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IWF-JahrestagungLindner und Nagel sehen Fortschritte bei Inflation

Bundesbank-Präsident und Finanzminister bekräftigen ihre harte Linie gegen steigende Preise. Die Sparkassen fordern indirekt eine Zinspause – doch jetzt drohen neue Risiken.Jan Hildebrand, Yasmin Osman 13.10.2023 - 16:06 Uhr aktualisiert Artikel anhören

Lindner und Nagel wollen die Inflation weiter mit allen Mitteln reduzieren.

Foto: dpa

Marrakesch. Bundesbank-Präsident Joachim Nagel sieht Deutschland bei der Inflationsbekämpfung auf gutem Weg, aber noch nicht am Ziel. „Eins kann ich Ihnen versichern: Wir werden nicht ruhen, bis wir die hohe Inflation überwunden haben“, sagte Nagel. Und Finanzminister Christian Lindner (FDP) betonte, die Inflation zu senken bleibe „Priorität Nummer eins“.

Lindner und Nagel äußerten sich auf einer gemeinsamen Pressekonferenz bei der Jahrestagung des Internationalen Währungsfonds (IWF) in Marrakesch. Die Inflation ist eines der wichtigsten Themen bei dem Treffen.

Die Finanzminister und Notenbanker aus aller Welt diskutieren, ob die Notenbanken noch weitere Zinserhöhungen vornehmen sollen oder ob das die wirtschaftliche Entwicklung zu stark belasten würde.

Die Europäische Zentralbank (EZB) hat sei Sommer 2022 den Leitzins zehnmal angehoben auf nun 4,5 Prozent. „Grundsätzlich ist das Zinsniveau, das wir jetzt sehen, der Maßstab für das Jahr 2024“, sagte Christian Sewing, der Vorstandschef der Deutschen Bank und amtierender Präsident des Bundesverbands deutscher Banken (BdB).

Die EZB sei fest entschlossen, die Inflation auf den Zielwert von zwei Prozent zurückzuführen, sagte Nagel. Er sieht Fortschritte: „Wir haben den Höhepunkt der Inflation wohl überwunden.“

Die Experten sind sich allerdings uneinig, wie schnell die Teuerung nun sinken wird. Der IWF erwartet, dass die Inflation in Deutschland im kommenden Jahr immer noch bei 3,5 Prozent liegen wird. Die Bundesregierung rechnet mit nur 2,5 Prozent. Nagel wollte nicht sagen, welche Prognose er für wahrscheinlicher hält, deutete aber an, dass ein Wert in der Mitte möglich sein könne.

Lindner hält Inflationsdynamik für „unverändert zu hoch“

Es bleibe eines der wichtigsten Ziele dieser Legislaturperiode, die Inflation auf das normale Maß zu reduzieren. Der Finanzminister lehnt deshalb staatliche Ausgabenprogramme und höhere Schulden ab, da sie die Arbeit der EZB konterkarieren würden. „Die Inflationsdynamik ist unverändert zu hoch“, sagte Lindner. Aber zumindest habe man „am Horizont die Perspektive auf zurückgehende Zahlen“.

Umstritten ist, ob die EZB die Zinsen noch weiter erhöhen sollte. Zuletzt wurden im EZB-Rat Stimmen lauter, die auf eine Pause drängen. Denn die Erhöhungen belasten die wirtschaftliche Entwicklung, etwa im Bausektor. Nagel ließ offen, ob es weitere Schritte der EZB geben werde. Das hänge von der weiteren Entwicklung ab. Als Bundesbank-Präsident gehört Nagel dem EZB-Rat an.

Der Präsident des Deutschen Sparkassen- und Giroverbands (DSGV), Helmut Schleweis, sagte in Marrakesch, dass man mit der letzten Zinserhöhung der EZB nicht unbedingt gerechnet habe. „Sie war vertretbar, aber ich glaube, jetzt wäre die Zeit gekommen, auf dieser Basis erst einmal die Auswirkungen der Zinserhöhungen weiter abzuwarten“, so Schleweis.

Krieg in Nahost ist ein Risiko für die Weltwirtschaft

Allerdings gibt es durch den Krieg in Nahost neue Risiken. So waren zuletzt die Ölpreise gestiegen. Wenn sich das fortsetzt, hätte es Auswirkungen auf die Weltwirtschaft und die Inflation. Die westlichen Industriestaaten (G7) verurteilten nach einer Sitzung in Marrakesch den Terrorangriff der Hamas und bekräftigten ihre Solidarität mit Israel.

Über die wirtschaftlichen Folgen wollen öffentlich nur wenige sprechen. Derzeit gehe es um das menschliche Leid, so Lindner. Auch Nagel wollte nichts zu möglichen Auswirkungen auf die Inflation sagen. Zu den wenigen, die sich äußern, zählt Bankenpräsident Christian Sewing. „Die wirtschaftlichen Auswirkungen sind zurzeit begrenzt, aber da muss man höllisch aufpassen. Das kann sich morgen ändern“, sagte er. 

Das gelte für den Fall, dass der Konflikt länger andauere oder sich regional ausweitee, etwa auf Iran. „Wenn der Iran mit einbezogen wird oder der Ölpreis dauerhaft auf deutlich über 100 Dollar steigt, dann wird das natürlich auch wirtschaftliche Auswirkungen haben“, so Sewing. „Das ist eine Ampel, die ganz schnell von Grün direkt auf Rot springen kann.“ Aus diesem Grund beobachte sein Haus diese Entwicklungen ganz genau.

Auch in vielen nicht öffentlichen Runden soll auch über die denkbaren wirtschaftlichen Auswirkungen gesprochen werden. Man beobachte genau die weitere Entwicklung und eventuelle wirtschaftliche Folgen, insbesondere den Ölmarkt, sagte IWF-Chefin Kristalina Georgiewa.

Lindner: „Krieg und Terror sind globale Wirtschafts- und Wohlstandszerstörer“

Viel hängt von der weiteren Entwicklung des Kriegs ab. „Auch wenn es schwerfällt, angesichts des menschlichen Leids so etwas rational einzuordnen: Wenn es bei einem auf Israel und Palästina begrenzten Konflikt bleibt, dürften die Auswirkungen weltwirtschaftlich gesehen nicht allzu groß sein“, sagte DSGV-Chef Schleweis. „Eine Ausweitung des Konflikts in der Region könnte natürlich über den Ölpreis eine ziemlich große Wirkung auf die gesamte Weltwirtschaft haben.“

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Klar ist: Neben dem Angriff Russlands auf die Ukraine gibt es nun einen weiteren Konflikt, der die Weltwirtschaft belasten könnte. „Es sind keine normalen Zeiten“, sagte Lindner. Die Krisen waren in Marrakesch allgegenwärtiges Thema.

Der Finanzminister bezeichnete „Krieg und Terror als globale Wirtschafts- und Wohlstandszerstörer“. Auch sein französischer Kollege Bruno Le Maire sagte: „Geopolitische Risiken sind jetzt die signifikantesten Risiken für die Weltwirtschaft.“

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