Steuervermeider: Bezos, Musk, Bloomberg: Wie sich US-Milliardäre vor dem Fiskus arm rechnen
Die reichsten Männer der USA zahlen im Vergleich zu ihrem Vermögenszuwachs nur wenig oder kaum Steuern.
Foto: HandelsblattNew York. In den USA leben die meisten und die reichsten Milliardäre. Doch der amerikanische Fiskus hat nur wenig davon. Egal ob Amazon-Gründer Jeff Bezos, Tesla-Chef Elon Musk, Medien-Milliardär Michael Bloomberg oder Star-Investor Warren Buffett: Sie alle haben in den vergangenen Jahren trotz ihres enormen Vermögenszuwachses nur überaus geringe oder gar keine Steuern gezahlt. Das geht aus einem Bericht von Propublica hervor. Den Journalisten des Onlineportals sind bisher unveröffentlichte Daten des US-amerikanischen Finanzamts IRS zugespielt worden.
Der Fall Bezos ist besonders eklatant: Der 57-jährige Milliardär hat in den Jahren 2007 und 2011 keinen einzigen Cent Einkommensteuer bezahlt. Weil Jeff Bezos gemäß seiner Steuererklärung mehr ausgab, als er einnahm, konnte er laut Propublica sogar 4000 Dollar vom Fiskus für seine Kinder einstreichen. Damals war der Amazon-Gründer bereits im Olymp der Superreichen angekommen. Doch die amerikanischen Steuergesetze machten sein Vorgehen möglich.
Das Gleiche gilt für Elon Musk, der im Jahr 2018 keine Einkommensteuer entrichtete. Die Liste der Milliardäre, die sich vor dem US-Fiskus arm rechnen, ist lang: Der Medienunternehmer Michael Bloomberg gehört ebenso dazu wie die Investoren Carl Icahn und George Soros.
Die durchgestochenen Daten des Internal Revenue Service (IRS) dürften viele US-Steuerzahler verärgern. Propublica rechnet vor, dass die Reichsten – wenn man ihren Vermögenszuwachs mit einrechnet – eine „wahre Steuerquote“ von nur 3,4 Prozent hatten.
Zum Vergleich: Das mittlere Haushaltseinkommen in den USA lag laut Propublica in den vergangenen Jahren bei 70.000 Dollar. Diese Haushalte hätten darauf 14 Prozent Einkommensteuern auf Bundesebene bezahlt. Paare, die mehr als 628.000 Dollar verdienten, hätten sogar 37 Prozent gezahlt.
US-Steuerbehörde IRS leitet Untersuchung ein
Für die US-Steuerbehörde IRS ist die Veröffentlichung der Daten äußerst peinlich. Sie will jetzt ermitteln, wie die brisanten Daten der Superreichen an die Öffentlichkeit gelangen konnten. „Ich kann bestätigen, dass es eine Untersuchung gibt“, sagte IRS-Chef Charles Rettig bei einer Senatsanhörung in Washington. Die unautorisierte Weitergabe vertraulicher Regierungsinformationen sei illegal, erklärte eine Sprecherin des US-Finanzministeriums.
Die große Diskrepanz zwischen den milliardenschweren Vermögen und der geringen oder gar nicht gezahlten Einkommensteuer liegt daran, dass es in den USA wie auch in Deutschland keine Vermögensteuer gibt. Das heißt: Solange das Vermögen etwa mit den Aktienkursen steigt, fällt keine Steuer an. Erst wenn die Aktien mit Gewinn verkauft werden, kann der Fiskus zugreifen – und auch nur dann, wenn die Gewinne nicht mit Verlusten aufgerechnet werden.
Propublica hat den Vermögenszuwachs der Superreichen mit den erklärten Einkommen und bezahlten Steuern zwischen 2014 und 2018 verglichen. Die größte Diskrepanz gab es ausgerechnet beim Star-Investor Warren Buffett, der schon vor vielen Jahren kritisiert hatte, dass sein Steuersatz niedriger liege als der seiner Sekretärin.
Bei Warren Buffett ist die Diskrepanz am größten
Buffett hat zwischen 2014 und 2018 zwar einen Vermögenszuwachs von 24,3 Milliarden Dollar gehabt. Aber sein Einkommen lag in den fünf Jahren nur bei insgesamt 125 Millionen Dollar, worauf er 23,7 Millionen Dollar Steuern gezahlt hat. Buffett, der einen Großteil seines Vermögens spendet, verwies nach dem Report von Propublica darauf, dass er im Gegensatz zum früheren US-Präsidenten Donald Trump sein Vermögen und seine Steuererklärungen veröffentlicht hat.
Buffett erklärte, er zahle das, was er nach geltendem Recht dem Staat schulde. Leider sei das eben nur sehr wenig. Er bleibe bei seiner Haltung: Das Steuerrecht müsse erheblich korrigiert werden.
Auch bei anderen Milliardären fiel die Steuerlast in dem gleichen Zeitraum niedrig aus, wenn man sie mit dem Vermögenszuwachs vergleicht: Jeff Bezos hat sein Vermögen um 99 Milliarden Dollar gesteigert. Aber da er „nur“ 4,22 Milliarden Dollar Einkommen hatte, waren „nur“ 973 Millionen Dollar Steuern fällig.
Elon Musk steigerte sein Vermögen zwischen 2014 und 2018 um 14 Milliarden Dollar, deklarierte Einkommen von 1,5 Milliarden Dollar und zahlte 455 Millionen Dollar Steuern. Bei Bloomberg betrug der Vermögenszuwachs 22,5 Milliarden Dollar, das Einkommen zehn Milliarden Dollar und die bezahlten Steuern 292 Millionen Dollar.
Patriotic Millionaires: „Der Bericht ist schockierend, aber nicht überraschend“
Nach der Veröffentlichung des Berichts über die reichen Steuervermeider wurden erneut Rufe nach einer Vermögensteuer laut. Morris Pearl, Chairman der „Patriotic Millionaires“, die für höhere Steuern für Reiche eintreten, bezeichnete den Bericht von Propublica als „schockierend, aber nicht überraschend“.
Eine mobile Werbetafel, organisiert von der Gruppe Patriotic Millionaires, fährt mit einem Bild des Amazon-Gründers durch Washington, DC.
Foto: AFP„Es ist bekannt, dass die reichsten Personen in den USA die Steuergesetze zu ihren Gunsten gestaltet haben, sodass sie Steuerzahlungen fast komplett vermeiden können“, erklärte Pearl, der seine Millionen an der Wall Street gemacht hat, zuletzt als Managing Director des größten Vermögensverwalters der Welt, Blackrock.
Diese Steuerpraktiken seien der Grund dafür, dass die reichsten 400 Amerikaner heute so viel Vermögen haben wie die ärmsten 150 Millionen zusammen. „Unser System besteuert nur ‚versteuerbares Einkommen‘, und wenn man echt reich ist, braucht man kein ‚versteuerbares Einkommen‘“, erklärte Pearl. Deshalb machen sich die Patriotic Millionaires für eine Vermögensteuer oder zumindest für die Besteuerung des Wertzuwachses stark.
„Es gibt keine Rechtfertigung für Steuergesetze, die es Milliardären erlauben, deutlich geringere Steuersätze zu zahlen als arbeitende Amerikaner“, sagte Pearl und forderte: „Wir müssen die Steuergesetze ändern, um die Reichen zu zwingen, ihren fairen Anteil zu bezahlen.“
Der demokratische US-Senator Bernie Sanders teilte seinen Frust über den „reichsten lebenden Mann“ Bezos und die „zweitreichste Person in Amerika“ Musk auf Twitter: „Ja, in einer Zeit von massiver Ungleichheit bei Reichtum und Einkommen müssen wir die Reichen besteuern.“
Die demokratische Senatorin Elizabeth Warren fordert eine Vermögensteuer von zwei Prozent auf Vermögen von mehr als 50 Millionen Dollar. Sie nannte den Bericht von Propublica „zutiefst schockierend“. Man solle lieber die Vermögensteuer einführen, statt die Einkommensteuer zu erhöhen: „Die Einkommensteuer um zwei oder zehn Prozent zu erhöhen macht bei diesen Multimilliardären keinen wirklichen Unterschied“, sagte Warren der „New York Times“.