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Folgen der Coronakrise Mittelstandsverband warnt wegen Corona vor „Kahlschlag ungeahnten Ausmaßes“

Eine Umfrage zeigt: Viele Mittelständler stehen wegen der Coronakrise vor dem Aus. Der Bund will mit einem neuen Kreditprogramm helfen.
16.04.2020 - 04:00 Uhr Kommentieren
Coronavirus: Mittelstandsverband warnt vor „Kahlschlag ungeahnten Ausmaßes“ Quelle: dpa
Mario Ohoven

Der Präsident des Bundesverbandes mittelständische Wirtschaft (BVMW), Mario Ohoven: Mit Krediten allein ist Mittelständlern nicht nachhaltig geholfen.

(Foto: dpa)

Berlin Für Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) ist die Sache klar: Der durch die Coronakrise stark in Bedrängnis geratene Mittelstand müsse mit aller Kraft unterstützt werden, „um als Wirtschaft insgesamt nach der Krise wieder durchstarten zu können“.

Was auf dem Spiel steht, macht der Minister anhand von drei Zahlen deutlich: „Der Mittelstand steht für 99,5 Prozent aller Unternehmen in Deutschland, für 60 Prozent aller Arbeitsplätze und 80 Prozent aller Ausbildungsplätze“, so Altmaier.

Für viele Mittelständler ist die Krise inzwischen existenzbedrohend. Das geht aus einer Mitgliederumfrage des Bundesverbandes mittelständische Wirtschaft (BVMW) hervor, an der sich 1.812 Unternehmen beteiligt haben.

Laut der Umfrage, die dem Handelsblatt vorliegt, sieht sich jedes zweite mittelständische Unternehmen (51 Prozent) vor dem Aus, sollte der Shutdown der Wirtschaft weitere vier Wochen andauern. Mehr als drei Viertel der Unternehmen und Selbstständigen (76 Prozent) gab an, dass die bisher ausgezahlten staatlichen Hilfen nicht ausreichten, um den Finanzbedarf zu decken.

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    Derzeit versorgen sich viele Konzerne mit Liquidität, um in der Krise flüssig zu bleiben. Laut der BVMW-Umfrage hat mehr als 50 Prozent der befragten Betriebe Soforthilfen beantragt, über ein Drittel (35 Prozent) will für seine Beschäftigten Kurzarbeitergeld in Anspruch nehmen. Genutzt werden auch Hilfsmaßnahmen wie das Aussetzen von Steuervorauszahlungen oder Steuerstundungen (jeweils 19 Prozent).

    Laut dem Bundeswirtschaftsministerium sind bisher direkte Zuschüsse von insgesamt rund acht Milliarden Euro an kleine Firmen und Soloselbstständige bewilligt worden. Der Bund gibt für die Hilfen insgesamt bis zu 50 Milliarden Euro. Die Gelder werden über die Länder ausgezahlt. Das Paket ist eine wichtige Säule der Hilfsmaßnahmen der Politik, um Jobs und Firmen zu erhalten.

    Am Mittwoch startete zudem ein neues Programm der staatlichen Förderbank KfW, bei dem es um Schnellkredite geht. Das Programm richtet sich vor allem an mittelständische Unternehmen mit mehr als zehn Beschäftigten. Dabei übernimmt der Bund das komplette Risiko bei Darlehen bis 800.000 Euro.

    „Durch die Beantragungen bei der Hausbank ohne weitere Risikoprüfung erreicht die Hilfe schnell die Unternehmen und hilft so mit, die schweren Auswirkungen der Corona-Pandemie zu lindern“, sagte der Chef der KfW, Günther Bräunig.

    Die ersten Gelder dürften bereits in dieser Woche den Firmen zur Verfügung stehen. Die KfW hat den Banken und Sparkassen eine Generalzusage gegeben, so dass sie in Vorleistung gehen und die Kredite auszahlen können, wenn die Antragsbedingungen erfüllt sind.

    Mittelstandspräsident Mario Ohoven warnte, mit Krediten allein sei Mittelständlern nicht nachhaltig geholfen, da sie die Schuldenlast weiter erhöhten und somit eine Insolvenz häufig nur in die Zukunft verlagert werde.

    „Der Mittelstand braucht jetzt einen Dreiklang aus einem konkreten Exit-Fahrplan, raschen Liquiditätshilfen sowie einem Konjunkturprogramm mit nachhaltigen Steuersenkungen“, sagte Ohoven dem Handelsblatt. „Sonst droht bei mittelständischen Unternehmen und Selbstständigen ein Kahlschlag ungeahnten Ausmaßes.“

    Ökonom Felbermayr: Keine nennenswerte Erleichterung durch Beschlüsse

    Deutschland geht derweil einen ersten vorsichtigen Lockerungsschritt. Bund und Länder verständigten sich am Mittwoch darauf, dass etwa Einzelhandelsgeschäfte bis zu 800 Quadratmeter Verkaufsfläche unter strengen Hygieneauflagen wieder ab kommender Woche öffnen können. Die Schulen sollen ab dem 4. Mai für die jeweiligen Abschlussklassen geöffnet werden können. Die Kontakt- und Reisebeschränkungen sollen aber bis zum 3. Mai aufrecht erhalten werden, wird in dem gemeinsamen Beschluss betont.

    „Wir haben nicht viele Spielräume“, sagte Kanzlerin Angela Merkel. Sie warnte ebenso wie Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) und Hamburgs Regierender Bürgermeister Peter Tschentscher (SPD), die erzielten Erfolge bei der eingedämmten Ausbreitung des Virus dürften nicht durch eine zu schnelle Lockerung aufs Spiel gesetzt werden.

    Der Verband der Familienunternehmer zeigte sich enttäuscht über den Lockerungsplan. Präsident Reinhold von Eben-Worlee sprach von „einer kaum zu ertragenden Nachricht“ und erklärte: „Etliche der bereits jetzt um ihre Existenz ringenden Betriebe werden nicht mehr bis Mai durchhalten können.“

    „Jeder fünfte Betrieb in Deutschland könnte insolvent gehen“

    Kritik kam auch vom Präsidenten des Kieler Instituts für Weltwirtschaft (IfW), Gabriel Felbermayr. Die Beschlüsse von Bund und Ländern brächten aus ökonomischer Sicht „keine nennenswerte Erleichterung“. Sie „zögern den Start einer durchgreifenden Erholung eher noch hinaus“, erklärte er. „Besser wäre es, klare und transparente Regeln des Gesundheitsschutzes vorzugeben, wie etwa Mindestabstände oder Zugangskontrollen“ statt zwischen kleinen und großen Unternehmen zu unterscheiden.

    Bundeswirtschaftsminister Altmaier will sich am Freitag mit den Wirtschaftsverbänden über den genauen Ablauf der Lockerungen abstimmen. Es sollten, sobald es der Gesundheitsschutz zulasse, auch über mögliche weitere Lockerungen gesprochen werden, sagt Altmaier. „Die großen Anstrengungen und Einschränkungen der Bevölkerung haben sich gelohnt.“ Deshalb seien nun erste Zurücknahmen von Bestimmungen möglich. „Das wird viele Unternehmen freuen, mich auch.“

    Mehr: EU gibt grünes Licht für KfW-Schnellkredit. Lesen Sie hier mehr.

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