Pandemie: „Covid interessiert niemanden mehr“ – Wie Florida zur Parallelwelt wurde
Partys ohne Masken und Abstand: Im Sunshine-State wird so getan, als sei Corona längst vorbei.
Foto: action pressMiami. Der Außenbereich des „Delicious Raw“ sieht aus wie ein Instagram-Account für Fitnessmode. Es sind 28 Grad, fast alle Besucher des Cafés in Miami Beach haben eine Sportmatte dabei. Palmen und hellgraue Sofas bieten die perfekte Kulisse für Bauchmuskeln und makellose Zähne.
„Hey, ich organisiere ein Yoga-Camp in Costa Rica, bist du mit am Start?“, ruft ein junger Mann, Typ Surfer, in sein Telefon. Ein paar Minuten später wird er sich als Skylar Hauswirth vorstellen, „Unternehmer, Trainer und Luxus Concierge“.
In der Nachbarstadt Miami betreibe er eine Event-Bar. Aha, eine Art Nachtklub also? „Es ist eine Lounge“, korrigiert Hauswirth, exklusiv nur für Mitglieder.
Seine Umsätze hätten sich in der Pandemie verdreifacht, erzählt der 33-Jährige. Das Coronavirus spiele in seinem Alltag keine Rolle. „Mit 20 Leuten Party auf meinem Boot, das ist meine Quarantäne“, sagt er und lacht. Miami habe alles, was er brauche: Sonne. Strand. Leben.
Wer in diesen Tagen durch den Süden Floridas reist, erlebt eine Parallelwelt inmitten der globalen Pandemie. Die meisten Restaurants, Schulen oder Sportstadien sind offen, in den Bars feiern Menschen dicht an dicht. Dabei war Florida einer der ersten Bundesstaaten der USA, in dem die Covid-Fälle durch die Decke gingen. Doch der republikanische Gouverneur Ron DeSantis verteidigt Florida als „Oase der Freiheit“. Er lässt Wirtschaft und Tourismus weitgehend unreguliert, trotz noch immer hoher Corona-Zahlen.