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Kinderkrankengeld Geschlossene Schulen: Wie berufstätige Eltern jetzt entschädigt werden

Eltern, die wegen geschlossener Schulen ihre Kinder betreuen müssen und deshalb nicht arbeiten können, haben Anspruch auf Geld der Krankenkasse. Die Freistellungstage werden nun verdoppelt.
15.01.2021 - 08:14 Uhr 1 Kommentar
Der erneute Lockdown stellt viele berufstätige Eltern vor eine Herausforderung. Quelle: dpa
Geschlossene Schule in Mainz

Der erneute Lockdown stellt viele berufstätige Eltern vor eine Herausforderung.

(Foto: dpa)

Berlin Der Bundestag hat am Donnerstag der Ausweitung des Kinderkrankentagegelds zugestimmt. Die Koalition will damit berufstätige Eltern finanziell entlasten, die sich wegen geschlossener Schulen und Kitas um ihre Kinder kümmern müssen und deshalb nicht oder nur eingeschränkt arbeiten können.

Wenn auch der Bundesrat am Montag in einer Sondersitzung zustimmt, kann die Regelung rückwirkend zum 5. Januar in Kraft treten. Die wichtigsten Fragen und Antworten:

Wer hat Anspruch auf Kinderkrankentagegeld?

Normalerweise wird die Unterstützung gezahlt, wenn Eltern nicht zur Arbeit gehen können, weil sie sich um ein krankes Kind unter zwölf Jahren oder ein pflegebedürftiges Kind kümmern müssen. Angesichts der Corona-Pandemie soll es jetzt auch Geld geben, wenn das Kind gar nicht krank ist, aber Schulen und Kitas geschlossen sind und die Eltern deshalb nicht arbeiten können.

Das gelte auch, wenn die Eltern im Homeoffice seien, betonte Bundesarbeitsminister Hubertus Heil (SPD) im Interview mit dem Handelsblatt: „Aus dem Heimbüro zu arbeiten und kleine Kinder zu betreuen oder zu unterrichten, das ist nicht miteinander vereinbar.“

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    Auch verlängerte Ferien, die Aussetzung der Präsenzpflicht in Schulen oder ein eingeschränktes Betreuungsangebot in Kitas oder der Kindertagespflege sind erfasst. Kinderkrankengeld gibt es aber nur, wenn ein Arbeitnehmer nicht per Arbeits- oder Tarifvertrag einen Anspruch auf bezahlte Freistellung durch seinen Arbeitgeber hat.

    Wie lange wird Kinderkrankengeld gezahlt?

    Mit der jetzt vom Bundestag beschlossenen Regelung wird der Anspruch für das laufende Jahr verdoppelt. Statt zehn Tagen pro Elternteil und Kind – also insgesamt 20 Tage pro Paar – sind es künftig 40 Tage im Jahr pro Paar. Auch Alleinerziehende erhalten einen Anspruch auf 40 Tage. Bei mehreren Kindern liegt die Höchstgrenze bei 45 Tagen pro Elternteil und 90 Tagen für Alleinerziehende.

    Wie viel Kinderkrankentagegeld gibt es?

    „Die Berechnung des Kinderkrankengelds erfolgt so wie immer, das heißt relativ kompliziert“, sagt Björn Otto, Fachanwalt für Arbeitsrecht von der Kanzlei CMS Hasche Sigle in Berlin. Der Arbeitnehmer erhalte grundsätzlich 90 Prozent seines Nettolohns, höchstens jedoch 112,88 Euro je Kalendertag. „Von dem so ermittelten Kinderkrankengeld wird jedoch noch der Arbeitnehmeranteil an den Sozialversicherungsbeiträgen abgezogen“, sagt Otto.

    Wo kann die Leistung beantragt werden?

    Anspruchsberechtigt sind nur gesetzlich krankenversicherte Eltern, die selbst Anspruch auf Krankengeld haben. Die Leistung wird über ihre Krankenversicherung abgewickelt.

    Was ist mit Privatversicherten?

    Diese haben keinen Anspruch auf Kinderkrankengeld. Sie können sich aber unbezahlt von der Arbeit freistellen lassen, und zwar je Kind für zehn Arbeitstage im Jahr, insgesamt aber höchstens 25 Tage bei mehr als zwei Kindern. Bei Alleinerziehenden sind es 20 Arbeitstage jährlich pro Kind, maximal 50 Arbeitstage.

    Welche Vorteile hat das Kinderkrankentagegeld gegenüber Entschädigungsansprüchen nach dem Infektionsschutzgesetz?

    Auch nach dem Infektionsschutzgesetz haben Eltern die Möglichkeit, sich wegen erforderlicher Kinderbetreuung von der Arbeit freistellen zu lassen und dafür eine Entschädigung zu erhalten. Diese Regelung ist ebenfalls für den Fall erweitert worden, dass die Behörden die Schließung von Kitas, Schulen oder Behinderteneinrichtungen anordnen.

    Allerdings sei beispielsweise nach dem Infektionsschutzgesetz keine Entschädigung vorgesehen, wenn Kinder in einer Notbetreuung untergebracht werden können, sagt Arbeitsrechtler Otto. Auch für die meisten Eltern im Homeoffice greife die Regelung wohl nicht. Hinzu kommt, dass die Entschädigung nach dem Infektionsschutzgesetz nur 67 Prozent des entstandenen Verdienstausfalls ersetzt – höchstens 2016 Euro monatlich.

    Was ist für Arbeitgeber einfacher: das Kinderkrankengeld oder Entschädigung nach dem Infektionsschutzgesetz?

    Die Entschädigung nach dem Infektionsschutzgesetz muss der Arbeitgeber „vorstrecken“, anschließend kann er sich das Geld von der zuständigen Behörde zurückerstatten lassen, erläutert Anwalt Otto. Komme es zum Streit mit der Behörde, ob der Anspruch berechtigt sei, trage der Arbeitgeber das Kostenrisiko. Das Kinderkrankengeld wird dagegen direkt von der Krankenkasse an den Beschäftigten gezahlt.

    Drohen durch die erweiterten Leistungen höhere Krankenversicherungsbeiträge?

    Das Kinderkrankentagegeld wird zwar von den beitragsfinanzierten gesetzlichen Krankenkassen gezahlt, sie erhalten aber dafür einen zusätzlichen Bundeszuschuss in Höhe von 300 Millionen Euro.

    Andere Regelungen wie bezahlter Sonderurlaub für berufstätige Eltern wären deutlich teurer geworden und hätten von den ohnehin unter der Corona-Pandemie leidenden Unternehmen gestemmt werden müssen, sagte Arbeitsminister Heil dem Handelsblatt. Die jetzt gefundene Regelung sei „eine Lösung, die Eltern und auch Unternehmen hilft“.

    Mehr: Lockdown verlängert und verschärft – Was Chefs und Angestellte jetzt wissen müssen.

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    1 Kommentar zu "Kinderkrankengeld: Geschlossene Schulen: Wie berufstätige Eltern jetzt entschädigt werden"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    • Das mit den Privatversicherten ist eine Schweinerei. Denn es zahlen nicht die gesetzlichen Krankenkassen, sondern der Steuerzahler.

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