Schweigegeld-Prozess: Schuldspruch hält Trumps Spender nicht auf – im Gegenteil
Düsseldorf. In allen Punkten schuldig: So urteilte die Jury im Schweigegeld-Prozess gegen den ehemaligen US-Präsidenten Donald Trump. Der sieht das naturgemäß anders: Er sei ein „unschuldiger Mann“, sagte er in einer kurzen Stellungnahme vor dem Gericht.
In einer E-Mail an seine Unterstützer und auf seiner Spendenseite geht Trump noch weiter: „Ich bin ein politischer Gefangener“, heißt es dort. Ans Aufgeben sollen seine Anhänger nicht denken. „Mit eurer Unterstützung in diesem Moment der Geschichte werden wir das Weiße Haus zurückgewinnen und Amerika wieder großartig machen.“
Seine Unterstützer folgen prompt. Nach der Bekanntmachung des Schuldspruchs verstärkten einige große republikanische Geldgeber ihre finanziellen Hilfen für Trump.
Tech-Investor spendet nach Urteil erstmals für Trump
Robert Bigelow, der bereits mehr als neun Millionen Dollar an eine externe Gruppe gespendet hat, die Trump unterstützt, bezeichnete das Strafverfahren als „Schande“. Der Milliardär kündigte an, Trump weitere fünf Millionen Dollar zu spenden.
Don Tapia, ein ehemaliger Botschafter Trumps in Jamaika, wollte den Ex-Präsidenten zusammen mit einem kleinen Netzwerk aus Familienmitgliedern und Freunden nach eigenen Angaben bei dieser Wahl ursprünglich mit rund 250.000 Dollar unterstützen. Nach der Verurteilung will die Gruppe ihr Engagement auf mehr als eine Million Dollar ausbauen. „Wir werden uns voll und ganz für ihn einsetzen“, sagte Tapia der Nachrichtenagentur Reuters.
Shaun Maguire, ein Tech-Investor aus dem Silicon Valley, der vorher noch nicht für Trump gespendet hatte, gab nach dem Urteilsspruch auf der Social-Media-Seite X bekannt, dass er 300.000 Dollar zur Unterstützung von Trump gespendet habe.
Nicht mit einer Spendenankündigung, aber mit Worten des Beistandes meldete sich Tesla-Chef Elon Musk. „Wenn ein ehemaliger Präsident wegen einer so trivialen Angelegenheit strafrechtlich verurteilt werden kann – eher politisch als juristisch motiviert – dann droht jedem ein ähnliches Schicksal“, schrieb er auf X. Erst kürzlich war bekannt geworden, dass Trump Musk offenbar für einen Beraterposten erwägt, sollte er ins Weiße Haus zurückkehren.
Dass sich viele Spender zurückziehen, scheint unwahrscheinlich. Andy Sabin, ein Metallunternehmer, sagte gegenüber Reuters, er habe noch keinen republikanischen Spender getroffen, der Wert auf diesen Prozess lege.
Und so kann Trump wohl auch auf Unterstützung von der Wall Street hoffen. Nach Informationen der „Financial Times“ erwägt der Hedgefonds-Manager Bill Ackman, Trump offiziell zu unterstützen. In der vergangenen Woche hatte bereits der Chef der Investmentgesellschaft Blackstone, Stephen Schwarzman, seine Unterstützung für Trump angekündigt.
Showdown im Schweigegeld-Prozess: Was Donald Trump jetzt droht – und was nicht
Spenden-Website bricht nach Schuldspruch zusammen
Nicht nur die Großspender scheinen Trump zur Seite stehen zu wollen. Nach Bekanntgabe des Urteils brach die Website von WinRed zusammen, dem Zahlungsabwickler für republikanische Wahlkampfspenden. Das Trump-Team führte dies darauf zurück, dass so viele Amerikaner den Ex-Präsidenten unterstützen wollten.
Ebenso wie seine Spender stehen die politischen Anhänger weiter an Trumps Seite. Der republikanische Hardliner aus dem US-Repräsentantenhaus, Jim Jordan, bezeichnete das Urteil am Donnerstag als „Farce“.
Der Vorsitzende des Justizausschusses der Parlamentskammer sprach von einem „voreingenommenen Richter“ und einem „ungerechten Prozess“, der allein dazu gedient habe, Trump im laufenden Präsidentschaftswahlkampf zu behindern.
Die radikale republikanische Abgeordnete Marjorie Taylor Greene postete auf X provokativ eine auf dem Kopf stehende US-Flagge. Dieses Symbol wird von Trumps Anhängern verwendet und spielte auch bei der Attacke auf das US-Kapitol am 6. Januar 2021 eine Rolle.
Floridas Gouverneur Ron DeSantis äußerte sich ebenfalls auf X. Das Gesetz solle in den USA unparteiisch angewendet und nicht zum Spielball einer politischen Agenda werden. „Wäre der Angeklagte nicht Donald Trump, wäre der Fall nie zur Anklage gebracht worden“, schrieb er. DeSantis hatte sich um eine Präsidentschaftskandidatur für die Republikaner in den USA beworben, stieg im Januar jedoch aus dem Rennen aus. Seitdem unterstützt er Trump.
Der frühere US-Botschafter in Deutschland, Richard Grenell, argumentierte, das Urteil könne Trump nicht aufhalten. Grenell schrieb auf X: „Ich habe genug gesehen ... Donald Trump ist zum 47. Präsidenten der Vereinigten Staaten gewählt worden.“
Das ist tatsächlich weiter möglich. Trump kann gegen das Urteil Berufung einlegen. Durch den daraus resultierenden Aufschub könnte er den Wahltag unbeschadet überstehen.
Joe Biden ruft ebenfalls zu Spenden auf
Der amtierende Präsident Joe Biden hat die Verurteilung für einen Wahlaufruf und Werbung in eigener Sache genutzt. „Es gibt nur einen Weg, Donald Trump aus dem Oval Office herauszuhalten: an den Wahlurnen“, schrieb der Demokrat auf seinem privaten X-Account. „Spenden Sie noch heute für unsere Kampagne.“
Bidens Wahlkampfteam teilte mit, der Prozess in New York habe gezeigt, dass niemand über dem Gesetz stehe. „Die Bedrohung, die Trump für unsere Demokratie darstellt, war noch nie so groß wie heute“, warnte es in einer nach dem Urteil veröffentlichten Mitteilung. Eine zweite Amtszeit Trumps bedeute „Chaos“. Doch wer sich bereits für Trump entschieden hat, wird damit kaum umzustimmen sein.
Mit Agenturmaterial