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OreschnikWas Putins Hyperschallrakete kann

Bereits zweimal hat Russland Ziele in der Ukraine mit dem modernen Waffensystem Oreschnik angegriffen. Die nuklear bestückbaren Raketen trugen aber offenbar keinen Sprengstoff.Frank Specht 16.01.2026 - 14:03 Uhr Artikel anhören
Oreschnik-Raketensystem: Laut russischem Verteidigungsministerium wurde das Foto bei einer Übung in Belarus aufgenommen. Foto: -/Russian Defense Ministry Press

Berlin. Russland hat bestätigt, in der Nacht zum 9. Januar zum zweiten Mal seine moderne Hyperschallwaffe Oreschnik (Haselstrauch) gegen die Ukraine eingesetzt zu haben. Der Angriff, bei dem auch Drohnen zum Einsatz kamen, habe „strategischen Zielen“ gegolten, teilte das Verteidigungsministerium in Moskau mit. Nach ukrainischen Angaben hat die Oreschnik eine Werkstatt in der westukrainischen Stadt Lwiw getroffen.

Demnach war die Rakete vermutlich mit Sprengkopf-Attrappen oder sogenannter inerter Munition bestückt. Dabei handelt es sich um Munition ohne Sprengstoff oder Treibladung, die zu Trainingszwecken verwendet wird.

Russland erklärte, der Einsatz sei eine Vergeltung für einen angeblichen ukrainischen Drohnenangriff auf eine Residenz von Russlands Präsident Wladimir Putin am 29. Dezember vergangenen Jahres. Die Ukraine bestreitet aber, dass es einen solchen Angriff gegeben habe, auch westliche Militärexperten und US-Präsident Donald Trump zogen das in Zweifel.

Was macht den Einsatz der Oreschnik besonders? Antworten auf wichtige Fragen.

Was kann die Oreschnik?

Kremlchef Wladimir Putin hatte im August vergangenen Jahres angekündigt, dass Russland die Serienproduktion der Oreschnik aufnehme, die den Nato-Code SS-X-34 trägt. Es handelt sich um eine mobile Mittelstreckenrakete, das heißt, sie wird nicht aus stationären Silos abgefeuert, sondern aus Containern auf beweglichen Plattformen wie Lastwagen.

Die zweistufige Rakete mit Feststoffantrieb soll sowohl mit konventionellen als auch mit atomaren Sprengköpfen bestückt werden und in der Endphase des Anflugs die zehn- bis elffache Schallgeschwindigkeit erreichen können, also zwischen 12.000 und 13.500 Kilometer pro Stunde.

Putin hat die Oreschnik als Mittelstreckenrakete bezeichnet. Experten schätzen, dass sie – je nach Beladung – mindestens 3000 Kilometer weit fliegen kann, aber unter der Reichweite von Interkontinentalraketen bleibt, die Ziele in mindestens 5500 Kilometer Entfernung erreichen können.

Einen ersten von Russland bestätigten Einsatz der Oreschnik hatte es im November 2024 bei einem Angriff auf die südukrainische Großstadt Dnipro gegeben. Pentagon-Offizielle erklärten damals, die Waffe sei noch in der Erprobung und stelle keinen „Gamechanger“ im Ukrainekrieg dar, da Russland nur über eine sehr begrenzte Stückzahl verfüge. Das allerdings könnte sich bald ändern, wenn die Serienproduktion – wie von Putin angekündigt – wirklich im vergangenen Sommer begonnen hat.

Was macht die Rakete so gefährlich?

Neben der hohen Geschwindigkeit erschweren die Flugbahn und der Mehrfachsprengkopf die Bekämpfung der Rakete. Die Oreschnik zündet nacheinander ihre beiden Stufen und fliegt eine steile Parabel, deren Scheitelpunkt außerhalb der Erdatmosphäre liegt. Solche Höhen sind für Luftverteidigungssysteme wie das US-amerikanische Patriot oder das französische SAMP/T, über die die Ukraine verfügt, nicht erreichbar.

Beim Wiedereintritt in die Atmosphäre setzt die zweite Stufe bis zu sechs Sprengköpfe frei. Weil sie einzeln steuerbar sind und mit Hyperschallgeschwindigkeit einschlagen, bleibt nur wenig Reaktionszeit, um sie abzuschießen. Ein Alleinstellungsmerkmal hat die Oreschnik damit aber nicht.

Verstößt Russland mit Oreschnik gegen internationale Vereinbarungen?

Eigentlich dürfte es die Oreschnik gar nicht geben. Denn der im Jahr 1987 zwischen den USA und der damaligen Sowjetunion geschlossene Vertrag zur Begrenzung atomarer Mittelstreckenwaffen (INF-Vertrag) sah vor, alle landgestützten Trägersysteme mit Reichweiten zwischen 500 und 5500 Kilometern zu vernichten.

US-Präsident Donald Trump hatte den INF-Vertrag in seiner ersten Amtszeit 2019 aufgekündigt, weil er den Russen vorwarf, dagegen zu verstoßen. Russland hätte also danach Waffen wie die Oreschnik produzieren dürfen.

Die Rakete wurde aber nicht gänzlich neu entwickelt, sondern basiere wohl auf der älteren RS-26, mit der sie viele Leistungsmerkmale teile, schreibt Experte Fabian Hoffmann von der Universität Oslo in einem Beitrag.

Zwar habe Russland die RS-26 als Interkontinentalrakete ausgegeben, schreibt Hoffmann weiter, doch liege ihre Reichweite wohl eher im Mittelstreckenbereich des INF-Vertrags. Schon das Vorläufermodell von Oreschnik hätte es laut INF-Vertrag also nicht geben dürfen.

Wie reagiert Deutschland auf die potenzielle Bedrohung durch Oreschnik?

Um auch Raketen außerhalb der Atmosphäre in Höhen von mehr als 100 Kilometern abfangen zu können, hat die Bundeswehr das israelische Luftverteidigungssystem Arrow 3 angeschafft. Damit schließe Deutschland eine „Fähigkeitslücke – schneller, entschlossener und konsequenter als jemals zuvor“, sagte Luftwaffeninspekteur Holger Neumann Anfang Dezember bei Erreichen der ersten Stufe der Einsatzbereitschaft des Systems.

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Dieser Artikel erschien bereits am 9.1.2026. Der Artikel wurde am 16.1.2026 erneut geprüft und mit leichten Anpassungen aktualisiert.

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