Ukrainekrieg: Deutschland liefert Kiew nun doch selbst zwei Patriot-Systeme
Berlin. Deutschland wird der Ukraine zwei weitere Patriot-Luftverteidigungssysteme aus Bundeswehrbeständen zur Verfügung stellen. Das kündigte das Bundesverteidigungsministerium am Freitag an. Als erster Schritt sollen schon in den kommenden Tagen zwei Startgeräte geliefert werden. In den nächsten zwei bis drei Monaten werden dann weitere Systemanteile folgen, heißt es in der Mitteilung. Im Gegenzug soll die Bundesrepublik bevorzugt mit neu produzierten modernen Patriot-Systemen aus den USA beliefert werden.
Deutschland habe sich in den Gesprächen auf Nato-Ebene von Anfang an bereit erklärt, zur Unterstützung der Ukraine weitere Patriot-Systemanteile zur Verfügung zu stellen, sagte Bundesverteidigungsminister Boris Pistorius (SPD).
Voraussetzung sei, dass der US-Hersteller Raytheon im Gegenzug schnellstmöglich neue Systeme liefern werde, damit Deutschland weiterhin seinen Nato-Verpflichtungen gerecht werden könne. „Diese Zusage von US-Seite ist da“, sagte Pistorius – ohne sich allerdings näher zu Lieferfristen zu äußern. Das Luftabwehrsystem ist seit den 1980er-Jahren im Einsatz, 18 Staaten nutzen es.
Längeres Rätselraten um die zugesagte Lieferung
Um die Patriot-Lieferungen hatte es ein längeres Rätselraten gegeben, nachdem US-Präsident Donald Trump Mitte Juli angekündigt hatte, den Ukrainern Patriot-Systeme zu liefern, „die sie dringend brauchen“. Trump hob aber hervor, dass die Europäer für die Systeme bezahlen sollen. Seither wurde auf Nato-Ebene beraten, wie sich die Zusage am besten einlösen ließe. Pistorius hatte beim Besuch seines US-Amtskollegen Pete Hegseth in Washington den Abstimmungsprozess angestoßen.
Deutschland hatte sich zwar zur Finanzierung bereit erklärt, wollte aber eigentlich keine Patriots aus eigenen Beständen mehr abgeben, um die Verteidigungsfähigkeit nicht zu gefährden. Die Bundeswehr hat bereits drei Systeme zur Verfügung gestellt und verfügt jetzt noch über neun. Zwölf sind nachbestellt, mit einer Lieferung wurde aber bisher kaum vor Ende nächsten Jahres gerechnet. Die USA selbst sollen um die 60 Patriot-Systeme besitzen.
Trump selbst hatte für Verwirrung gesorgt, als er erklärte, dass Raketen für die Patriot-Systeme der Ukraine bereits aus Deutschland verschifft würden. Dies wurde von deutscher Seite so aber nicht bestätigt.
Laut Verteidigungsministerium wollen die Patriot-Nutzerstaaten „durch gemeinsame Anstrengungen“ dafür sorgen, dass die Systeme in der Ukraine rasch einsatzbereit sind. Es könnten also Bestandteile auch aus anderen Ländern kommen oder dort instandgesetzt werden.
Mit der vereinbarten Lösung gehe Deutschland in Vorleistung, um die aktuell sehr dringenden Bedarfe der Ukraine schnell zu decken, sagte Pistorius. „Wir gehen erneut voran und verbinden diese Lieferung mit dem Appell an unsere Partner, ihrerseits weitere Systeme zeitnah zur Verfügung zu stellen.“ Russland greift die Ukraine immer wieder mit Drohnen, Raketen und Marschflugkörpern an. Bei einem massiven Angriff in der Nacht zu Donnerstag sind nach Angaben des ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj mehr als 30 Menschen getötet worden.
Ende vergangenen Jahres hatte die Bundeswehr zwei Patriot-Staffeln nach Polen verlegt, um dort die Militärbasis im Ort Rzeszow im Südosten des Landes zu schützen. Sie ist eine wichtige Drehscheibe für Waffenlieferungen an die Ukraine. Die ursprünglich für sechs Monate geplante Stationierung ist verlängert worden. Die Niederlande haben sich bereit erklärt, das deutsche Kontingent in Rzeszow abzulösen, wollen aber nach Aussage von Verteidigungsminister Ruben Brekelmans selbst einen „bedeutenden Beitrag“ zur Lieferung amerikanischer Patriot-Systeme an die Ukraine leisten.