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Kriseneinsatz Die Bundeswehr sieht sich noch längst nicht am Corona-Limit

5600 Soldaten helfen bei der Bekämpfung der Corona-Pandemie, etwa bei der Nachverfolgung von Kontakten. Für die Truppe bedeutet der Einsatz auch einen enormen Imagegewinn.
05.11.2020 - 12:24 Uhr Kommentieren
Normalerweise arbeitet Christian Bürger im Fliegerhorst Laage, nun unterstützt er beim Landratsamt Vorpommern-Rügen das Gesundheitsamt bei der Corona-Kontaktnachverfolgung. Quelle: dpa
Ein Bundeswehr-Soldat bei der Hilfe im Gesundheitsamt

Normalerweise arbeitet Christian Bürger im Fliegerhorst Laage, nun unterstützt er beim Landratsamt Vorpommern-Rügen das Gesundheitsamt bei der Corona-Kontaktnachverfolgung.

(Foto: dpa)

Berlin Viele Gesundheitsämter arbeiten inzwischen am Limit. Für die Bundeswehr gilt das für die Corona-Hilfseinsätze noch lange nicht. „Unser Konzept funktioniert auch unter Belastung“, sagte Martin Schelleis, Inspekteur der Streitkräftebasis, die den Pandemieeinsatz organisiert, am Donnerstag in Berlin.

4366 Soldatinnen und Soldaten waren an dem Tag im direkten Einsatz. Wenn man Bereitschaftsdienste für Schichtwechsel und Verbindungsoffiziere hinzurechnet, beschäftigen sich insgesamt 5600 Soldaten mit der Corona-Bekämpfung.

Die größten Kontingente verstärken Gesundheitsämter in NRW, Bayern und Berlin. Die Soldaten helfen dort vor allem bei der Kontaktnachverfolgung. Aber sie werden auch in Testzentren und bei mobilen Abstrichdiensten eingesetzt, bei denen sich Bürger etwa zu Hause auf Corona testen lassen können. Inzwischen nehmen allerdings auch die Anfragen für Einsätze in Alten- und Pflegeheimen wieder zu.

„Die zweite Welle trifft seit Anfang Oktober Europa viel schneller und viel stärker als erwartet“, sagte Schelleis. Umso erfreulicher sei es, dass die Kommunen und Landkreise inzwischen wissen, wie und wozu sie Bundeswehr-Hilfe beantragen können. „Wir haben es auch schon geschafft, Anträge über Nacht zu genehmigen und die Soldaten von Freitag auf Samstag vor Ort in den Einsatz zu bringen“, sagt Schelleis. Darauf sei die Bundeswehr stolz.

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    Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und die Länder-Regierungschefs hatten bereits vor drei Wochen die Städte, Gemeinden und Landkreise dazu aufgerufen, nicht so lange abzuwarten, bis ihre Gesundheitsämter in die Knie gehen – sondern verstärkt und frühzeitig die Bundeswehr zu Hilfe zu rufen.

    Seit Ende März hält die Bundeswehr 15.000 Soldaten für Corona-Einsätze in Bereitschaft. 1500 können binnen 24 Stunden an den Einsatzort verlegt werden, weitere 3000 binnen zwei Tagen, der Rest innerhalb von fünf Tagen, sollte dies notwendig werden.

    Das Corona-Kontingent der Bundeswehr könnte weiter vergrößert werden

    Immer wenn ein Hilfskontingent zu einem Einsatz fährt, wird das Kontingent der Soldaten für die schnelle Bereitschaft nachbesetzt.

    Die insgesamt 15.000 Soldaten stehen unter der Leitung von vier regionalen Kommandos, die aus der Julius-Leber-Kaserne in Berlin heraus koordiniert werden. 1000 weitere Soldaten sollen das Kontingent aufstocken. Mit 16.000 Soldaten im Pandemieeinsatz sind die übrigen Aufgaben der Bundeswehr noch nicht gefährdet. Erste Priorität hätten weiterhin die Auslandseinsätze und Einsätze in Osteuropa. Außerdem müsse ja die militärische Ausbildung fortgesetzt werden.

    Die Pandemie könne auch dazu führen, dass sich die Lage in den Auslandseinsatzgebieten verschärfe, sagte Schelleis. Dennoch mache sich die Bundeswehr Gedanken, wie im Notfall das Corona-Kontingent noch weiter vergrößert werden kann.

    Normalerweise herrscht in Deutschland eine strikte Trennung von innerer und äußerer Sicherheit: Einsätze der Bundeswehr im Innern sind demnach grundsätzlich verboten – vor allem wenn es um die Durchsetzung hoheitlicher Aufgaben geht.

    Erlaubt sind im Katastrophenfall allerdings Unterstützungseinsätze, wenn die zivilen Kräfte nicht mehr ausreichen. „Alle Amtshilfeanträge, die in die Nähe hoheitlicher Aufgaben kommen, müssen wir ablehnen“, sagt Schelleis. Inzwischen kämen aber kaum noch solche Anträge herein. „Gelernt“ hätten die Kommunen auch, dass die Bundeswehr keine Pflegekräfte und Ärzte schicken könne.

    In den letzten Jahren gab es Hilfseinsätze der Bundeswehr mehrfach bei Hochwasser, im Kampf gegen Borkenkäfer, bei Waldbränden und aktuell auch gegen die Schweinepest. Auch während der Flüchtlingskrise 2015 halfen Soldaten, Notunterkünfte einzurichten.

    Die Kontaktnachverfolgung in den Gesundheitsämtern fordert den Soldaten einiges ab: Die Gespräche seien häufig belastet, es komme zu Dramen und Beschimpfungen am Telefon, berichtet Bundeswehr-Inspekteur Schelleis. Die Soldaten könnten dies meist gut bewältigen.

    Schelleis berichtet von einem doppelten Erstaunen: Viele Deutsche hätten im Alltag offenbar wenig Kontakt zu den Bundeswehr-Soldaten. „Wir sind erstaunt, wie erstaunt man in den Gesundheitsämtern darauf reagiert, wie hilfsbereit und empathisch die Soldaten arbeiten“, so Schelleis. „Ich frage mich manchmal, welches Bild in der Bevölkerung über uns vorherrscht“, sagt Schelleis. Er hofft, dass der Imagegewinn auch nach der Pandemie anhält.

    Mehr: Gibt es bereits Erfolg beim Abflachen der Corona-Infektionskurve?

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