Frankreich: Die Terrorangst kehrt nach Paris zurück
Paris. Nach dem tödlichen Messerangriff auf einen Deutschen in Paris wächst die Sorge vor weiteren Anschlägen. Frankreichs Präsident Emmanuel Macron sprach am Sonntag in einer ersten Reaktion von einer „Terrorattacke“.
Der mutmaßliche Islamist verletzte bei dem Angriff in der französischen Hauptstadt zudem zwei Menschen. Im Nachbarland gilt bereits seit Mitte Oktober die höchste Terrorwarnstufe, als ein islamistisch motivierter Attentäter einen Messerangriff an einer Schule verübt hatte.
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Der Vorfall in Sichtweite des Eiffelturms am späten Samstagabend bestätigt die Befürchtungen der französischen Sicherheitsbehörden, dass Israels Militäreinsatz im Gazastreifen nach dem terroristischen Überfall der Hamas radikalisierte Einzeltäter zu Anschlägen in Europa bewegen könnte. Und er schürt Befürchtungen, dass die Olympischen Spiele in Paris ein gravierendes Sicherheitsproblem bekommen könnten.
Französischen Medien zufolge soll der Mann seine Opfer unter „Allahu Akbar“-Rufen mit einem Messer und einem Hammer attackiert haben. Der getötete Tourist hatte neben der deutschen auch die philippinische Staatsbürgerschaft. Die beiden Verletzten sind britischer und französischer Herkunft.
Angreifer war den Sicherheitsbehörden bekannt
Frankreichs Innenminister Gérald Darmanin sagte bei einem Besuch am Tatort, der Angreifer sei den Sicherheitsbehörden wegen radikalem Islamismus und „erheblichen psychischen Problemen“ bekannt gewesen. Der 1997 geborene Franzose mit iranischen Wurzeln habe bereits vier Jahre wegen eines gescheiterten Anschlagsplans im Gefängnis gesessen.
Nach seiner Festnahme habe der Angreifer gesagt, dass er es nicht mehr ertragen könne, dass Muslime sowohl in Afghanistan als auch in Palästina sterben. Frankreich sei ein „Komplize“ Israels. Französischen Medien zufolge wurde außerdem ein Bekennervideo gefunden, in dem der Mann der Terrororganisation Islamischer Staat (IS) die Treue geschworen haben soll.
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Mitte Oktober hatte ein junger Mann tschetschenischer Abstammung bei einem Angriff auf eine Schule im nordfranzösischen Arras einen Lehrer getötet. Auch diesen Angreifer hatten die Sicherheitsbehörden als islamistischen Gefährder im Visier. Regierungschefin Élisabeth Borne sagte nach der Attacke in Arras, dass der Hamas-Aufruf zu Gewalt in Europa ein „auslösendes Element“ gewesen sein könnte.
Schon nach dem Angriff in Arras wurden Fragen laut, was die höchste Terrorwarnstufe für die Olympischen Spiele im kommenden Sommer in Paris bedeuten könnte. Die Wettkämpfe werden an einer Reihe von Standorten ausgetragen, einige liegen mitten in der französischen Hauptstadt, etwa am Eiffelturm und an der Prachtmeile Champs-Élysées. Die Eröffnungszeremonie soll auf Booten stattfinden, die eine sechs Kilometer lange Strecke auf der Seine abfahren.
Sicherheitsbedenken vor Olympia
Der Chef des Olympia-Organisationskomitees, Tony Estanguet, hatte Forderungen nach einem „Plan B“ für die Eröffnungszeremonie eine Absage erteilt. Dies könnte sich nach der Messerattacke ändern.
Frédéric Péchenard, früherer Direktor der nationalen Polizeibehörde, sagte dem Radiosender France Info am Sonntag, dass er „zunehmend beunruhigt" sei. „Wenn die Terrorakte in unserem Land andauern“, müsse über Alternativen insbesondere für die Eröffnungszeremonie nachgedacht werden.
Hinter den Sorgen steht auch das Trauma der Terroranschläge vom 13. November 2015 in Paris mit 130 Toten, zu denen sich der IS bekannt hatte. Die Attentäter griffen damals mit Kalaschnikows und Sprengstoffwesten unter anderem den Bataclan-Konzernsaal sowie zahlreiche Bars und Restaurants an.