Nach der Wahl: So klein wäre diese „Große“ Koalition im historischen Vergleich
Düsseldorf. Nach der Wahl ist vor der Regierungsbildung: Am gestrigen Montag trafen sich CDU-Kanzlerkandidat Friedrich Merz und SPD-Chef Lars Klingbeil. Merz sagte, er wolle bis Ostern eine Regierung bilden, also in den kommenden zwei Monaten.
Klingbeil betonte hingegen, es sei noch nicht ausgemacht, dass Union und SPD eine Koalition eingehen werden. Und dämpfte die Erwartungen einer schnellen Regierungsbildung. Er erwarte, „dass Merz seinen Kurs und auch seinen Ton deutlich ändert“, sagte Klingbeil im ZDF. Dennoch ist eine Große Koalition aktuell die wahrscheinlichste Koalitionsoption.
Es wäre die fünfte „GroKo“ in der Geschichte der Bundesrepublik. Allerdings hatten Union und SPD zusammengerechnet noch nie so wenige Sitze im Deutschen Bundestag. Das zeigt ein historischer Vergleich.
Sinkender Rückhalt für SPD und Union
Im damaligen Bundestag saßen nur die drei Fraktionen Union, SPD und FDP – die „GroKo“ stellte mehr als 90 Prozent der Sitze. Die aktuelle Ausgangslage im neu gewählten Bundestag ist eine gänzlich andere.
Im neuen Bundestag haben Union und SPD gemeinsam gerade mal eine Mehrheit von zwölf Stimmen. Eine von Friedrich Merz angeführte Koalition hätte damit die wenigsten Sitze aller Großen Koalitionen seit Gründung der Bundesrepublik. Die Fraktionen von AfD, Grünen und Linken hätten als Opposition dann 48 Prozent der Sitze im Parlament.
Allerdings ist der Verlust von Anteilen der beiden großen Volksparteien ein Phänomen, das bereits unter der ehemaligen Bundeskanzlerin Angela Merkel begonnen hat, wie die folgende Grafik zeigt. Drei der bislang vier Großen Koalitionen führte Merkel an.
Während Merkels Union und die Sozialdemokraten in den Legislaturperioden 2005 bis 2009 und 2013 bis 2017 noch über mehr als zwei Drittel der Sitze verfügten, hatte schon das Kabinett Merkel IV (2017 bis 2021) keine Zweidrittelmehrheit mehr. Allerdings war damals rechnerisch eine Zweidrittelmehrheit mithilfe der FDP möglich. Eine solche Mehrheit ist nötig, falls die Verfassung geändert werden soll.
Im neu gewählten Deutschen Bundestag hätten aber selbst Union, SPD und Grüne zusammen keine Zweidrittelmehrheit. Sie würden dafür zusätzlich die Zustimmung etwa von Linken-Abgeordneten benötigen – ein weiterer Beleg für die Schwächung der „GroKo“-Parteien.