Uwe Cantner: „Wir haben das Know-how, uns technologisch neu zu erfinden“
Berlin. Der oberste Innovationsberater der Bundesregierung, Uwe Cantner, drängt die Koalition aus Union und SPD zur Eile: „Wenn wir nicht schnellstmöglich bei den Schlüsseltechnologien wieder weltweit unter die ersten fünf kommen, können wir uns die ganzen teuren Brocken bei Verteidigung, Infrastruktur oder Rente gar nicht leisten. Dann wird’s richtig schlimm“, sagt er im Gespräch mit dem Handelsblatt. „Wir haben das nötige Know-how, uns technologisch neu zu erfinden, und das Geld – noch.“
Cantner führt seit fünf Jahren die Expertenkommission Forschung und Innovation (EFI) – eine Art Sachverständigenrat für Innovation –, die in ihren jährlichen Gutachten versucht, die Regierung technologisch auf die richtige Spur zu bringen. Immer wieder haben er und sein Team gedrängt, die Bedingungen für Innovationen zu verbessern und die Politik an großen Zielen auszurichten – relativ erfolglos.
Um die Wende zu schaffen, müsse Technologieministerin Dorothee Bär (CSU) „schnell die klare Botschaft aussenden: ‚Wir helfen unseren tollen Unternehmen mit allem, was nötig ist, technologisch aufzuholen und wieder wettbewerbsfähig zu werden.‘“ Konkret könne das etwa ein „ganz starkes Bekenntnis zu Künstlicher Intelligenz (KI) sein, die Ankündigung eines Riesenprogramms für Rechnerkapazitäten“.
Die Regierung könnte auch eine Mission ausrufen, die autonome Mobilität in Deutschland bis 2040 auf Topniveau zu bringen: „Eben einen richtig großen Aufschlag, etwa mit der Botschaft ‚Deutschland bleibt Automobilland – aber ganz anders‘ oder ‚KI-Land Deutschland – auf die Anwendung kommt es an‘.“