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Kaschmir-KonfliktTrump feiert sich als Friedensstifter

Der US-Präsident kann die Waffenruhe zwischen Indien und Pakistan als bisher größten diplomatischen Erfolg präsentieren. Er verspricht beiden Ländern mehr Handel mit den USA.Mathias Peer 11.05.2025 - 15:39 Uhr aktualisiert Artikel anhören
Soldaten der indischen Luftwaffe: Spannungen zwischen Indien und Pakistan. Foto: dpa

Bangkok. Seinen Ambitionen als Konfliktlöser konnte Donald Trump in den ersten Monaten seiner zweiten Amtszeit kaum gerecht werden. Der US-Präsident scheiterte an seinem Versprechen, den Ukrainekrieg binnen 24 Stunden zu beenden. Ebenso wie an dem Versuch, die Freilassung der Gaza-Geiseln noch vor seiner Vereidigung mit einem Ultimatum zu erzwingen.

Nach der Eskalation im Konflikt zwischen den Atommächten Indien und Pakistan kann der Republikaner nun doch einen schnellen Erfolg als Friedensstifter vorweisen. Eine von den USA vermittelte Waffenruhe zwischen den beiden Erzrivalen schien am Sonntag weitgehend zu halten.

Zuvor hatte eine gefährliche Zuspitzung der Gewalt zwischen den verfeindeten Nationen in Südasien die USA offenbar zu einer diplomatischen Kehrtwende bewegt. Noch am Donnerstag sagte US-Vizepräsident J.D. Vance, der Konflikt zwischen Indien und Pakistan gehe die USA „grundsätzlich nichts an“. Er fügte hinzu, die USA könnten weder Indien noch Pakistan „vorschreiben, die Waffen niederzulegen“, und würden sich deshalb auch nicht in einen Krieg einmischen, der nicht in Amerikas Kontrolle liege.

Doch angesichts einer zunehmenden Eskalation der militärischen Auseinandersetzung, die sich über vier Tage hochschaukelte und sich am Rande eines Kriegs befand, sah sich die Regierung in Washington schließlich doch zum Einschreiten gezwungen. Zunächst hatte Indien am Mittwoch als Reaktion auf einen Anschlag im indisch kontrollierten Teil Kaschmirs mit Raketenangriffen gegen angebliche Terrorziele in Pakistan reagiert. In den Tagen darauf schickten beide Seiten Hunderte Kampfdrohnen in das jeweils andere Staatsgebiet und attackierten dort auch Militäreinrichtungen.

USA warnten vor „dramatischer Eskalation“

Die USA entschlossen sich US-Medienberichten zufolge aufgrund von alarmierenden Geheimdienstberichten, sich bei einer Konfliktlösung stärker einzubringen. In einem Telefonat mit Indiens Premierminister Narendra Modi warnte Vance laut dem Sender CNN, das Weiße Haus halte „eine dramatische Eskalation“ für sehr wahrscheinlich, sollten sich die Gefechte fortsetzen.

US-Außenminister Marco Rubio sprach unterdessen mit seinen Amtskollegen in Indien und Pakistan sowie mit dem mächtigen pakistanischen Armeechef Asim Munir – mit dem Ziel, beide Seiten nach einem weitgehenden Kontaktabbruch wieder an den Verhandlungstisch zu bringen.

Am Samstag konnte Trump den Durchbruch verkünden: „Nach einer langen Nacht der Gespräche unter Vermittlung der Vereinigten Staaten“ könne er mitteilen, dass sich Indien und Pakistan auf einen vollständigen und sofortigen Waffenstillstand geeinigt hätten, schrieb er auf seiner Onlineplattform Truth Social.

Am Sonntag fügte er hinzu, er sei stolz darauf, dass die USA den Ländern dabei helfen konnten, diese „historische und heldenhafte Entscheidung“ zu treffen. Andernfalls hätte womöglich der Tod von „Millionen von unschuldigen Menschen“ gedroht, schrieb der US-Präsident.

Trump kündigte an, auch bei der Suche nach einer dauerhaften Lösung im Kaschmirkonflikt eine Rolle spielen zu wollen. Seit der Unabhängigkeit Indiens und Pakistans im Jahr 1947 gibt es Streit um die Himalajaregion, die derzeit geteilt ist, jedoch von beiden Ländern vollständig beansprucht wird. Ohne eine grundsätzliche Einigung droht der jahrzehntealte Streit immer wieder neu auszubrechen.

Während Indien die nun erreichte Waffenruhe als alleiniges Resultat von bilateralen Gesprächen mit Pakistan darstellte, lobte Pakistans Regierungschef Shehbaz Sharif ausdrücklich den Einsatz der USA: „Wir danken Präsident Trump für seine Führungsstärke und seine proaktive Rolle für den Frieden in der Region“, schrieb er auf der Plattform X.

Der Dank schien zunächst berechtigt: Zwar meldeten Indien und Pakistan anfangs mehrere Verstöße gegen die Waffenruhe. Am Sonntag kehrte in der Konfliktregion dann aber weitgehende Ruhe ein. Auch die Bundesregierung reagierte erleichtert: „Der nun vereinbarte Waffenstillstand zwischen Indien und Pakistan ist ein erster, wichtiger Schritt aus der Spirale der Eskalation“, schrieb das Auswärtige Amt auf X.

Trump verspricht mehr Handel mit Indien und Pakistan

Unklar ist, wie genau es gelang, die beiden Länder vom Stopp des gegenseitigen Beschusses zu überzeugen. Klar ist aber, dass die USA auf beide Seiten erhebliche Einflussmöglichkeiten haben. Indien bemüht sich, von russischen Rüstungsgütern unabhängiger zu werden, und setzt dabei auf die Bereitschaft der USA, moderne Waffensysteme als Alternative zu liefern.

Pakistan will seinen von den USA gewährten Status als „wichtiger Verbündeter außerhalb der Nato“ nicht gefährden, der dem Land ebenfalls vereinfachten Zugang zu US-Rüstungsgütern ermöglicht. Zudem ist das wirtschaftlich kriselnde 255-Millionen-Einwohner-Land auf Hilfen des Internationalen Währungsfonds angewiesen, über den die Regierung in Washington ebenfalls Druck machen könnte.

Trump stellte nun eine engere wirtschaftliche Zusammenarbeit als Belohnung für eine friedliche Beilegung des Konflikts in Aussicht: „Ich werde den Handel mit diesen beiden großen Nationen erheblich ausbauen“, schrieb er auf Truth Social.

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Anfang April hatte Trump bei der Vorstellung seiner sogenannten reziproken Zölle Waren aus Pakistan mit einer Zusatzabgabe von 29 Prozent und Importe aus Indien mit 26 Prozent belegt und diese kurz darauf, wie auch bei den meisten anderen US-Handelspartnern, für 90 Tage ausgesetzt. Mit Indien verhandeln die USA derzeit über ein Handelsabkommen, das die Regierung in Neu-Delhi noch vor Ablauf der 90-Tage-Frist abschließen möchte.

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