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Donald Trump„Ich will, dass deutsche Autokonzerne zu amerikanischen werden“

Der Präsidentschaftskandidat möchte ausländische Firmen mit Steuervergünstigungen anlocken. Unternehmen, die nicht in den USA produzieren, müssten dagegen mit hohen Einfuhrzöllen rechnen.Annett Meiritz 25.09.2024 - 04:01 Uhr aktualisiert Artikel anhören
Donald Trump will deutsche Autobauer dazu bringen, in den USA Fabriken zu bauen. Foto: AP

Washington. Der republikanische Präsidentschaftsbewerber Donald Trump rückt die deutsche Industrie in den Mittelpunkt seines Wahlkampfs. Im Falle eines Wiedereinzugs ins Weiße Haus will er deutsche und andere Unternehmen zum Umzug in die USA bewegen. „Ich will, dass deutsche Autokonzerne zu amerikanischen Autokonzernen werden“, sagte der Ex-Präsident am Dienstag bei einem Wahlkampfauftritt im hart umkämpften Bundesstaat Georgia. „Ich will, dass sie ihre Fabriken hier bauen.“

Die Konzerne sollen unter anderem durch Steuervergünstigungen in Sonderzonen auf Land in Bundesbesitz gelockt werden. Wer jedoch nicht in den USA fertige, werde sich mit hohen Einfuhrzöllen konfrontiert sehen. Ein Industrie-Botschafter solle ausländische Unternehmen in aller Welt davon überzeugen, in die USA umzusiedeln.

Unklar blieb zunächst, in welcher Form Land zur Verfügung gestellt werden würde. Nach dem US-Steuerrecht könnten Unternehmen dort von der Grundsteuer befreit sein.

„Das Herzstück meines Wirtschaftsplans ist eine Renaissance der Fertigung“, rief Trump seinen jubelnden Anhängern zu. Konkret würde er als Präsident Zölle über jeweils 100 Prozent auf jedes aus Mexiko und anderswo importierte Auto erheben.

Trump hielt seine Rede in Savannah, wo sich einer der größten Häfen des Landes befindet. Deutsche Autohersteller fertigen teiliweise seit Jahrzehnten in den USA: BMW in South Carolina, Mercedes in Alabama und VW in Tennessee.

Die USA sind beliebter Standort für die Deutschen

Der Republikaner hat in der Vergangenheit wiederholt mit Importzöllen gedroht. Als Präsident trieb er Pläne für Strafzölle auf deutsche Automodelle voran, die jedoch nie umgesetzt wurden. Vor wenigen Wochen erneuerte Trump seine Drohung von Autozöllen gegen Deutschland.

„Ich habe Angela (Merkel) konfrontiert und sie gefragt, warum eigentlich keine amerikanischen Chevrolets auf euren Straßen fahren“, sagte er in einem Interview – rückblickend auf seine Amtszeit und die damalige Bundeskanzlerin.

Deutsche und andere ausländische Autohersteller betreiben bereits umfangreiche Fertigungsbetriebe in den USA, und viele bauen in den Vereinigten Staaten inzwischen mehr Fahrzeuge, als sie dorthin exportieren.

BMW beispielsweise verfügt in South Carolina über einen acht Millionen Quadratmeter großen Campus, auf dem 11.000 Mitarbeiter täglich mehr als 1500 SUVs für die USA und 120 Exportmärkte bauen. Auch die Fabriken von Mercedes und Volkswagen sind riesig.

Trumps Ideen könnten nun, wenn sie umgesetzt werden, einen enormen Umbruch in der Autoindustrie verursachen. Viele US-Hersteller bauen inzwischen kleinere, preisgünstigere Fahrzeuge in Mexiko – was durch ein Handelsabkommen ermöglicht wird, das Trump während seiner Präsidentschaft abschloss. Die Gewinnspannen in der Branche sind gering. Niedrigere Arbeitskosten helfen den Unternehmen dabei, mit ihren Fahrzeugen Geld zu verdienen.

Auch Biden lockt ausländische Firmen

Der demokratische US-Präsident Joe Biden beschwört ebenfalls einen Boom der amerikanischen Fertigung und hat in den vergangenen Jahren viele Lockmittel für Firmen bereitgestellt, die in Amerika investieren. So pumpt das Industriepolitik-Programm „Inflation Reduction Act“ Milliarden in das produzierende Gewerbe, landesweit entstehen unter anderem neue E-Auto-Anlagen und Batteriefabriken.

Im Gegensatz zu Trump aber droht er europäischen Partnern nicht mit Strafen, wenn diese ihren Standort weiterhin in Europa haben. Bidens Strategie funktioniert stattdessen über Anreize.

Selbst amerikanische Traditionsmarken sollen, geht es nach Trump, nicht von Sanktionsmaßnahmen verschont werden: Erst am Montag hatte Trump dem US-Traktorenhersteller John Deere Aufschläge von 200 Prozent in Aussicht gestellt, sollte das Unternehmen wie geplant seine Fertigung ins Nachbarland Mexiko verlegen.

In der heißen Wahlkampfphase versucht Trump, die demokratische Präsidentschaftskandidatin Kamala Harris in Bezug auf die Wirtschaft unter Druck zu setzen. Harris plant am Mittwoch einen Auftritt im Swing-State Pennsylvania, in ihrer Rede will sie ebenfalls ihre Wirtschaftspläne erläutern.

Prominenter US-Investor: Pläne sind „Wahnsinn“

Bei seinem Auftritt in Georgia schlug Trump einen „neuen amerikanischen Industrialismus“ vor, angelehnt an seine Strafzölle-Politik während seiner Amtszeit. Neue und hohe Strafzölle sind das Herz seiner Wirtschaftsagenda. So will er pauschal zwischen zehn und zwanzig Prozent Einfuhrzölle auf alle in die USA importierten Waren zu beschließen – gegenüber China sollen sie sogar 60 Prozent betragen.

Ökonomen warnen, dass die US-Verbraucher die Kosten für höhere Zölle tragen würden. Außerdem würden solche Hürden die EU als zweitgrößten Handelspartner der USA massiv treffen. Die amerikanische Handelskammer warnte vor „gigantischen Vergeltungsmaßnahmen“, zu denen auch Europa gezwungen werde, sowie vor Blockaden bei Lieferketten und höheren Preisen.

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Der US-Investor und Milliardär Mark Cuban, der Harris' Wahlkampagne unterstützt, kritisierte am Dienstag Trumps Pläne als „Wahnsinn“. Der Republikaner werfe mit politischen Forderungen um sich, „die oft lächerlich, wenn nicht sogar verrückt sind“, so Cuban. Pauschale Einfuhrzölle seien „der Wahnsinn“, unter anderem, weil sie die Inflation und Kosten für den Endkunden nach oben treiben würden.

Ein Ökonom und Trump-Berater widersprach gegenüber dem Handelsblatt diesen negativen Szenarien. Die Handelsschranken seien vor allem ein Druckmittel, „damit am Ende beide Seiten ihre Zölle stark senken oder abschaffen“. Eine Schonfrist gebe es nicht: „Wir würden sofort neue Zölle einführen“, sagte der Berater. Länder, die sich von China lossagen, würden „bevorzugt behandelt“.

Auch Harris deutet Handelspläne an

Die Tendenz, sich wirtschaftlich abzuschotten und nationale Interessen über Freihandel und Globalisierung zu stellen, hatte sowohl unter Trump als auch unter Biden zugenommen. Harris hat angedeutet, dass sie den protektionistischen „Buy American“-Kurs von Biden fortsetzen möchte. Sie will unter anderem Hightech-Exporte nach China beschränken und Zölle in Höhe von 100 Prozent auf chinesische Elektroautos beibehalten.

US-Subventionen und die Förderung von Elektroautos, die ausländische Modelle auf dem US-Markt benachteiligen, hatten während Bidens Amtszeit zu Verstimmungen im transatlantischen Verhältnis geführt.

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Abgesehen von seinen Plänen zu Zöllen fordert Trump eine Senkung des Körperschaftssteuersatzes in den USA von derzeit 21 auf 15 Prozent, allerdings nur für Unternehmen, die in den USA produzieren. Harris möchte den Körperschaftssteuersatz auf 28 Prozent anheben. Als Trump 2017 Präsident wurde, lag der Steuersatz bei 35 Prozent. Er unterzeichnete ein Gesetz, das diesen senkte.

Mit Agenturmaterial.

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