen dem Bundesforschungs- und dem Bundeswirtschaftsministerium. Forschungsministerin Anja Karliczek (CDU) hatte in den vergangenen Wochen wiederholt hohe Ziele für Wasserstoffproduktionskapazitäten proklamiert: Sie hält eine installierte Elektrolyseleistung von zehn Gigawatt (GW) bis 2030 für realistisch. Das Bundeswirtschaftsministerium dagegen will einen Wert von drei bis fünf GW festschreiben.

Die Elektrolyse ist der Schlüssel zur Produktion von grünem Wasserstoff. Dabei wird Wasser mittels Strom aus erneuerbaren Quellen in Sauerstoff und Wasserstoff aufgespalten. Der dabei entstehende Wasserstoff ist CO2-frei, daher die Bezeichnung „grüner Wasserstoff“.

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    Nach Überzeugung des Wirtschaftsministeriums ist aber der Wert von zehn GW nicht realisierbar. Aufgrund der begrenzten Flächen in Deutschland sei ab einer gewissen Höhe der Wasserstoff-Zielsetzung nicht noch gleichzeitig das Ziel erreichbar, bis 2030 den Anteil der erneuerbaren Energien an der Stromerzeugung auf 65 Prozent zu erhöhen, heißt es im Wirtschaftsministerium. Denn jedes Gigawatt Elektrolyseleistung geht für die Erhöhung des Erneuerbaren-Anteils an der Stromerzeugung verloren, da dieser Strom dann nicht mehr für den Endverbrauch zur Verfügung steht. Dieser Verlust lässt sich wegen der begrenzten Flächenpotenziale nur schwer ausgleichen, indem zum Beispiel neue Windräder gebaut werden.

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    Hinter den Kulissen läuft die Suche nach einem Kompromiss auf Hochtouren. In Regierungskreisen heißt es, man könnte unterscheiden zwischen rein nationaler Elektrolyseleistung und Elektrolyseleistung, die mit europäischen Partnern oder Importen von grünem Wasserstoff erreicht werde. Damit erreiche man das Ziel, die Technologie in Deutschland voranzubringen, stelle aber zugleich ehrlich dar, dass Importe aus dem Ausland erforderlich seien. Eine aus der Luft gegriffene, aber nicht umsetzbare Zielbenennung schade dem so wichtigen Thema Wasserstoff mehr, als sie nutze.

    Blauer Wasserstoff als Ergänzung?

    Umstritten bleibt unter den beteiligten Ressorts auch die Frage, ob allein dem grünen Wasserstoff die Zukunft gehört oder ob auch blauer Wasserstoff ein Teil der Lösung sein könnte. Bundesumwelt- und Bundesforschungsministerium sehen blauen Wasserstoff kritisch, das Wirtschaftsressort will ihn zumindest für eine Übergangsphase einsetzen.

    Blauer Wasserstoff wird auf der Basis von Erdgas hergestellt. Bei der Produktion von blauem Wasserstoff entsteht CO2, das abgetrennt und dauerhaft unterirdisch gespeichert werden muss.  

    Eine Allianz von Unternehmen der Erneuerbaren-Branche, darunter Enertrag, Greenpeace Energy und Naturwind, appelliert an Altmaier, blauen Wasserstoff aus der Strategie zu streichen. Die Bundesregierung müsse allein auf grünen Wasserstoff setzen, heißt es in einer Erklärung der Unternehmensallianz, die dem Handelsblatt vorliegt. „Wenn die Regierung aus Erdgas hergestellten Wasserstoff zulässt, erlaubt sie eine klimaschädliche Scheinlösung“, heißt es weiter in der Erklärung.

    Laut Greenpeace Energy entstehen bei der Produktion von blauem Wasserstoff bis zu 220 Gramm CO2 je Kilowattstunde. Dabei sind die CO2-Emissionen der Förderung, des Transportes und der Verarbeitung von Erdgas mit einbezogen. Blauer Wasserstoff sei daher „keinesfalls CO2-neutral, wie es das Bundeswirtschaftsministerium behauptet“, heißt es in der Erklärung der Unternehmensallianz. Er müsse daher von vornherein ausgeschlossen werden.

    Auch an anderer Stelle geht die Unternehmensallianz auf Distanz zu Altmaier. In den Entwürfen zur Wasserstoffstrategie wird vorgeschlagen, bei „ein bis zwei Modellprojekten“ Strom- und Gasnetzbetreibern den Betrieb von Elektrolyseuren, in denen Wasser in Wasserstoff und Sauerstoff zerlegt wird, zu erlauben und dafür Änderungen des regulatorischen Rahmens zu prüfen.

    „Dies wäre ein schwerer Schlag gegen unabhängige, dezentral aufgestellte Produzenten von grünem Wasserstoff“, warnt die Allianz der Unternehmen aus der Erneuerbaren-Branche. Eigens geschaffene Ausnahmeregeln für die Netzbetreiber würden EU-Recht widersprechen, warnen sie. „Die schwer erkämpfte Entflechtung ermöglicht den diskriminierungsfreien Zugang zur Netzinfrastruktur und darf nicht zurückgedreht werden“, warnen die Unternehmen.

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    Im Wirtschaftsministerium tut man sich zwar durchaus schwer damit, den Netzbetreibern die Möglichkeit einzuräumen, Elektrolyseure zu betreiben. Allerdings galt es zuletzt als sehr wahrscheinlich, zumindest für ein bis zwei Modellvorhaben eine Ausnahme zu machen. Dabei geht es um die Projekte „Hybridge“ von Amprion und OGE sowie „Element eins“ von Tennet, Thyssen-Gas und Gasunie.

    Im Wirtschaftsministerium lässt man keinen Zweifel daran aufkommen, dass das Thema Wasserstoff höchste Priorität genießt. Minister Altmaier sei es wichtig, dass Deutschland langfristig alle fossilen Energieträger ersetze, sagte eine Ministeriumssprecherin. „Da Wasserstoff hierfür eine Schlüsselrolle spielt, müssen wir jetzt die Weichen dafür stellen, dass Deutschland bei Wasserstofftechnologien die Nummer eins in der Welt wird“, sagte die Sprecherin weiter.

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