Diplomatie: Algerien-Besuch: Macron auf Erdöl-Suche in der ehemaligen Kolonie
Im Oktober sorgte der französische Präsident für einen diplomatischen Affront.
Foto: ReutersParis. Es ist ein Symbol der Freundschaft – und der Wirtschaftsinteressen. Der erste Auslandsbesuch nach den Sommerferien führt den französischen Präsidenten Emmanuel Macron am Donnerstag nach Algerien. Gleich drei Tage hat er sich für die Reise reserviert. Algerien spielt wie auch die anderen Länder im Maghreb für Frankreich noch immer eine große Rolle. Nicht nur aufgrund der französischen Geschichte, sondern auch in wirtschaftlicher Hinsicht.
Bei dem Besuch geht es zunächst darum, die Beziehung zwischen den Ländern wieder zu verbessern. Auf Macrons Agenda ist die Reise als „offizieller Besuch und Besuch der Freundschaft“ aufgeführt.
Noch im Oktober vergangenen Jahres hatte der französische Präsident weniger freundliche Töne angeschlagen. Algerien ruhe sich seit der Unabhängigkeit auf der französischen Kolonialherrschaft von 1830 bis 1962 aus, kritisierte er. Die algerische Regierung würde die Geschichte ausnutzen, um politische Interessen durchzusetzen, vor allem gegenüber Frankreich.
„Gab es vor der französischen Kolonisierung eine algerische Nation? Das ist die Frage“, soll der französische Präsident gesagt haben. Ein Affront für Algerien, das seinen Botschafter für drei Monate aus Frankreich zurückrief. Dazu kam, dass Frankreich angekündigt hatte, die Zahl der erteilten Visa für Algerier um 50 Prozent zu reduzieren. Als Grund gab die französische Regierung an, Algerien sei bei der Rücknahme illegaler Immigranten nicht kooperativ gewesen.
Geste der Versöhnung
Algerien wartet noch immer auf eine Entschuldigung Macrons für dessen Äußerungen. Die Reise des französischen Präsidenten, 60 Jahre nach der Unabhängigkeit der ehemaligen Kolonie, wird dennoch als Geste der Versöhnung gesehen. Es ist sein zweiter Staatsbesuch in dem nordafrikanischen Land. Zuletzt war er allerdings nur wenige Stunden im Dezember 2017 im Land gewesen.
Algerien soll mehr Energie nach Europa liefern
Wichtig ist der gute Kontakt zu Algerien für Frankreich aber vor allem in wirtschaftlicher Hinsicht. Die Wirtschafts- und Energiebeziehungen zwischen den Ländern zu stärken, steht beim Besuch ganz oben auf der Tagesordnung. Frankreich ist nach China der zweitwichtigste Handelspartner Algeriens und liefert 10,6 Prozent aller algerischen Importe. Es wird erwartet, dass Frankreichs Wirtschaftsminister Bruno Le Maire sowie eine Gruppe französischer Unternehmer, darunter der Telekommunikationsmogul Xavier Niel, an der Reise teilnehmen werden. Auch Vertreter der französischen Energieversorger wie Engie sollen anwesend sein.
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Das Land wird künftig wichtiger Energielieferant für ganz Europa werden. Algerien ist einer der weltgrößten Produzenten von Erdgas und hat zudem große Erdölreserven. In Zukunft könnte Algerien auch Transitland für eine Gaspipeline von Afrika nach Europa sein. Durch den Ukrainekrieg hat das Land im Energiebereich weiter an Bedeutung gewonnen: Im Juli unterzeichneten Konzerne aus Italien, Frankreich, den USA und Algerien ein Abkommen für die gemeinsame Förderung von fossilen Energieträgern für 25 Jahre.
Allerdings ist dafür ein Ausbau der Infrastruktur notwendig. Für Europa würde das mehr Investitionen in dem Land und für Algerien zusätzliche Einnahmen bedeuten.
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Zusätzliche Gelder würden allerdings das derzeitige autoritäre Regime in Algerien stärken, das immer wieder wegen massiver Menschenrechtsverletzungen in der Kritik steht. Für Frankreich und Europa scheint es zunächst aber höhere Priorität zu haben, neue Energiequellen zu erschließen.