Leadership: „Frauen zahlen für Offenheit einen höheren Preis“
Düsseldorf. Es ist eher ungewöhnlich, dass aktive Spitzenpolitiker über ihre gesundheitlichen Probleme sprechen – gerade deshalb löste ein Interview mit Heidi Reichinnek eine Debatte aus. „Ich habe diese Erkrankung, und sie belastet mich massiv“, sagte die Linken-Fraktionschefin vor wenigen Tagen der „Rheinischen Post“.
Sie sprach über ihre chronische Migräne, wegen der sie oft starke Schmerzmittel einnehmen muss, die ihre Konzentrationsfähigkeit beeinträchtigen. Bereits einige Monate zuvor begründete sie einen Aussetzer in der Talkshow „Markus Lanz“ mit ihrer Migräne.
Kritiker reagierten mit Häme und warfen ihr vor, ihre Krankheit zu instrumentalisieren. Andere lobten Reichinnek dafür, die neurologische Erkrankung sichtbar zu machen. Laut Robert Koch-Institut (RKI) leiden 14,8 Prozent der Frauen und sechs Prozent der Männer in Deutschland unter Migräne.
Wie viel Transparenz ist für Menschen in exponierten Spitzenpositionen klug? Das Handelsblatt hat bei Leadership-Professorin Fabiola Gerpott von der WHU – Otto Beisheim School of Management nachgefragt. Sie erklärt, warum Schwächen bei Frauen anders wirken als bei Männern und worauf sie bei der Kommunikation über Krankheiten achten sollten.