„Internet Party“: Kim Dotcom gründet eigene Partei in Neuseeland
Greift nach der Politik: Kim Dotcom alias Kim Schmitz auf seinem Anwesen „Dotcom Mansion“ in Coatsville, Auckland (Neuseeland).
Foto: ReutersSydney. Der Auftakt kam mit typischer Kim-Dotcom-Fanfare. In seinem riesigen Luxusanwesen nördlich der neuseeländischen Stadt Auckland lancierte der gebürtige Kieler am Donnerstag seine „Internet Party“, umgeben von Journalisten und Skandalmeldungen. Er musste sich gegen Vorwürfe in der Presse wehren, er blättere gerne in einer seltenen Originalausgabe von Hitlers „Mein Kampf“ und habe in seinem Keller eine Hakenkreuzfahne zur Schau gestellt.
„Alles Verleumdungen“, so der robust gebaute 40-Jährige vor den versammelten Medien. Die Vorwürfe seien „eine Schmierkampagne“ im Vorfeld seines Einstiegs in die Politik. Die „Internet-Partei“ werde sich gegen die Überwachung von Neuseeländern einsetzen und für schnelles Internet.
Er stellte klar, dass seine Kandidaten im Falle eines Wahlsieges am 20. September keine Koalition mit der regierenden National-Partei von Premierminister John Key eingehen werden. Diese stünde hinter den Gerüchten. Als Deutscher kann Dotcom nicht selbst kandidieren.
Dotcom ist der flamboyante Gründer der inzwischen geschlossenen Internetplattform Megaupload, auf der Computerbesitzer Daten ablegen und tauschen konnten. Die Vereinigten Staaten werfen ihm vor, er habe damit die Piraterie von Filmen und anderen Daten ermöglicht und Millionen verdient.
Seit sein Anwesen im Januar 2012 auf Gesuch des amerikanischen FBI und mit Einwilligung von Premierminister John Key durch bewaffnete Einheiten der neuseeländischen Polizei gestürmt und Dotcom kurzzeitig verhaftet worden war, wehrt sich der schwergewichtige Mann gegen eine Auslieferung in die USA.
Ein Gericht kritisierte später, dass die neuseeländischen Geheimdienste den Deutschen ausspioniert hatten – offenbar im Auftrag der Amerikaner. Kim Dotcom hat immer bestritten, den illegalen Tausch von Daten gefördert zu haben wie die Ankläger in den USA behaupten. Er wirft der amerikanischen Filmindustrie in Hollywood vor, auf ihn eine „Hetzjagd“ zu veranstalten.
Zu Beginn letzten Jahres gründete Dotcom die Nachfolge-Datenplattform „Mega“. Ein Nutzer müsse auf seinem Computer keine zusätzliche Software installieren. Stattdessen sei die Verschlüsselung in den Browser integriert – etwa Google Chrome – und werde während des Hochladens einer Datei automatisch vorgenommen.
„Wir nennen das ,1-Klick-Verschlüsselung'“, sagt Dotcom gegenüber Handelsblatt Online. Er glaube, die Vereinfachung des Verschlüsselungsvorgangs könnte zu einem Industriestandard werden, „damit man mal ein bisschen mehr Sicherheit hat, was die Privatsphäre angeht“. Mega selbst verwalte keine Schlüssel, die den Zugang zu Konten erlauben würde. Nur dem Besitzer des Kontos sei es möglich, dieses „zu knacken“.
Sicherheit im Internet steht auch zuoberst auf der Liste der Prioritäten der neuen Partei. Parteichef Vikram Kumar sagte am Donnerstag, das Geheimdienstsystem in Neuseeland müsse neu organisiert werden. Aus der Kooperation und dem Datenaustausch mit amerikanischen Geheimdiensten solle sich der Kleinstaat zurückziehen.
Daneben sollen künftige Abgeordnete der „Internet Party“ die Regierung zur Einführung einer „Digitalen Währung“ bewegen. Es ist durchaus möglich, dass Kim Dotcom einen möglichen Wahlerfolg seiner Partei nicht mehr sehen wird. Im Juli steht die nächste Runde im Auslieferungsverfahren gegen den Deutschen an.