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Pandemie-Bekämpfung Erste Länder wollen Schüler vor Sommerferien impfen

Bund und Länder wollen auch Jugendliche schnell impfen. Experten sehen Chancen im Kampf gegen das Virus, es gibt aber offene Fragen.
19.05.2021 - 18:34 Uhr Kommentieren
Für Schulen gibt es keine eine einheitlichen Regeln für die Rückkehr der Schüler. Quelle: dpa
Abiturienten in Dresden

Für Schulen gibt es keine eine einheitlichen Regeln für die Rückkehr der Schüler.

(Foto: dpa)

Berlin
Mehrere Bundesländer preschen mit Impfplänen für jüngere Menschen vor. So kündigten Nordrhein-Westfalen und Hessen an, ein Impfangebot für Schüler noch vor den Sommerferien erreichen zu wollen.

Bund und Länder finden sich am Donnerstag der kommenden Woche zu einem Impfgipfel zusammen. Dies hatte Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) am Dienstag angekündigt. Dann soll die Frage geklärt werden, wie und wo man Kinder über zwölf Jahre nach einer Freigabe des Impfstoffes von Biontech impfen soll. Noch im Mai will die europäische Arzneimittelagentur Ema über die Freigabe entscheiden.

Auch andere Hersteller wie Moderna sind in klinische Studien mit Kindern und Jugendlichen eingestiegen. Für jüngere Menschen gibt es derzeit allerdings noch keinen Impfstoff.

Die Gesundheitsminister von Bund und Ländern hatten sich darauf verständigt, spätestens bis zum Ende der Sommerferien allen Jugendlichen ein Impfangebot zu machen. Die Details sollten von den Ländern bis Ende Mai erarbeitet werden und könnten nun Gegenstand des Gipfels werden.

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    Länder, die zuerst in die Ferien gingen, müssten auch zuerst mit Impfstoff für junge Menschen beliefert werden, sagte Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) zu seinen Impfplänen. Ziel sei, möglichst viele Kinder noch vor den Sommerferien zu impfen, damit nach den Sommerferien noch mehr Sicherheit in den Schulen möglich sei.

    Auch für die Präsenz in Ausbildung und Studium im Herbst müsse über den Sommer die Impfung aller impfwilligen jungen Menschen sichergestellt werden.
    Gedämpfte Erwartungen

    Das Bundesland Hessen wiederum plant die Erstimpfung der Schüler ab dem 28. Juni bis zum Beginn der Sommerferien am 19. Juli. Die Registrierung erfolgt über die Impfzentren. Ungeimpfte Kinder bräuchten nach den Sommerferien weiterhin einen negativen Coronatest, um am Unterricht teilzunehmen, kündigte Innenminister Peter Beuth (CDU) an.

    Bundesbildungsministerin Anja Karliczek dämpfte die Erwartungen an schnelle Impfungen von Kindern. „Das wird noch etwas länger dauern, weil das eine Frage der Dosis ist. Kinder reagieren in der Regel stärker auf Impfstoffe als Erwachsene“, sagte die CDU-Politikerin. Deshalb sei sie auch vorsichtig beim Thema Präsenzunterricht in Schulen. „Wir werden die Teststrategie und das Maskentragen beibehalten müssen.“

    Stiko: Gründliche Prüfung

    Für die Impfstoffe von Moderna und Biontech laufen klinische Studien für Kinder ab sechs Monaten und bis unter zwölf Jahren. Im Sommer könnten Ergebnisse zu den Studien für Kinder von fünf bis zwölf Jahren vorliegen, im Herbst für jüngere ab sechs Monaten, teilte der Verband der Forschenden Arzneimittelhersteller (vfa) mit. Der rechnet damit, dass in diesem Jahr alle Schulkinder geimpft werden können.

    Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) hatte ein Angebot für eine Erstimpfung für Jugendliche ab zwölf Jahren noch während der Sommerferien in Aussicht gestellt. Neben der Ema-Freigabe steht die Entscheidung über eine Empfehlung durch die Ständige Impfkommission (Stiko) aus.

    Der Chef der Stiko, Thomas Mertens, hatte eine Prüfung vor einer möglichen Impfempfehlung angekündigt. Die Impfung von Kindern sei bei der Bewältigung der Pandemie von Bedeutung. Zunächst könnten besonders Kinder mit Vorerkrankungen geschützt werden – diese sollten nach einer Zulassung zuerst geimpft werden.

    Die gesundheitspolitische Sprecherin der FDP, Christine Aschenberg-Dugnus, mahnte zur Eile. „Die Stiko sollte im Falle einer Zulassung schnellstmöglich eine Empfehlung prüfen.“ Zudem müssten Eltern über die Risiken einer Impfung aufgeklärt werden.

    „Eine Impfung könnte den so ungemein wichtigen Präsenzunterricht sowie Treffen mit Gleichaltrigen ermöglichen“, sagte sie. Die Bundesregierung sollte nicht wieder hinterherlaufen und schon jetzt für ausreichend Impfstoffdosen sorgen.

    Die Entscheidung der Stiko wird auch deswegen gespannt erwartet, weil noch offen ist, ob und in welchem Umfang die Kommission die Impfung von Jugendlichen überhaupt empfehlen wird. Die Grünen-Gesundheitsexpertin Kordula Schulz-Asche verweist auf ein geringeres Risiko für schwere Verläufe bei jüngeren Menschen.

    Eine Impfung wäre – außer bei Kindern aus vulnerablen Gruppen – „ausschließlich fremdnützig im Sinne der Herdenimmunität“. Es stelle sich die Frage, „ob eine generelle Impfempfehlung für Kinder nur mit Blick auf das Ziel einer Herdenimmunität ethisch gerechtfertigt ist, zumal Kinder dieser Altersgruppe nur beschränkt einwilligungsfähig sind“, sagte sie dem Handelsblatt. Eine eingeschränkte Empfehlung der Stiko wäre deswegen nachvollziehbar.

    Risiko-Nutzen-Abwägung

    Der stellvertretende Vorsitzende der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV), Stephan Hofmeister, verwies in einer Videoschalte am Mittwoch auch auf die möglichen Nebenwirkungen des Impfstoffs für Kinder und Jugendliche. Die Stiko müsse diese sorgfältig mit dem Nutzen der Impfung abwägen, sagte er. Es brauche eine klare Entscheidung, die auch von der Bevölkerung nachvollzogen werden könne.

    Die Daten aus den Zulassungsstudien zu den Nebenwirkungen liegen bislang noch nicht vor. Es würden allerdings „nur leichte Nebenwirkungen akzeptabel sein, denn das Covid-19 Risiko von Kindern ist eher gering“, sagte der Essener Virologe Ulf Dittmer.

    Der vfa weist darauf hin, dass der Impfstoff ausgiebig an Kindern erprobt worden ist. Zu erwarten sei, dass die schwerwiegenden Nebenwirkungen wie bei Erwachsenen nur in sehr seltenen Fällen auftreten. Biontech und Pfizer erproben den Impfstoff an Jugendlichen seit Oktober vergangenen Jahres.

    Der Leipziger Epidemiologe Markus Scholz hält den Punkt „tatsächlich für eine schwierige Frage der Risikoabwägung“. Die Entwicklungen in der zweiten und dritten Welle hätten gezeigt, dass auch im Kinder- und Jugendbereich ein erhebliches Infektionsgeschehen stattfindet.

    Eine „natürliche Durchseuchung“, die ohne Impfung sehr wahrscheinlich stattfinden würde, hält er für riskant. „Das Risiko für schwere Verläufe bei Kindern ist zwar gering, dennoch treten solche Fälle gelegentlich auf“, sagte Scholz dem Handelsblatt.

    Zudem wisse man noch sehr wenig über mögliche Langzeitfolgen auch nach leichten Verläufen. Der Berliner Virologe Christian Drosten hatte kürzlich gesagt, dass eine Corona-Infektion möglicherweise bei Kindern nicht so harmlos sei wie teils in der Öffentlichkeit dargestellt. Noch wisse man nicht, wie es sei, wenn sich große Gruppen von Kindern ansteckten. Diese gilt es davor zu schützen.

    Mit Agenturmaterial.

    Mehr: Kassenärzte-Chef Gassen: „Können in relativ kurzer Zeit alle Jugendlichen impfen“

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