Hohe Schuldenlast: Moody’s droht USA mit Entzug der Spitzenbonität
Moody’s stuft derzeit als einzige der drei großen Ratingagenturen die USA noch mit der besten Bewertung ein.
Foto: ReutersNew York. Die US-Ratingagentur Moody’s könnte den Vereinigten Staaten demnächst ihre bisherige Topbewertung entziehen. Der Ausblick für das Land sei von „stabil“ auf „negativ“ gesetzt worden, teilte Moody’s am späten Freitagabend (MEZ) mit. Die bisherige Spitzeneinstufung „AAA“ wurde indes noch einmal bestätigt.
Angesichts hoher Zinsen und ohne Schritte zur Ausgabenkürzung oder Einnahmeerhöhung würde das US-Haushaltsdefizit wahrscheinlich „sehr hoch bleiben, was die Erschwinglichkeit der Schulden erheblich schwächt“, warnte Analyst William Foster in einer Erklärung. „Die Abwärtsrisiken für die fiskalische Stärke der USA haben zugenommen und können möglicherweise nicht mehr vollständig durch die einzigartigen Kreditstärken des Landes ausgeglichen werden.“
Moody’s stuft derzeit als einzige der drei großen Ratingagenturen die USA noch mit der besten Bewertung ein. Fitch und S&P sehen die Vereinigten Staaten um eine Stufe unter der Bestnote, allerdings jeweils mit einem stabilen Ausblick.
Investoren und Analysten sorgen sich schon länger wegen der hohen Staatsausgaben und darüber, wie diese finanziert werden sollen. Seit dem Downgrade von Fitch Anfang August haben die Renditen auf US-Staatsanleihen deutlich angezogen.
Erst am Donnerstag gab es überraschend wenig Nachfrage bei einer Versteigerung von Staatspapieren mit 30-jähriger Laufzeit. „Wir geben Geld aus wie betrunkene Matrosen“, monierte Milliardär Stan Druckenmiller Anfang November im US-Börsensender CNBC. Druckenmiller verwaltete einst das Geld von Star-Investor George Soros und leitet heute sein eigenes Family-Office, Duquesne. Auch Jeff Gundlach vom Anleiheinvestor Doubleline Capital äußerte sich zuletzt besorgt über die Flut an US-Staatsanleihen, die auf die Märkte drängt.
Regierungsstillstand droht
Investoren an der Wall Street verwiesen auf das Timing der Entscheidung von Moody’s: Schon Ende kommender Woche könnte erneut ein Regierungsstillstand drohen, wenn sich Republikaner und Demokranten nicht auf einen neuen Deal einigen können. Moody’s-Analyst Foster verfolgt die Lage in Washington mit Sorge. „Die anhaltende politische Polarisierung innerhalb des US-Kongresses erhöht das Risiko, dass aufeinanderfolgende Regierungen nicht in der Lage sein werden, einen Konsens über einen Finanzplan zu erzielen“, stellte er klar.
Die Pressesprecherin des Weißen Hauses, Karine Jean-Pierre, gab den Republikanern die Schuld an der Entscheidung: Es sei eine „Folge des Extremismus und der Dysfunktion der Republikaner im Kongress“. Der stellvertretende Finanzminister Wally Adeyemo wehrte sich unterdessen gegen die Änderung des Ausblicks. Die Wirtschaft bleibe stark, und Staatsanleihen seien „die sicherste und liquideste Anlageklasse der Welt“.
Mit Agenturmaterial