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IMK-Studie Mehrwertsteuersenkung kurbelt Konsum kaum an

Nur ein Viertel der Verbraucher will sein Kaufverhalten laut einer Studie ändern. Eine andere Gewichtung der Maßnahmen im Konjunkturprogramm hätte demnach zu größeren Impulsen geführt.
24.08.2020 Update: 24.08.2020 - 12:35 Uhr Kommentieren
Die Bundesregierung hat die Mehrwertsteuer ab Juli bis Jahresende 2020 von 19 auf 16 Prozent gesenkt. Quelle: dpa
Mehrwertsteuersenkung

Die Bundesregierung hat die Mehrwertsteuer ab Juli bis Jahresende 2020 von 19 auf 16 Prozent gesenkt.

(Foto: dpa)

Berlin Die vorübergehende Mehrwertsteuersenkung sorgt einer Studie zufolge kaum für mehr Konsum. Knapp 75 Prozent der Verbraucher wollen trotz der geringeren Steuer ihr Konsumverhalten im zweiten Halbjahr 2020 nicht ändern, wie aus einer am Montag veröffentlichten Umfrage unter gut 6300 Erwerbstätigen im Auftrag des IMK-Instituts der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung hervorgeht.

„Eine andere Gewichtung der Maßnahmen im Konjunkturpaket – etwa ein höherer Kinderbonus oder eine großzügigere Aufstockung des Kurzarbeitergeldes – hätte nach diesen Ergebnissen zu einem größeren konjunkturellen Impuls geführt“, schreiben die Forscher in ihrem Fazit.

Die Bundesregierung hat die Mehrwertsteuer ab Juli bis Jahresende 2020 von 19 auf 16 Prozent gesenkt. Dies soll den privaten Konsum ankurbeln und die von der Corona-Pandemie geschwächte Wirtschaft anschieben. Rund 20 Milliarden Euro soll dies kosten – knapp die Hälfte des finanziellen Volumens aus dem Konjunkturpaket, das laut IMK 2020 wirksam wird. Etwa 4,3 Milliarden Euro seien für den Kinderbonus von 300 Euro pro Kind vorgesehen, der im September und Oktober ausgezahlt wird.

Ein knappes Viertel aller Befragten gibt an, wegen der Steuererleichterung das Konsumverhalten zu ändern. Rund 14,4 Prozent haben vor, eigentlich für später geplante Anschaffungen vorzuziehen. Gut drei Prozent erklärten, die Steuersenkung für bislang nicht geplante zusätzliche Anschaffungen zu nutzen.

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    Weitere rund acht Prozent antworteten, sie würden Einkäufe, „die sie eigentlich schon früher geplant hatten, nun in die Zeit mit niedrigerer Mehrwertsteuer verschieben – woraus sich kein positiver Konjunktureffekt ergeben würde“.

    Dagegen erklärten fast 80 Prozent, sie würden bei einer Einmalzahlung wie dem Kinderbonus ihren Konsum erhöhen. Zudem zeige sich, dass Menschen, die ohne Aufstockung des Kurzarbeitergeldes in Kurzarbeit seien, ihre Ausgaben deutlich häufiger gesenkt hätten als andere.

    Eine finanzielle Besserstellung hätte daher nach Einschätzung der Studienautoren Sebastian Dullien und Jan Behringer ebenfalls spürbare positive Wirkungen, teilte das Düsseldorfer Institut für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK) mit.

    „Der Mehrwertsteuer-Wumms von Olaf Scholz war eine Wunderkerze, die noch vor Neujahr abgefackelt ist“, kritisierte der stellvertretende Vorsitzende der Bundestagsfraktion der Linken, Fabio De Masi. Er plädierte zur Stützung von Firmen für direkte Hilfen für kleine Unternehmen und Selbstständige.

    Zudem drohe zum Jahreswechsel nun der Preisauftrieb in einer kritischen Phase der Konjunktur. „Die Milliarden wären weitaus besser in höherem Kurzarbeitergeld oder einem längeren Kinderbonus angelegt gewesen.“

    Das Institut der deutschen Wirtschaft (IW) geht jedoch davon, dass der Steueranreiz die Menschen in Deutschland verstärkt in die Einkaufsstraßen gelockt hat. Die Kölner Forscher werteten Daten der Firma Hystreet aus, die mittels Lasertechnik die Passanten in 41 besonders belebten Straßenabschnitten in 21 deutschen Städten zählt – etwa in der Kölner Schildergasse oder auf dem Hamburger Jungfernstieg.

    Demnach waren dort im Juli 27,2 Millionen Fußgänger unterwegs und damit 4,2 Millionen mehr als im Juni. „Die Ergebnisse legen nahe, dass rund 40 Prozent der zusätzlichen Passanten in den untersuchten Städten auf die Mehrwertsteuersenkung zurückzuführen sind“, sagte IW-Studienautor Henry Goecke.

    Allerdings bleibe abzuwarten, ob dies dem Einzelhandel auch langfristig helfe, die Coronakrise zu überwinden – und ob der Trend in den kommenden Monaten anhalte. „Wichtig ist bei konjunkturpolitischen Maßnahmen, dass sie zur rechten Zeit an der passenden Stelle ansetzen und befristet sind“, betonte IW-Direktor Michael Hüther. „Das ist hier der Fall.“

    Mehr: Warten auf den Wumms: Viele Förderprogramme hängen fest.

    • rtr
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