Preise: Warum ausgerechnet in Japan der Reis knapp wird
Tokio. Toru Miyazaki wurde im Supermarkt in Yokohama von Japans Reiskrise überrascht. Ein Sack Reis aus Kalifornien? Obwohl in Japan fast nur Reis aus eigener Produktion gegessen wird? „Kaum zu glauben“, sagt er. Aber das Herkunftssiegel auf der Packung ist eindeutig. „So etwas habe ich noch nie gesehen.“
Das war nicht die erste Überraschung in Sachen Reis, die Miyazaki und andere Japaner in den vergangenen Monaten erlebten. Voriges Jahr gab es das japanische Grundnahrungsmittel gar nicht mehr zu kaufen. Dieses Jahr hat sich sein Preis auf mehr als 4000 Yen pro Fünf-Kilo-Sack verdoppelt (umgerechnet etwa 24,50 Euro) – ein absoluter Rekord. „Das hätte ich mir bis vor Kurzem nicht vorstellen können“, sagt Miyazaki. Auch die politische Tragweite der Krise ist neu.
Denn die hohen Reispreise treiben die gesamte Inflation. Mit 3,6 Prozent ist die japanische Teuerungsrate höher als die in anderen Ländern und weit vom Idealwert von zwei Prozent entfernt. Das setzt die Regierung unter hohen Druck – sowohl innenpolitisch als auch in den Zollverhandlungen mit den USA.