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  4. Zehn Jahre Kitaanspruch: Wunsch und Wirklichkeit klaffen weit auseinander

KleinkinderIn Deutschland fehlen viele Kita-Plätze – besonders im Westen

Seit zehn Jahren gibt es für Kinder unter drei Jahren den Rechtsanspruch auf einen Kitaplatz. Aktuell wird er für gut jedes dritte Kind eingelöst – doch der Bedarf ist viel höher.Frank Specht 01.08.2023 - 11:13 Uhr Artikel anhören

Es gibt mehr Betreuungsbedarf als Plätze.

Foto: dpa

Berlin. Als die schwarz-gelbe Koalition zum 1. August 2013 den Rechtsanspruch auf Kinderbetreuung für unter Dreijährige einführte, gab sich Bundesfamilienministerin Kristina Schröder optimistisch. In Deutschland stünden „nahezu ausreichend“ Kitaplätze zur Verfügung, um die Zusage zum Start auch einhalten zu können, sagte die CDU-Politikerin damals.

Das kann die heutige Familienministerin Lisa Paus (Grüne) nicht behaupten. Zwar gibt es mehr Kitaplätze und die Betreuungsquote ist gestiegen. Doch den Bedarf deckt das vorhandene Angebot bei Weitem noch nicht.

Darauf wies am Montag auch der Paritätische Gesamtverband hin. „Der Rechtsanspruch sollte mehr Chancengerechtigkeit und eine bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf bringen, doch die gute Idee scheitere in der Realität oftmals an zu wenigen Betreuungsplätzen, kritisierte Hauptgeschäftsführer Ulrich Schneider. „Eltern sind weiterhin mit langen Wartezeiten und Unsicherheiten konfrontiert, und es gibt zu wenige pädagogische Fachkräfte in den Einrichtungen.“

Laut Familienministerium wurden zum Stichtag im März vergangenen Jahres 838.698 Kinder unter drei Jahren in einer Kita betreut, das entspricht in der Altersgruppe einer Quote von 35,5 Prozent. 2012, ein Jahr vor Einführung des Rechtsanspruchs, waren es rund 558.000.

Aus Elternbefragungen weiß die Bundesregierung aber, dass es aktuell Betreuungsbedarf für knapp die Hälfte aller unter Dreijährigen gibt. Zudem übersteigt der gewünschte Betreuungsumfang oftmals die tatsächlich realisierte Zeit.

Deutlich höher ist die Betreuungsquote von Kindern ab drei Jahren bis zum Schuleintritt. Sie liegt im bundesweiten Durchschnitt zwar bei stolzen 92 Prozent, aber immer noch leicht unter dem von den Eltern angemeldeten Bedarf.

Ein Problem ist oft immer noch die Betreuung gerade in Randzeiten. So öffnen in Westdeutschland nur drei Prozent der Kitas spätestens um 6.30 Uhr, nur sechs Prozent haben noch um 17 Uhr geöffnet. In Ostdeutschland liegen die entsprechenden Quoten mit 75 Prozent beziehungsweise 21 Prozent wesentlich höher.

Dabei ist eine bedarfsdeckende Kinderbetreuung zentral, wenn das Versprechen der Vereinbarkeit von Familie und Beruf für Eltern nicht nur eine leere Worthülse bleiben soll. Die Bundesregierung sieht in der Steigerung der Erwerbsbeteiligung von Frauen ein Mittel im Kampf gegen den Fachkräftemangel.

Nach Daten des Statistischen Bundesamts lebten in Deutschland im vergangenen Jahr 2,1 Millionen Mütter mit mindestens einem Kind unter drei Jahren. Von ihnen waren 39,7 Prozent berufstätig. 2008 lag die Quote mit 30,8 Prozent noch rund neun Punkte niedriger.

Die Wiesbadener Statistiker führen den Anstieg auch auf den Ausbau der Kinderbetreuung im Zuge des Rechtsanspruchs auf frühkindliche Betreuung zurück. Doch was das angeht, ist Deutschland weiter geteilt.

Während im Osten mehr als die Hälfte der unter Dreijährigen betreut wird, trifft das im Westen nur auf knapp jedes dritte Kleinkind im entsprechenden Alter zu.

Am höchsten ist die Betreuungsquote mit jeweils mehr als 58 Prozent in Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen-Anhalt. Den niedrigsten Wert mit unter 30 Prozent verzeichnet Baden-Württemberg.

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„Der Bedarf in Deutschland ist noch nicht gedeckt, und der Ausbau muss weitergehen“, resümiert das Familienministerium in seinem aktuellen Bericht zu Ausbaustand und Bedarf.

Der Bund steckt viel Geld in die Kitas. In den Jahren 2023 und 2024 sollen die Länder rund vier Milliarden Euro erhalten, die sie dann vor allem für die Qualitätsentwicklung investieren können – also beispielsweise in die Gewinnung von Fachkräften, die Stärkung von Kitaleitungen oder die Verbesserung der Betreuungsschlüssel.

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In der Altersgruppe der unter Dreijährigen kümmerte sich im Jahr 2021 eine pädagogische Fachkraft im bundesweiten Durchschnitt um vier Kinder, wobei auch hier große Unterschiede zwischen den Ländern bestehen.

Ein begrenzender Faktor für den weiteren Ausbau der Kinderbetreuung ist allerdings der Fachkräftemangel. „Die Gewinnung und Sicherung von ausreichend und gut qualifizierten Fachkräften für die Kindertagesbetreuung und Ganztagsbetreuung an Grundschulen ist eine der zentralen Herausforderungen der kommenden Jahre“, schreibt das Familienministerium. Bis 2030 könnten nach Studien bis zu 230.000 Fachkräfte in den Kitas fehlen.

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