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Treffen in Cornwall„Gesundheitserklärung“: G7-Staaten wollen neue Pandemie verhindern

Die Staats- und Regierungschefs sind sich ebenfalls einig, dass Konjunkturhilfen weiterhin notwendig bleiben. Merkel erwartet eine Auseinandersetzung mit Russland und China.Carsten Volkery 11.06.2021 - 23:58 Uhr aktualisiert Artikel anhören

Beim Treffen wird es um die Pandemie, aber auch um den Klimaschutz gehen.

Foto: Reuters

Carbis Bay. Die sieben führenden Industrienationen wollen eine neue Pandemie durch bessere Frühwarnsysteme verhindern. Vorgesehen sei, die Entwicklung von Impfstoffen, Behandlungsmethoden und Diagnosen für künftige Krankheiten auf unter 100 Tage zu drücken, teilte die britische Regierung auf dem G7-Gipfel in Carbis Bay mit. Globale Frühwarnsysteme sollen ebenso verstärkt werden wie die Möglichkeiten zur sogenannten Genom-Sequenzierung, die das Aufspüren von Virusvarianten ermöglicht.

„Um das Coronavirus tatsächlich zu besiegen und uns zu erholen, müssen wir verhindern, dass Pandemien wie diese jemals wieder geschehen,“ sagte G7-Gastgeber Boris Johnson.

Der Klimawandel und die Corona-Pandemie sind die beiden Top-Themen des Gipfels, der am Freitagnachmittag in einem Hotel im englischen Küstenort Carbis Bay offiziell begann. Das Treffen der sieben führenden Industrienationen läuft noch bis Sonntag.

Einigkeit der Teilnehmerländer herrscht einem Insider zufolge auch bei der Notwendigkeit weiterer Konjunkturhilfen, um die Weltwirtschaft nach der Corona-Rezession zu unterstützen. Auch Kanzlerin Angela Merkel habe dies unterstützt, sagte eine mit der Diskussion vertraute Person der Nachrichtenagentur Reuters.

Den Anstieg der Inflation in vielen Staaten sehen die Regierungschefs demnach als vorübergehend an. Insbesondere die USA haben ihre Verbündeten aufgerufen, zunächst die expansive Fiskalpolitik beizubehalten.

Demonstrationen am Rande des Treffens

Als die G7-Regierungschefs am Freitag nach und nach in Cornwall landeten, waren die Demonstranten am Gipfelort bereits aktiv. Hinter dem Banner „Sound the Alarm“ marschierten einige Hundert Klimaschützer von Extinction Rebellion durch das Seebad St. Ives. Am Strand ließ sich eine Gruppe mit Fotomasken der G7-Regierungschefs in Sonnenstühlen fotografieren – vor einem Bild der untergehenden Titanic.

An einem anderen Strand in der Nähe des Medienzentrums in Falmouth hatten sich am Morgen bereits Oxfam-Aktivisten ein Tauziehen mit einer riesigen Spritze geliefert – eine Anspielung auf den G7-Streit über die Freigabe von Impfstoff-Patenten.

Gastgeber Boris Johnson hatte den ersten Tag sorgfältig geplant. Schon vor Beginn verkündete der britische Premierminister, die G7 würde eine Milliarde Impfdosen für ärmere Länder spenden. Die erste Sitzung dann drehte sich um den Wiederaufbau nach der Corona-Rezession. Man sei „vereint in der Vision für eine sauberere, grünere Welt“, verkündete der Premier.

Für den Freitagabend spannt er die prominenteste Persönlichkeit ein, die das Königreich zu bieten hat: Queen Elizabeth II. wird die Regierungschefs bei einem Empfang im Eden Project, dem bekannten botanischen Garten, begrüßen und die Umweltbotschaft des Gipfels verstärken. Sie reist im übrigen im Zug an - im Gegensatz zu Johnson, der für die 450 Kilometer aus London den Privatjet nahm.

EU-Länder unter Druck

Bundeskanzlerin Angela Merkel zeigte sich zuversichtlich, dass man dieses Wochenende „gute Resultate“ erzielen werde. Die G7 wolle zeigen: „Wir denken nicht nur an uns, sondern wir denken auch an diejenigen, die noch keine Chance haben, geimpft zu werden, vor allem in den Ländern Afrikas, aber auch in anderen Ländern.“

Die EU-Länder stehen unter Druck, dem Beispiel Joe Bidens zu folgen. Der US-Präsident hatte am Donnerstag angekündigt, in den kommenden zwölf Monaten 500 Millionen Impfdosen an ärmere Länder liefern zu wollen. Johnson hatte 100 Millionen Dosen versprochen. Nun sind die Europäer am Zug, ihrerseits nachzulegen.

Der US-Präsident kündigte Donnerstag an, dass die USA eine halbe Milliarde Impfdosen spenden werden.

Foto: Reuters

Die Großbank UBS schätzt den Impfstoff-Überschuss in den USA bis Jahresende auf 850 Millionen Dosen. In der EU könnte er sogar mehr als eine Milliarde Dosen betragen. In Entwicklungsländern hingegen fehlen Milliarden Dosen.

Experten beklagen die zunehmende „Impf-Apartheid“ in der Welt. „Weniger als ein Prozent der Menschen in ärmeren Ländern ist geimpft, während die weitgehend geimpften Bevölkerungen der G7 auf ihre Sommerurlaube im Ausland fixiert sind“, kritisiert Robert Yates vom Thinktank Chatham House.

Die G7 müsste nicht nur Impfdosen spenden, sondern auch 50 Milliarden Dollar zur Stärkung von Gesundheitssystemen investieren und die Impfstoff-Patente zeitweise freigeben. „Es gibt keine Sekunde zu verlieren.“

Der Impfstoff-Beauftragte der Weltgesundheitsorganisation (WHO), David Nabarro, rief die G7 dazu auf, die Impfstofflieferungen nicht als großzügige Spenden darzustellen, sondern als Eigeninteresse. Denn solange die Pandemie nicht in der ganzen Welt unter Kontrolle ist, drohen immer neue Mutanten des Virus.

Angela Merkel: „Auseinandersetzung mit Russland, aber auch China“

Am Samstag steht die Außenpolitik auf der Tagesordnung. Für die Sitzung sind die Regierungschefs von Indien, Australien, Südkorea und Südafrika eingeladen. Mit der Versammlung der Demokratien möchte Johnson ein Signal an autoritäre Regime wie China senden. Vor allem Biden ist an einer klaren Abgrenzung zur Konkurrenzmacht im Fernen Osten interessiert.

Merkel sagte ihre Unterstützung zu, auch wenn die Europäer es sich mit China nicht verscherzen wollen. Man werde „ein starkes Wort für den Multilateralismus sagen, und auch für den wertebasierten Multilateralismus“, sagte Merkel. Dies werde „natürlich auch zu einer Auseinandersetzung mit Russland, aber auch in einigen Aspekten mit China führen“.

An einem anderen Strand in der Nähe des Medienzentrums in Falmouth hatten sich am Morgen bereits Oxfam-Aktivisten ein Tauziehen mit einer riesigen Spritze geliefert.

Foto: Reuters
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Zugleich betonte die Kanzlerin, man brauche „alle in der Welt“. Man wolle zusammenarbeiten, gerade in dem Bereich des Klimaschutzes und der Biodiversität. „Da werden wir niemals Lösungen ohne China erreichen.“

Mit Agenturmaterial.

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