Drogen: Wie Antwerpen zum Einfallstor für Kokain in Europa wurde
Internationale Drogenkartelle nutzen das unübersichtliche Gelände, um ihre Kokain-Importe auf den europäischen Markt zu schleusen.
Foto: Imago [M]Antwerpen. Wie ein riesiger Krake liegt der Hafen Antwerpen an der Schelde, die zahlreichen Seitenarme erlauben die gleichzeitige Abfertigung der einlaufenden Containerschiffe. Mit 150 Quadratkilometern ist er flächenmäßig der größte Hafen Europas – mehr als doppelt so groß wie der Hamburger Hafen.
Die Ausdehnung hat jedoch einen entscheidenden Nachteil: Internationale Drogenkartelle nutzen das unübersichtliche Gelände, um ihre Kokain-Importe auf den europäischen Markt zu schleusen. Eine lückenlose Überwachung sei unmöglich, erklärt Stephan Legein, stellvertretender Leiter der belgischen Zollbehörde. Alle Straßen im Hafen seien öffentlich zugänglich. Die Schmuggler könnten so unbemerkt in der Dunkelheit über Zäune klettern und ihre Ware aus den Containern holen.
Legein steht im Hafen neben Paletten voller Bananenkisten. Container mit Südfrüchten sind ein beliebtes Kokainversteck. Denn die verderbliche Ware kommt in großen Massen in Europa an und muss schnell umgeschlagen werden. Viel Zeit für Kontrollen bleibt da nicht.
Zoll stellte erstmals mehr als 100 Tonnen Kokain sicher
In den vergangenen Jahren ist Antwerpen zum Haupteinfallstor für die harte Droge in Europa geworden. Seit 2013 steigt das Volumen des beschlagnahmten Kokains jedes Jahr. 2022 stellte der Zoll 110 Tonnen sicher – ein neuer Rekord. Das könnte bedeuten, dass die Kontrollen des Zolls besser geworden sind. Experten vermuten hinter den Zahlen aber noch einen anderen Trend: dass insgesamt mehr Kokain nach Europa gelangt.