Pandemiebekämpfung: Neues Coronapapier: Expertenrat beklagt Abhängigkeit von Daten aus dem Ausland
Experten beklagen den schlechten Überblick über dei Omikron-Lage in Deutschland.
Foto: imago images/Michael GstettenbauerDer Expertenrat der Bundesregierung beklagt die schlechte Informationslage im Kampf gegen die Omikron-Variante. „Im Moment bedient sich Deutschland zur Einschätzung der Omikron-Variante vorrangig ausländischer Untersuchungen, zum Beispiel aus Großbritannien, Dänemark und den USA“, heißt es in einem neuen Coronapapier vom Samstagabend, das dem Handelsblatt vorliegt.
Diese Daten seien zwar für die Bewertung der aktuellen Lage und potentieller Szenarien von hohem Wert, jedoch sei ihre Übertragbarkeit auf die hiesige Situation limitiert, was die Möglichkeit von Fehleinschätzungen impliziere, schreiben die Experten.
Dem Expertenrat gehören unter anderem die Virologen Hendrik Streeck (44) und Christian Drosten (49) an. Vor dem nächsten Bund-Länder-Gipfel am Montag dringt das Gremium deshalb auf eine umfassende Digitalisierung des Gesundheitswesens mit Ausleitung, Auswertung und Veröffentlichung von anonymisierten Gesundheitsdaten in Echtzeit.
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„Die Einführung der elektronischen Patientenakte sollte mit höchster Priorität umgesetzt werden“, heißt es in dem Papier. Eine weitere Verzögerung der 2003 beschlossenen und gesetzlich verankerten elektronischen Patientenakte ist nicht mehr mit einem modernen Gesundheitswesen und Pandemiemanagement vereinbar.
Als Sofortmaßnahme fordern die Experten, die Krankenhäuser über ihr Controlling zu verpflichten, neben ihren freien und belegten Ressourcen alle Aufnahmen mit Sars-CoV-2 innerhalb der letzten 24 Stunden unter Angabe der Alterskategorie zu melden. Eine Echtzeitübersicht über alle verfügbaren Krankenhausbetten mit aktueller Belegung auch außerhalb der Intensivmedizin werde dringend benötigt
Keine Verschärfung der Regeln notwendig
Laut dem Expertenrat ist eine Verschärfung der Coronaregeln derzeit nicht nötig. Stattdessen heißt es in der Stellungnahme, dass die aktuellen Maßnahmen beibehalten und strikt umgesetzt werden sollen.
Nur falls die Krankenhausinzidenz in den kommenden Wochen kritische Marken überschreiten sollte, wären weitergehende Maßnahmen nötig, schreiben die Experten. In dem Papier gibt es allerdings keine Hinweise darauf, ab wann diese kritische Marke erreicht sei und was dann geschehen müsse.
Das Robert Koch-Institut (RKI) meldete am Sonntag 85.440 Neuinfektionen. Das sind 32.936 Fälle mehr als am Sonntag vor einer Woche, als 52.504 positive Tests gemeldet wurden. Die bundesweite Sieben-Tage-Inzidenz stieg auf 806,6 von 772,7 am Vortag und erreicht damit einen neuen Höchstwert.
Angesichts dieser Entwicklung sind nach Ansicht des Expertenrats sowohl Kontaktbeschränkungen als auch Boosterimpfungen notwendig, um die Dynamik der aktuellen Omikron-Welle zu bremsen und das Gesundheitssystem und die kritische Infrastruktur zu schützen. Deshalb sei eine Intensivierung der Booster-Impfkampagne besonders wichtig.