Steffen Mau: Ein Star-Soziologe erklärt, warum der Osten dauerhaft anders tickt
Dresden. Einmal mehr verdeutlichten die Ergebnisse der Wahlen zum Europäischen Parlament die Relevanz der Ost-West-Brille für das Verständnis der deutschen Politik: Das schwächste AfD-Ergebnis in einem ostdeutschen Bundesland (27,5 Prozent in Brandenburg) fiel immer noch deutlich höher aus als das beste in einem westdeutschen (15,7 Prozent im Saarland).
Das neue Bündnis Sahra Wagenknecht erzielte im Osten aus dem Stand heraus ein zweistelliges Ergebnis. Und die Regierungsparteien erreichten in den gar nicht mehr so neuen Bundesländern (noch) weniger Unterstützung als in den alten.
Im Hinblick auf die drei Landtagswahlen im Herbst – in Brandenburg, Sachsen und Thüringen – ist daher mit weiteren Episoden der zyklisch wiederkehrenden öffentlichen Debatte rund um die Ursachen und Folgen der innerdeutschen Asymmetrie zu rechnen. Dabei wird man viele der zu erwartenden Kommentare zu Politik, Wirtschaft und Gesellschaft im Osten in den letzten Jahren schon gehört haben.
Gut also, dass der Soziologe Steffen Mau in seinem neuen Buch „Ungleich vereint. Warum der Osten anders bleibt“ nicht nur nuancierte, sondern auch originelle Perspektiven liefert. Im Gegensatz zu Maus üppigem Soziologie-Bestseller aus dem Vorjahr, „Triggerpunkte“ (zusammen mit Thomas Lux und Linus Westheuser), handelt es sich beim neuen Buch übrigens bloß um „eine kleine politische Schrift“.