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Münchner SicherheitskonferenzWie Daten die Bundeswehr zur überlegenen Armee machen sollen

Moderne Kriege entscheiden sich auch in der digitalen Welt. Die Bundeswehr sucht deshalb neue Wege der Kooperation mit innovativen Start-ups und KI-Entwicklern.Frank Specht 16.02.2024 - 11:09 Uhr
Panzerhaubitze 2000 bei einer Übung. Mit einem vergleichsweise kleinen Etat kümmert sich eine Einheit der Bundeswehr um digitale Innovationen für die Truppe. Foto: dpa

Berlin. Google Earth kennt jeder. Das Programm liefert erstaunlich gute Geländeinformationen, mit der Zoomfunktion lassen sich Brücken, Straßen oder Gebäude nah heranholen und von oben betrachten. Informationen, die auch Militärs helfen können, wenn sie beispielsweise gerade nicht auf Satellitendaten oder andere Aufklärung zurückgreifen können.

Das Problem: Die Daten liefern nur eine Momentaufnahme aus der Vergangenheit. Existiert die Brücke, die auf dem Bild zu sehen ist, überhaupt noch? Ist sie beschädigt? Und wie ist die Beschaffenheit des Geländes rechts und links?

Diese Wissenslücke will das Start-up Munich Innovation Labs schließen, das KI-Tools für die innere und äußere Sicherheit entwickelt. Mit seiner „Crowd Sourced Information Plattform“ (CIP) durchforstet es öffentlich zugängliche Informationen wie beispielsweise aus Webcams oder Datenbanken und kann auch Crowd-User aktivieren, Informationen hochzuladen. So ergibt sich im Idealfall ein detaillierteres und aktuelleres Lagebild, als es selbst mit Satellitenaufnahmen möglich wäre.

Vorgestellt wurde das Projekt am Donnerstagabend im Vorfeld der Münchner Sicherheitskonferenz (MSC). Der Charakter des Kriegs habe sich grundlegend geändert, Digitalisierung und Künstliche Intelligenz (KI) seien zu entscheidenden Faktoren geworden, sagte der Leiter der Abteilung Cyber- und Informationstechnik im Bundesverteidigungsministerium, Generalleutnant Michael Vetter. Wichtig sei deshalb, Patenschaften und die Zusammenarbeit zwischen Wirtschaft und Streitkräften auszubauen.

Die Brücke zwischen der Start-up-Welt und der Armee soll dabei der im Jahr 2017 gegründete „Cyber Innovation Hub“ (CIH) schlagen, das als Innovationseinheit im Systemhaus der Bundeswehr, der BWI GmbH, arbeitet. Die Soldaten, Reservisten und zivile Mitarbeiter des Hubs schauen sich an, wo es Probleme in der Truppe gibt, und wählen dann selbstständig Projekte aus, mit denen sie gelöst werden könnten. Und das alles mit einem kleinen Etat von zehn Millionen Euro im Jahr.

Das Gelände zu den Soldaten bringen

Ein Innovationsvorhaben des CIH hat es mittlerweile bis an die Front in der Ukraine geschafft. Dabei geht es um einen „Lichtteppich“ der Hamburger Firma Carpetlight, der gute Dienste bei der Versorgung von Verwundeten leistet.

Anders als beispielsweise Stirnlampen liefert der Teppich gleichmäßiges Licht und kann auf Taschenformat zusammengefaltet werden. Die Technologie, die bereits in der Filmindustrie erfolgreich zum Einsatz kam, hat der Innovation Hub gemeinsam mit den Firmengründern auf militärische Bedürfnisse abgestimmt und beim Kommando Spezialkräfte der Marine und in der Panzertruppenschule in Munster erprobt.

Auch ein zweites Innovationsvorhaben könnte die Bundeswehr weiterbringen und gleichzeitig Soldatinnen und Soldaten schützen. Denn wenn Kommandeurinnen und Kommandeure im Feld zur Lagebesprechung zusammenkommen und sich gemeinsam über eine Papierkarte beugen, sind sie unter Umständen ein leichtes Ziel für den Gegner.

Statt die Soldaten also ins Gelände zu bringen, bringt das Projekt Augmented Common Operational Picture (ACOP) das Gelände zu den Soldaten. Und zwar mit Mixed-Reality-Brillen, mit deren Hilfe Geländeprofile in allen Details dargestellt werden.

Die Soldatinnen und Soldaten können sich virtuell in der Umgebung bewegen und gewissermaßen durch Berge, Bewuchs oder andere Hindernisse hindurchsehen, also beispielsweise besser erkennen, wo sich Deckung bietet und wo nicht. Erprobt wurde die Technologie bereits im November 2023 bei einer Nato-Gefechtsübung.

Gasleck in der Nord-Stream-Pipeline: Würde man alle Sensor- und Satellitendaten zusammenführen, ließe das womöglich Rückschlüsse auf den Verursacher der Sprengung zu. Foto: dpa

Mit einem weiteren Innovationsvorhaben hätte sich vielleicht nachvollziehen lassen, wer für die Sprengung der Nord-Stream-Pipeline im September 2022 verantwortlich war.

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Denn das Projekt Multi Sensor Data Fusion, angestoßen von einem Korvettenkapitän der Reserve, führt unterschiedliche Sensor- und Satellitendaten vom Weltraum bis zum Seeboden zusammen und macht aus bisher isolierten Einzelinformationen ein Gesamtbild. Verdächtige Manöver von Schiffen über kritischer Unterwasserinfrastruktur wären so vielleicht leichter aufgefallen.

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