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Sipri-BerichtUkraine und Russland bei Militärausgaben fast gleichauf

Zum neunten Mal in Folge steigen die weltweiten Ausgaben für das Militär, unter anderem wegen des Ukraine-Krieges. Die neuen Zahlen zeigen auch: Das Land kann nur mit Militärhilfen mit Russland mithalten. 22.04.2024 - 15:20 Uhr
Die Ukraine hat Milliarden an Militärhilfen von den westlichen Verbündeten erhalten. Foto: AP

Stockholm. Die Ukraine konnte im vergangenen Jahr dank der westlichen Militärhilfen fast so viel Geld für das Militär ausgeben wie Russland. Das geht aus einem neuen Bericht des Stockholmer Friedensforschungsinstituts Sipri hervor, der am Montag veröffentlicht wurde.

Demnach beliefen sich die russischen Militärausgaben 2023 auf 109 Milliarden Dollar. Die Ukraine wendete 64,8 Milliarden Dollar aus dem eigenen Haushalt für das Militär auf. Hinzu kamen Militärhilfen in Höhe von mindestens 35 Milliarden Dollar.

Zugleich zeigt sich im Bericht der finanzielle Vorteil des Kremls. So machten die militärischen Ausgaben nur 16 Prozent des Staatshaushaltes aus. Die Ukraine wendete hingegen knapp mehr als die Hälfte der staatlichen Ausgaben für das Militär aus.

Ausgaben für das Militär weltweit gestiegen

Bei beiden Kriegsparteien haben die Militärausgaben deutlich zugenommen. In der Ukraine betrug der Anstieg 51 Prozent, in Russland 24 Prozent. 

Der Trend zeigt sich auch weltweit. Dem Bericht nach stiegen die Ausgaben im Jahr 2023 inflationsbereinigt um 6,8 Prozent auf 2,44 Billionen US-Dollar. 2022 waren es noch 2,24 Billionen Dollar.

Das ist der neunte Anstieg in Folge. Die größten zehn Geldgeber haben allesamt ihre Ausgaben deutlich erhöht. 

Sipri-Forscher Lorenzo Scarazzato erklärte dies gegenüber der Deutschen Presse Agentur so: Ein Land nehme Spannungen und Instabilität wahr und strebe daher statt diplomatischer Mittel lieber nach harter Sicherheit. Eine Regierung investiere also möglicherweise mehr in Militärausgaben. „Einer der Hauptgründe ist natürlich die russische Invasion in der Ukraine“, sagte Scarazzato.

Militärhilfen in den USA umstritten

Die USA blieben nach Angaben der Stockholmer Forscher unangefochten an der Spitze der Länder, die die höchsten Ausgaben für das Militär haben. Sie allein machten mit 916 Milliarden US-Dollar (knapp 859 Milliarden Euro) mehr als ein Drittel (37 Prozent) der weltweiten Militärausgaben aus.

Ein äußerst umstrittenes Thema in den USA waren und sind die Militärhilfen für die Ukraine. Diese beliefen sich Sipri-Angaben zufolge im vergangenen Jahr auf 25,4 Milliarden Dollar, was die Vereinigten Staaten zum wichtigsten Unterstützer für das von Russland angegriffene Land machen.

US-Soldaten bereiten eine militärische Lieferung an die Ukraine vor. Foto: AP

Dazu kamen 10,3 Milliarden Dollar an ukrainebezogenen Zuwendungen. Diese umfassten Mittel, um die europäischen Verbündeten und US-Kommandoperationen in Europa zu unterstützen sowie die Kapazitäten zur Munitionsproduktionen in den USA zu erhöhen. So sollen die Bestände an Munition aufgefüllt werden, um den Bedarf der Ukraine zu decken.

Ukraine bekommt weitere Unterstützung

Im Jahr 2023 erhielt die Ukraine Militärhilfe aus mehr als 30 Ländern. Die wichtigsten Geber waren die USA und das Vereinigte Königreich, aber auch Deutschland und andere Mitgliedstaaten der Europäischen Union (EU).

Im laufenden Jahr kann die Ukraine auf weitere Hilfen hoffen. Am Samstag hatte das US-Repräsentantenhaus nach langen Debatten ein Hilfspaket im Umfang von 61 Milliarden Dollar gebilligt. Davor hatte die Nato am Freitag beschlossen, die Ukraine mit weiteren Flugabwehrsystemen zu stärken. Ein Zeitrahmen für die Lieferung wurde in beiden Fällen nicht genannt.

Die Verteidigungsausgaben der Nato sind 2023 im Vergleich zu 2022 – dem Jahr, in dem Russland seinen Angriffskrieg auf die Ukraine startete – um 5,2 Prozent gestiegen. Insgesamt beliefen sich die Ausgaben der 31 Mitgliedsländer auf 1,34 Billionen Dollar. Das entspricht mehr als die Hälfte der globalen Aufwendungen.

Dem Bericht nach erfüllten im vergangenen Jahr elf Mitglieder des Verteidigungsbündnisses das Zwei-Prozent-Ziel der Nato. Das sind vier mehr als 2022.

Deutschland hat Zwei-Prozent-Ziel 2023 nicht erfüllt

Deutschland hat im vergangenen Jahr zwar mit 66,8 Milliarden Dollar mehr Geld ausgegeben als im Vorjahr, das Ziel aber verfehlt. Im laufenden Jahr wird die Bundesrepublik wohl erstmal seit Jahrzehnten mehr als zwei Prozent des Bruttoinlandsprodukts für die Verteidigung ausgeben.

Ob die Bundesrepublik auch künftig die Zielvorgabe der Nato erreichen wird, ist offen. Ein Großteil des Sondervermögens für die Bundeswehr in Höhe von 100 Milliarden Dollar ist bereits verplant und reicht nur bis zum Jahr 2027.

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„Wenn es um Deutschland geht, wird es oft kritisiert, weil es das Zwei-Prozent-Ziel der Nato noch nicht erreicht hat“, sagte Sipri-Forscher Scarazzato. „Was wir vielleicht nicht vergessen sollten, ist, dass Deutschland eine der wichtigsten Wirtschaftsmächte in Europa ist und nach dem Vereinigten Königreich die zweitgrößten Militärausgaben in Europa tätigt.“

Erstpublikation: 22.04.2024, 07:10 Uhr.

dpa, jsb
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