Krankenkassen: Schätzerkreis erwartet für 2026 Zusatzbeitrag von 2,9 Prozent
Berlin. Versicherte müssen weiter mit hohen Zusatzbeiträgen rechnen. Der Schätzerkreis der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) hat seine neuen Berechnungen vorgelegt. Nach Angaben der beteiligten Ministerialbeamten und Kassenvertreter dürfte der durchschnittliche Zusatzbeitrag zur gesetzlichen Krankenversicherung im kommenden Jahr bei 2,9 Prozent liegen. Dieser Zusatzbeitrag für 2026 muss spätestens bis zum 1. November vom Gesundheitsministerium festgelegt werden.
Für das laufende Jahr war Ende 2024 ein Durchschnittswert von 2,5 Prozent festgelegt worden. Allerdings erheben die Krankenkassen laut Bundesgesundheitsministerium inzwischen durchschnittlich einen Zusatzbeitrag von 2,9 Prozent.
Bundesgesundheitsministerin Nina Warken (CDU) bemühte sich am Mittwoch, Sorgen vor steigenden Beiträgen zu dämpfen. „Die Bundesrepublik hat Wort gehalten“, sagte sie nach einer Kabinettssitzung in Berlin. 2026 könne das aktuelle Niveau von 2,9 Prozent gehalten werden. Tatsächlich hatte das Ministerium seine frühere Prognose für das laufende Jahr erst im August der Realität angepasst – von 2,5 auf 2,9 Prozent.
Ob es 2026 wirklich bei dem erwarteten Zusatzbeitrag von 2,9 Prozent bleibt, ist offen. Denn neben dem festen allgemeinen Beitragssatz von 14,6 Prozent kann jede Kasse ihren Zusatzbeitrag selbst festlegen. Dieser wird – wie der allgemeine Beitragssatz auch – je zur Hälfte von Arbeitgebern und Arbeitnehmern gezahlt. Der berechnete Durchschnitt dient deshalb vor allem als Richtwert für das gesamte System.
Oliver Blatt, Vorstandsvorsitzender des Spitzenverbandes der gesetzlichen Krankenkassen, sieht in der Schätzung keine Entwarnung für Versicherte: „Denn viele Kassen müssen ihre gesetzlich vorgeschriebenen Rücklagen auffüllen und diesen zusätzlichen Finanzierungsbedarf berücksichtigt der Schätzerkreis bei seiner Prognose nicht.“
Damit würde sich ein Problem aus dem vergangenen Jahr wiederholen. „Auf den ersten Blick erscheint die finanzielle Situation stabil, aber wer genauer hinschaut, erkennt, dass weiterhin Beitragsanhebungen zu erwarten sind“, führt Blatt fort. Grüne-Politikerin Britta Haßelmann sieht das ähnlich: „Die Realität der Krankenkassenfinanzen lässt sich nicht
schönrechnen. Die vermeintliche Beitragsstabilität wird erkauft durch
unrealistische Konjunkturannahmen und kurzfristige Buchungstricks - es ist eine optische Täuschung.“
Angesiedelt ist der Schätzerkreis beim Bundesamt für Soziale Sicherung (BAS) und wird durch Fachleute des Bundesgesundheitsministeriums (BMG) und des GKV-Spitzenverbands ergänzt. Einmal im Jahr, jeweils bis Mitte Oktober, schätzt der Kreis, wie sich Einnahmen, Ausgaben und Versichertenzahlen entwickeln könnten.
Für 2025 rechnet der Schätzerkreis mit Einnahmen des Gesundheitsfonds von 299 Milliarden Euro. Darin enthalten sind der reguläre Bundeszuschuss von 14,5 Milliarden Euro und ein ergänzender Zuschuss von 1,5 Milliarden Euro zur Finanzierung der Krankenhausreform. Zudem wird ein Bundesdarlehen über 2,3 Milliarden Euro berücksichtigt, das ab 2029 schrittweise zurückgezahlt werden soll.
Auf der Ausgabenseite erwarten die Krankenkassen 346,6 Milliarden Euro. Das strukturelle Defizit bleibt daher bestehen, auch wenn es gegenüber den Vorjahren leicht sinkt.
Für das Jahr 2026 prognostiziert der Schätzerkreis Einnahmen von 312,3 Milliarden Euro. Der Bundeszuschuss bleibt konstant, der ergänzende Zuschuss für Kliniken soll auf 2,5 Milliarden Euro steigen.
Uneinigkeit herrscht über die Ausgaben: Während Gesundheitsministerium und Bundesamt für Soziale Sicherung von 369 Milliarden Euro ausgehen, rechnet der GKV-Spitzenverband mit 369,5 Milliarden Euro.
Kliniken und Krankenkassen müssen sparen
Noch vor wenigen Wochen war von einem Gesamtdefizit von rund sechs Milliarden Euro bei Kranken- und Pflegeversicherung die Rede. Nun sind es laut Warken vier Milliarden Euro, davon zwei Milliarden in der GKV. Der Rückgang ist Ergebnis eines Sparpakets, das die Ministerin kurz vor der Sitzung des Schätzerkreises durchs Kabinett brachte.
Sozialbeiträge, so die Ministerin, ließen Arbeit immer teurer werden. „Stabile Sozialbeiträge sind ein Beitrag zum Wohl der Wirtschaft in unserem Land“, sagte Warken.
Ihr Sparpaket sieht vor, dass Krankenkassen und Kliniken stärker sparen müssen. Bei den Kassen werden Mittel aus dem Innovationsfonds halbiert und Verwaltungsausgaben begrenzt. In den Kliniken sollen bestimmte Zuschläge und Ausgleichszahlungen 2026 eingefroren werden. Aus den Ländern, vom Koalitionspartner und von Krankenhausverbänden kommt deutliche Kritik – man warnt vor einer Verschlechterung der Patientenversorgung.
Erstpublikation: 15.10.2025, 19:34 Uhr.
