Außenhandel: Chinas Exporte brechen um mehr als zwölf Prozent ein
Es ist der stärkte Rückgang im Außenhandel seit Beginn der Coronapandemie.
Foto: dpaPeking. Chinas Wirtschaft leidet unter der schwachen globalen Nachfrage. Die Exporte brachen im Juni um mehr als zwölf Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat ein. Das zeigen die Zahlen der Zollbehörde, die am Mittwoch veröffentlicht wurden. Es ist der stärkste Rückgang seit Beginn der Coronapandemie vor mehr als drei Jahren. Auch die Importe fielen um fast sieben Prozent.
Hauptgrund für die deutlich gesunkenen Exporte ist die fehlende Nachfrage nach Produkten aus China infolge der schwachen wirtschaftlichen Entwicklung in vielen wichtigen Abnehmerländern. Zudem fordern viele westliche Regierungen ihre Unternehmen auf, sich unabhängiger von China zu machen. Besonders stark brach der Handel mit den USA ein, wohin chinesische Unternehmen fast 24 Prozent weniger exportierten als im Vorjahr. Die Exporte nach Deutschland sanken um 15 Prozent.
Der Rückgang bei den Importen zeigt hingegen, dass sich die chinesische Wirtschaft weniger schnell von den Folgen der strikten Coronarestriktionen erholt als von vielen erhofft. Im ersten Quartal war die zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt um 4,5 Prozent gewachsen.
Am Montag werden die BIP-Zahlen für das zweite Quartal erwartet. Experten rechnen mit einem Plus von sechs bis sieben Prozent, allerdings war das Vergleichsquartal im Vorjahr sehr schwach. Neben dem Exportrückgang bremsen die anhaltende Krise auf dem Immobilienmarkt, die Investitionszurückhaltung vieler Unternehmen sowie sparsame Konsumenten die Erholung.
Forderungen nach einem Konjunkturprogramm werden deshalb immer lauter. Chinas Premierminister Li Qiang, der hauptsächlich für die wirtschaftliche Entwicklung verantwortlich ist, hat seit seinem Amtsantritt im März immer wieder Maßnahmen zur Stützung der Wirtschaft in Aussicht gestellt, konkrete Schritte blieben bisher aber weitgehend aus.
Chinas Staatsführung strebt ein Wirtschaftswachstum von rund fünf Prozent an
Chinas Staatsführung hat sich für dieses Jahr ein Wachstumsziel von rund fünf Prozent gesetzt. Im vergangenen Jahr war Chinas Wirtschaft infolge zahlreicher Lockdowns und anderer Coronabeschränkungen lediglich um drei Prozent gewachsen statt wie geplant um 5,5 Prozent.
Die holprige Erholung trübt auch die Geschäftsaussichten für deutsche Unternehmen in der Volksrepublik. So rechnen die deutschen Maschinenbauer nach Einschätzung von Verbandspräsident Karl Haeusgen in China mit einem deutlich geringeren Wachstum als zunächst gedacht. Während bislang ein Zuwachs von sechs Prozent prognostiziert war, rechnet Haeusgen nur noch mit einem Plus „im niedrigen einstelligen Bereich, zwischen null und drei Prozent“, sagte er am Dienstag vor Journalisten in Peking.
Hauptgrund sei die Investitionszurückhaltung wichtiger Abnehmerbranchen wie der Bauindustrie. Diese frage aufgrund der Immobilienkrise weniger Maschinen nach. Auch andere deutsche Unternehmen berichten gegenüber dem Handelsblatt, dass chinesische Kunden aufgrund der wirtschaftlichen und politischen Unsicherheit Neuanschaffungen derzeit aufschieben.
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Die Importe der Volksrepublik wuchsen um 15,7 Prozent auf 11,28 Milliarden Dollar und damit schneller als im Mai. China kauft russisches Öl, Kohle und einige Metalle mit hohen Preisnachlässen. Die Ausfuhren nach Russland stiegen um 90,9 Prozent auf insgesamt 9,55 Milliarden Dollar.
Chinesische Firmen füllen Lücken in Russland
Chinas Zollbehörde veröffentlicht keine Details dazu, welche Waren besonders nachgefragt wurden. Doch nach Angaben der Analyseagentur Autostat sind inzwischen sechs der zehn größten Anbieter auf dem russischen Automarkt chinesische Unternehmen wie Haval, Chery und Geely. Sie füllen das Vakuum, das westliche Firmen mit ihrem Rückzug aufgrund westlicher Sanktionen hinterlassen haben.
Zwar bezeichnet sich Chinas Staatsführung offiziell als neutral in Bezug auf den Ukrainekrieg. Doch führende Kader geben immer wieder den USA und der Nato Schuld an der Eskalation des Kriegs. Zudem verurteilt sie die westlichen Sanktionen gegen Russland als illegal.
Chinas Staats- und Parteichef Xi Jinping hat erst am Montag erneut zugesichert, die Zusammenarbeit mit Russland fortzusetzen und eine umfassende strategische Partnerschaft zu entwickeln. Der Kreml erklärte am Mittwoch, dass ein Besuch von Präsident Wladimir Putin in China auf der Tagesordnung stehe.
Mit Material von Reuters.