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IsraelAngriff auf den Iran – Die Fakten und Folgen im Überblick

Die Risiken eines Flächenbrands im Nahen Osten sind gewaltig, die Auswirkungen auf die Weltwirtschaft bedrohlich. Die wichtigsten Fragen und Antworten zum Konflikt zwischen Israel und dem Iran.Leila Al-Serori, Inga Rogg, Judith Henke 13.06.2025 - 21:13 Uhr aktualisiert Artikel anhören
Demonstration nach den nächtlichen israelischen Angriffen am Freitag in Teheran: Die Führung des Iran spricht von einer „Kriegserklärung“. Foto: Getty Images

Berlin, Istanbul, Düsseldorf. Die Antwort des Irans auf israelische Luftangriffe der Nacht erfolgte schnell: Hunderte Drohnen schickte Teheran am Freitag in Richtung Israel, Berichten zufolge wurden alle erfolgreich abgefangen. Am Freitagabend holte der Iran zu einem weitaus größeren Gegenschlag mit Raketen aus. Die Regierung des Irans sprach zuvor von einer „Kriegserklärung“ Israels.

Nach den Angriffen Israels auf wichtige militärische Ziele und Atomanlagen im Iran droht nun erneut ein Flächenbrand im Nahen Osten. Die USA und weitere Bündnispartner bemühen sich nach Angaben des Nato-Generalsekretärs Mark Rutte, die Lage zwischen Israel und dem Iran zu beruhigen.

Doch schon jetzt hat die Eskalation auch erhebliche wirtschaftliche Folgen: Die Börsenkurse geben weltweit nach, die Ölpreise steigen deutlich. Lesen Sie hier die Antworten auf die wichtigsten Fragen.

Was ist passiert?

In der Nacht auf Freitag hat Israel einen groß angelegten Luftangriff auf iranische Militär- und Atomanlagen gestartet. Berichten zufolge sind dabei mindestens drei iranische Offiziere sowie mehrere iranische Nuklearwissenschaftler getötet worden. Eine genaue Zahl zu Toten und Verletzten gibt es derzeit nicht.

Von offizieller Seite bestätigt ist der Tod von Mohammed Bagheri, Generalstabschef der iranischen Streitkräfte. Zudem wurde Hossein Salami getötet, Kommandeur der mächtigen Revolutionswächter. Auch dessen Vorgänger Ali Shamkhani sei seinen Verletzungen erlegen, berichtete das staatliche Fernsehen. Shamkhani war Berater des obersten Führers des Irans, Ajatollah Ali Chamenei.

Rettungskräfte sind in Teheran nach den israelischen Luftangriffen im Einsatz. Israel hat zahlreiche Ziele im Iran angegriffen. Foto: AFP

Am Freitag folgte Medienberichten zufolge eine neue Welle von Angriffen auf den Iran. Explosionen ereigneten sich unter anderem in den Millionenstädten Tabris, Schiras und bei der Atomanlage Natans, wie iranische Medien berichteten.

Die Angriffe sind eine massive Eskalation der Spannungen zwischen den beiden Ländern. Zuletzt hatte sich ein Streit über das Atomprogramm des Irans zugespitzt. Ende Mai hatten US-Medien berichtet, Israel habe eine mögliche Attacke auf die iranischen Atomanlagen bereits vorbereitet. Nur wenige Stunden vor dem Angriff waren die von den USA angeführten Bemühungen um eine diplomatische Lösung des Konflikts abgebrochen worden.

Welche Schäden die israelischen Angriffe an den Nuklearanlagen angerichtet haben, ist noch unklar. Bisher steht fest, dass die Anlage Natans getroffen wurde. Bilder zeigten dort Rauchwolken aufsteigen. Erhöhte Strahlungswerte wurden bisher nicht festgestellt.

Der Chef der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA), Rafael Grossi, hat die Angriffe verurteilt. „Ich habe wiederholt festgehalten, dass Atomanlagen nie angegriffen werden dürfen, egal in welchem Kontext oder unter welchen Umständen“, sagte er vor dem Gouverneursrat der IAEA in Wien. Solche Attacken „könnten sowohl Menschen als auch der Umwelt Schaden zufügen“.

Israel hat bereits angekündigt, weitere Angriffe zu starten, die mehrere Tage dauern werden. Sollte Israel die Atomanlagen zu hundert Prozent zerstören wollen, könnte tatsächlich Strahlung freigesetzt werden und je nach Menge sich auf die ganze Region verbreiten.

Wie begründet Israel den Angriff?

Israel begründet seinen Angriff damit, dass das Atomprogramm der Islamischen Republik eingedämmt werden müsse. Das Land dürfe nie in den Besitz von Atomwaffen kommen.

Kurz nach Beginn der Luftschläge veröffentlichte die israelische Regierung eine Ansprache des Premierministers Benjamin Netanjahu. Die Operation, die Israel gerade gestartet habe, heiße „Rising Lion“. Sie diene dazu, „die iranische Bedrohung für Israels Existenz zurückzudrängen“, und werde „so viele Tage wie nötig“ dauern.

TV-Ansprache von Netanjahu: Israels Ministerpräsident begründet den Angriff auf Iran. Foto: XinHua/dpa

Netanjahu bezeichnete den Angriff als entscheidenden Moment in der Geschichte Israels. „Diese Operation wird noch viele Tage weitergehen“, sagte er. „Wir haben das Herz der iranischen Kernwaffenanreicherung getroffen.“ Zugleich sollten sich Israelis darauf vorbereiten, längere Zeit in Bunkern bleiben zu müssen, sollte der Iran einen Gegenangriff versuchen, sagte Netanjahu.

Israelische Airlines haben zudem damit begonnen, ihre Flugzeuge außer Landes zu bringen. Der Flughafen Tel Aviv wurde bis auf Weiteres geschlossen.

Wie reagiert der Iran?

Der Iran wertet den Angriff als Kriegserklärung und attackierte Israel am Freitagabend mit Raketen. Israel habe alle roten Linien überschritten, sagte Außenminister Abbas Araghtschi der staatlichen Nachrichtenagentur Irna zufolge. Er forderte den UN-Sicherheitsrat dazu auf, sich sofort mit dem Vorfall zu befassen.

Ajatollah Chamenei hatte vor den Angriffen von Freitagabend in einer Fernsehansprache bereits mit einem Gegenschlag gedroht. Israel solle sich auf „eine harte Strafe“ einstellen. Die iranischen Revolutionswächter bezeichneten die USA als mitverantwortlich: „Der israelische Angriff wurde unter vollem Wissen und mit Unterstützung der bösartigen Machthaber im Weißen Haus ausgeführt.“ Das wurde von der US-Regierung dementiert.

Ersten Meldungen zufolge aus Israel hat der Iran am Freitagmorgen bereits mehr als 100 Drohnen in Richtung Israel abgeschossen. Armeesprecher Effie Defrin sagte am Freitag, alle Abwehrsysteme seien im Einsatz. Bisher wurden offenbar alle Drohnen von der israelischen Luftabwehr und der jordanischen Luftwaffe abgewehrt.

Im April 2024 hatte der Iran Israel mit Hunderten Drohnen, Marschflugkörpern und ballistischen Raketen angegriffen, im Oktober erneut mit 180 bis 200 Raketen. Die meisten dieser Raketen konnten abgefangen werden, unter anderem, weil die USA die israelische Raketenabwehr unterstützt hatten.

Steht der Iran tatsächlich kurz vor der Atombombe?

Seit Jahren unterhält der Iran ein Atomprogramm mit mindestens zwei Anlagen zur Urananreicherung und einem Kernkraftwerk in der Hafenstadt Buschehr. Das Land betreibt außerdem einen Forschungsreaktor nahe der Hauptstadt Teheran sowie weitere Anlagen in der Metropole Isfahan im Zentrum des Landes. In Arak im Westen betreibt der Iran einen Schwerwasserreaktor.

Iran

Kann Israel die iranischen Nuklearanlagen vernichten?

Der Westen wirft dem Staat vor, nach Atomwaffen zu streben. Teheran dementiert das. Laut einem Bericht der IAEA verfügt Teheran bereits über fast 409 Kilogramm an Uran mit einem Reinheitsgrad von 60 Prozent. Für Kernwaffen wird ein Reinheitsgrad von gut 90 Prozent benötigt. Experten hatten immer wieder bemängelt, dass dies für zivile Zwecke nicht nötig ist.

Ein israelischer Militärvertreter sagte am Freitagmorgen: „Das Regime hat genug hoch angereichertes Nuklearmaterial, um innerhalb von Tagen 15 Bomben herzustellen.“ Unabhängig überprüfbar ist das nicht.

Welche Folgen haben die Entwicklungen für den Ölpreis?

Nach den Luftangriffen ist der Ölpreis am Freitag um bis zu 13 Prozent gestiegen. Der Preis der Rohölsorte Brent lag zeitweise über 78 US-Dollar pro Barrel. Das ist der größte Preisanstieg seit März 2022, nachdem Russland die Ukraine angriffen hatte.

Der Krieg im Nahen Osten hat bereits in der Vergangenheit immer wieder für starke Preisbewegungen gesorgt. Eine große Rolle spielen dabei Befürchtungen, dass der Iran die Straße von Hormus blockiert. Durch die Meerenge, die den Persischen Golf und den Golf von Oman verbindet, wird täglich rund ein Fünftel der weltweiten Ölproduktion transportiert.

Analysten halten eine Blockade aber für sehr unwahrscheinlich, da der Iran die Straße selbst für wichtige Exporte benötigt, durch die er auch seinen Krieg finanziert. Sollte dieses Extremszenario aber eintreffen, könnten die Ölpreise „deutlich über 100 US-Dollar“ steigen, warnen Experten.

Auch die globalen Finanzmärkte reagierten unmittelbar auf die Meldung des Angriffs. Der japanische Leitindex Nikkei verlor im frühen Freitagshandel um mehr als ein Prozent, auch der Dax gibt deutlich nach.

Sollten im Rahmen der Angriffe auch wichtige Transportrouten für Öl blockiert werden, würde das unter anderem die US-Inflation anheizen. Die Futures der großen US-Indizes sackten daher deutlich ab. Die Futures auf den breit gefassten S&P 500 lagen am frühen Freitagmorgen um 1,7 Prozent im Minus, die des technologielastigen Nasdaq gaben um 1,8 Prozent nach.

Was wird aus den Atomverhandlungen zwischen Iran und USA?

Seit knapp zwei Monaten verhandeln Washington und Teheran über das iranische Atomprogramm. Zuletzt gerieten die Gespräche jedoch ins Stocken. Die USA fordern einen vollständigen Stopp der Urananreicherung, was Teheran als rote Linie betrachtet.

Eigentlich war für Sonntag unter Vermittlung des Golfstaats Oman eine sechste Gesprächsrunde geplant. Nach Einschätzung von Beobachtern ist ein Treffen nach der jüngsten militärischen Eskalation äußerst unwahrscheinlich. Israels Ministerpräsident Netanjahu hatte einen Deal nur dann für akzeptabel erklärt, wenn er zur Zerstörung aller Atomanlagen im Iran führen würde. US-Präsident Donald Trump hatte sich gegen einen Angriff Israels im Iran ausgesprochen, solange die Verhandlungen noch laufen.

Im Iran habe man fest mit einem Kompromiss gerechnet, sagt Experte Hassan. „Dem wollte Israel wahrscheinlich zuvorkommen.“

Trumps Außenminister Marco Rubio erklärte, die USA seien „nicht an Schlägen gegen den Iran beteiligt“. Israel habe „einseitige Maßnahmen gegen den Iran ergriffen“. Die Vereinigten Staaten, fügte er hinzu, würden sich auf den Schutz ihrer eigenen Streitkräfte in der Region konzentrieren. Hinter Rubios Worten steckt die Sorge der US-Regierung vor möglichen Vergeltungsmaßnahmen Irans auch gegen amerikanische Truppen im Nahen und Mittleren Osten. Am Freitag nannte Trump die israelischen Angriffe auf den Iran „exzellent“. Es werde hier noch „mehr kommen, sehr viel mehr“, sagt er im Interview mit dem US-Sender ABC,

Wie reagiert die Bundesregierung?

Bundeskanzler Friedrich Merz hat nach einem Telefonat mit Netanjahu das Sicherheitskabinett der Bundesregierung einberufen, um die Lage zu beraten. Merz bemüht sich seinem Sprecher zufolge auch um ein direktes Gespräch mit US-Präsident Trump.

In einem Statement betonte Merz, dass „Israel das Recht hat, seine Existenz und die Sicherheit seiner Bürger zu verteidigen“. Deutschland ruft beide Seiten auf, von Schritten abzusehen, die zu einer weiteren Eskalation führen und die gesamte Region destabilisieren können. „Das Ziel muss weiterhin bleiben, dass der Iran keine Nuklearwaffen entwickelt.“

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So reagiert die Welt auf die Lage im Nahen Osten

Merz sagte, dass man verabredet habe, alle notwendigen Vorkehrungen zum Schutz deutscher Staatsbürger in Israel, im Iran sowie in der Region zu treffen. Die Sicherheitsbehörden werden in Deutschland zudem den Schutz jüdischer und israelischer Einrichtungen erhöhen. Die israelische Botschaft in Berlin bleibt bis auf Weiteres geschlossen.

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Das Verhältnis zwischen Israel und der Bundesregierung hat sich zuletzt etwas verkompliziert. Merz hatte die israelische Regierung zuletzt für die Kriegsführung in Gaza deutlich kritisiert. Am Sonntag wollte Außenminister Johann Wadephul nach Tel Aviv reisen.

Mit Agenturmaterial

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