Militär: China zeigt mit neuem Flugzeugträger militärische Stärke
Shanghai. Chinas dritter Flugzeugträger „Fujian“ hat erfolgreich seine elektromagnetischen Katapulte für den Flugzeugstart getestet – so ist es zumindest auf Aufnahmen des Staatsfernsehens CCTV zu sehen. Es ist ein Erfolg der Militärtechnik, den die Staatsmedien mit heroischen Bildern und cineastischer Musik inszenieren. Das Video ist auch auf Youtube zu sehen.
Die Volksrepublik setzt damit die öffentliche Leistungsschau ihres Militärs fort. Erst Anfang September veranstaltete die Regierung eine große Militärparade, zu der auch Russlands Staatschef Wladimir Putin und Nordkoreas Machthaber Kim Jong-un geladen waren. Und am 1. Oktober folgt der chinesische Nationalfeiertag, die patriotische Grundstimmung wird in China derzeit aufrechterhalten.
Dazu soll auch die technologische Leistung auf dem 72.500-Tonnen-Koloss der Seestreitkräfte beitragen. In dem Video sind drei der modernsten Flugzeugtypen zu sehen, über die Chinas Armee verfügt: das modernisierte Trägerkampfflugzeug J-15T, der Tarnkappenjet J-35 und das propellergetriebene Frühwarnflugzeug KJ-600. Alle absolvierten auch Landungen mithilfe des Fanghakensystems.
Damit ist China nach den USA die zweite Nation weltweit, die den Katapultstart mittels einer elektromagnetischen Schiene auf Flugzeugträgern beherrscht. Zudem ist die „Fujian“ der erste Träger, der vollständig in China entwickelt und gebaut wurde, in der Jiangnan-Werft auf der Insel Changxing nahe Shanghai. Die beiden anderen Flugzeugträger basieren noch auf Beständen der Sowjetunion.
Die Bedeutung des Flugzeugträgers für Chinas Modernisierung der Streitkräfte ist groß. Elektromagnetische Katapulte beschleunigen Flugzeuge effizienter als herkömmliche Dampfkatapulte, ermöglichen schwereren Maschinen den Start und steigern Reichweite und Schlagkraft der Marineflieger. Das Schienenprinzip ähnelt dabei dem der Magnetschwebebahn Transrapid.
China auf dem Weg zur weltweiten Seemacht?
Auffällig ist, wie sehr die chinesische Führung in ihrer Inszenierung auf den neuen Träger fokussiert, der rund 40 Flugzeuge tragen soll. Strategisch eröffnet der mobile Stützpunkt China neuen Handlungsspielraum in einer Region, in der Peking seine Territorialansprüche geltend macht und die USA ihre Dominanz verteidigen.
China beansprucht Taiwan als Teil seines Territoriums und schließt auch eine Militäraktion gegen die faktisch eigenständige Insel nicht aus. Dabei hat sie nie zur 1949 gegründeten Volksrepublik gehört.
Die offizielle Indienststellung der „Fujian“ nach den jetzigen Testläufen könnte unmittelbar bevorstehen. Bilder und Videos der staatlichen Nachrichtenagentur Xinhua und CCTV zeigen, wie Deckcrews Jets einweisen, wie die Katapulte donnern. Die staatliche Propaganda feiert dazu den Aufstieg der Marine.
Für Chinas Staatsführung ist der Träger das Symbol für den Anspruch, zur See- und Weltmacht aufzusteigen. Für die Regierung in Washington ist es wiederum ein klares Signal, dass der technologische Vorsprung der US-Navy schmilzt.
Nach Ansicht von Larry Wortzel, einem langjährigen US-Militär und früheren Militärattaché der US-Armee in Peking, sollte man Chinas neue Kapazitäten aber auch nicht überschätzen. „Kurzfristig, in den nächsten drei bis fünf Jahren, wird China seine neue Schlagkraft rund um Taiwan und die Anrainerstaaten im Pazifik sowie rund um Australien und Neuseeland zur Schau stellen“, sagte der Experte dem Handelsblatt.
Der Träger sei zwar eine Verbesserung, aber nicht ausreichend für weitergehende Weltmachtambitionen: „China ist noch nicht in der Lage, gegen die USA zu bestehen.“ Die US-Navy verfügt derzeit über elf Flugzeugträger. „Die eigentliche Wirkung des chinesischen Trägers besteht daher in der Fähigkeit einzuschüchtern“, sagt Wortzel.
Erstpublikation: 24.09.2025, 15:20 Uhr.