Gaslieferungen: Russlands Revanche: Auf einen möglichen Gaslieferstopp ist Europa nicht vorbereitet
Noch haben die EU-Staaten nicht die Infrastruktur aufgebaut, um auf russisches Gas verzichten zu können.
Foto: ddpDüsseldorf, Brüssel, Berlin (Erstpublikation: 31.05.2022, 17:33). Erst Polen und Bulgarien, dann Finnland, jetzt die Niederlande und Dänemark: Der russische Energiekonzern Gazprom stellt nach und nach seine Gaslieferungen an Staaten der EU ein. Das nährt in Europa die Sorge vor einem kompletten Lieferstopp, der gravierende ökonomische Folgen hätte. Die Vorbereitungen auf den Ernstfall laufen, doch sie sind noch lange nicht abgeschlossen.
Die Versorgungssicherheit war am Montag und Dienstag eines der beherrschenden Themen beim EU-Gipfel in Brüssel. „Die Vorsorge für größere Unterbrechungen des Angebots und die Widerstandsfähigkeit des EU-Gasmarktes sollten verbessert werden“, stellen die Staats- und Regierungschefs in ihrer gemeinsamen Erklärung klar.
Auch die EU-Kommission fordert ein schnelles Handeln: „Angesichts der mangelnden Zuverlässigkeit der russischen Energielieferungen sind dringend Vorkehrungen geboten“, heißt es in deren vor zwei Wochen veröffentlichten Repower-EU-Strategie.
Unabhängige Energieexperten teilen die Sorgen der EU. „Europa muss sich auf mögliche Vergeltungsmaßnahmen vorbereiten“, sagt Simone Tagliapietra vom Brüsseler Institut Bruegel. „Hierfür ist eine starke EU-Koordinierung erforderlich, um Vorsorge für die potenzielle Unterbrechung aller russischen Gaslieferungen nach Europa zu treffen.“