Kenneth Rogoff: „Investments in die USA sind nicht mehr sicher“
Kenneth Rogoff galt unter US-Ökonomen schon als Mahner und Warner gegenüber einer hohen Staatsverschuldung, als es noch en vogue war, das Thema zu bagatellisieren – sei es, weil die Zinsen angeblich dauerhaft niedrig bleiben würden, oder sei es gar, weil plötzlich ökonomische Gesetzmäßigkeiten nicht mehr gelten sollten.
Der Harvard-Ökonom sollte recht behalten: Die Kapitalmärkte achten wieder mit Argusaugen auf die Verschuldungsdynamik. Rogoff prophezeit eine „veritable Schuldenkrise“ in den USA.
Für noch problematischer als die ausufernde Staatsverschuldung an sich, hält der ehemalige Chefvolkswirt mögliche Szenarien zur Überwindung des Problems, die in den USA kursieren: die Preisgabe der Unabhängigkeit der amerikanischen Notenbank oder gar ein Zwangsumtausch für ausländische Halter von US-Staatsanleihen.
Für Rogoff sind solche Gedankenspiele symptomatisch für den „schleichenden Niedergang“ der größten Volkswirtschaft. Im Übrigen findet der Ökonom die „Durchsetzungskraft Trumps“ beachtlich und sieht durchaus auch positive Seiten seiner Wirtschaftspolitik.
Lesen Sie hier das vollständige Interview:
Herr Rogoff, die US-Wirtschaft überraschte im zweiten Quartal mit einem starken Wachstum, obwohl manche Ökonomen insbesondere wegen der Zollpolitik des Präsidenten eine Rezession vorhergesagt hatten. Wie dürfen wir das verstehen: Ist die US-Wirtschaft trotz oder wegen der Wirtschaftspolitik Donald Trumps so robust?
Das Bild ist gemischt. Die Lage ist wegen und trotz der Politik Trumps so, wie sie ist. Insgesamt bin ich skeptisch, insbesondere was die langfristigen Perspektiven angeht. Wir haben den verheerenden Zollkrieg und das tägliche politische Theater, was für große Verunsicherung überall auf dem Globus sorgt. Das alles hat auch schwerwiegende negative Folgen für die US-Wirtschaft.