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Ukraine-KriegRussische Gasrechnungen: OMV sucht weiter nach Lösungen

Russland will für sein Gas in Rubel bezahlt werden. Den Energiekonzern OMV stellt das vor eine große Herausforderung – besonders mit Blick auf die EU-Sanktionen.Daniel Imwinkelried 29.04.2022 - 17:07 Uhr Artikel anhören

Europäische Konzerne müssen Wege finden, für russisches Gas in Rubel zu bezahlen, ohne dabei gegen Sanktionen zu verstoßen.

Foto: IMAGO/ITAR-TASS

Wien. Wie westeuropäische Gaskäufer den russischen Lieferanten Gazprom künftig bezahlen werden, ist offenbar immer noch nicht geklärt. „Wir suchen weiter nach einer Lösung“, sagte Alfred Stern, Chef des österreichischen Öl-, Gas- und Chemiekonzerns OMV, am Freitag.

OMV erhält im Mai die nächste monatliche Rechnung von Gazprom. Ab dann gelten auch die neuen Zahlungsmodalitäten. Ende März hatte der russische Präsident Wladimir Putin verfügt, dass Unternehmen aus „feindlich gesinnten Staaten“ bei der Gazprombank ein Rubelkonto einrichten müssen, um die Lieferungen zu bezahlen. Gleichzeitig dürfen die Käufer keine Rubel nach Russland überweisen, weil sie so laut EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen das Sanktionsregime verletzen würden.

Gaskäufer stehen dabei zwischen den Fronten. Viele Parteien seien in die Transaktion involviert, sagte Stern. „Wir führen mit ihnen Diskussionen.“

Die Lösung des Dilemmas scheint darin zu bestehen, dass die Firmen bei der Gazprombank je ein Konto in Euro und in Rubel einrichten. Somit können die Käufer das Geld für Gas in ausländischer Währung auf das eine Konto überweisen, woraufhin die Bank an der Moskauer Börse Rubel dafür kauft. Diese werden dann dem zweiten Konto, dem Rubel-Konto, des Käufers gutgeschrieben und an den Lieferanten Gazprom überwiesen.

Eine offene Frage besteht nun aber offenbar darin, wie lange das Geld auf dem Euro-Konto liegen bleibt und inwieweit die russische Zentralbank in die Transaktion involviert ist. Wird nämlich die Währung nicht unverzüglich getauscht, kann die Überweisung auch als Kredit in Euro angesehen werden – und ein solcher ist aus Sicht der EU untersagt.

Gerade OMV und Österreich befinden sich in einer speziellen Lage. 1968 war OMV die erste westliche Firma, die mit der damaligen Sowjetunion einen Gasvertrag abschloss. Seither ist Österreichs Abhängigkeit von russischen Lieferungen laufend gestiegen. Stern warb für Verständnis. „Flüssiggas als Alternative war vor 20 Jahren kein Thema“, sagte er. Zudem seien Russland und die Sowjetunion rein aufgrund der Geografie die naheliegenden Lieferanten gewesen – und hätten immer zuverlässig geliefert.

OMV will sich von Russland lösen

Derzeit deckt Österreich zwischen 70 und 80 Prozent des Gasbedarfs mit Einfuhren aus Russland. Gleichzeitig hat sich OMV in Russland geschäftlich stark engagiert, versucht nun aber, die Verbindungen möglichst rasch zu kappen. Die Beteiligung am Gasfeld Juschno Russkoje von 24,99 Prozent soll abgestoßen werden. Vorsorglich hat OMV hier eine Abschreibung von einer Milliarde Euro vorgenommen.

Ungefähr gleich hoch ist die Wertanpassung auf einem Kredit, den OMV der Pipelinegesellschaft Nord Stream 2 gewährt hatte. Ungeklärt ist noch, wie die Firma aus ihrem Liefervertrag mit Gazprom herauskommt, der immerhin bis 2040 läuft. Zu den Ausstiegsklauseln schweigt Konzernchef Stern.

OMV dürfte den Rückzug aus Russland allerdings glimpflich überstehen. Derzeit erzielt das Unternehmen einen hohen Cashflow, im ersten Quartal dieses Jahres lag er bei 3,4 Milliarden Euro. Wie andere Unternehmen des Sektors profitiert OMV vom stark gestiegenen Erdölpreis und der Förderdisziplin der Mitgliedsländer der Ölallianz Opec plus. 

Darüber hinaus erwirtschaftet das Unternehmen im Bereich der Petrochemie weiterhin hohe Gewinne: Das Kunststoffgeschäft hat sich teilweise zwar etwas abgeschwächt, die Nachfrage nach Stickstoff für die Düngerproduktion ist dagegen hoch.

Der neue OMV-Chef leitete mehrere Jahre lang Borealis. Die Beteiligung am Kunststoffunternehmen stockte OMV 2020 auf 75 Prozent auf.

Foto: Leonhard Foeger

Im Unterschied zu OMV wird dem Land Österreich die Abnabelung von Russland um einiges schwerer fallen. Der Staat ist zwar mit 31,5 Prozent an OMV beteiligt, womit er sich auf steigende Dividenden freuen darf. Doch die Abhängigkeit, in die sich Österreich zu Russland begeben hat, ist groß. Vor allem die Großindustrie glaubt nicht, vorerst auf russisches Gas verzichten zu können.

Die Regierung von Bundeskanzler Karl Nehammer (ÖVP) zählt in der EU deshalb zu den vehementen Gegnern eines Gasembargos gegen Russland. Und diese Position wird von den Grünen, dem Koalitionspartner der ÖVP, ohne Murren mitgetragen.

Eine Studie des Energieministeriums, das von der Grünen-Politikerin Leonore Gewessler geführt wird, kam in dieser Woche zum Schluss, dass Österreich erst ab 2027 ohne russisches Gas auskommen werde. Und auch das sei nur „mit einer nationalen und internationalen Kraftanstrengung“ möglich. 

Bis dahin will Österreich seinen Gasverbrauch um ein Viertel reduzieren, die Produktion von Biogas und Wasserstoff stark ausbauen und vermehrt Erdgas aus weiteren Ländern beziehen. Eine Quelle sollen dabei die norwegischen Offshore-Felder sein.

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Dennoch sollte laut Stern niemand Illusionen nachjagen. „Die norwegische Gasproduktion reicht nicht, um russisches Gas zu ersetzen“, sagte der OMV-Chef. Bereits Anfangs März hatten Nehammer und Wirtschaftsvertreter deshalb wie später auch Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck Abu Dhabi und Katar besucht. Ob dies zu Erfolg führte, ist allerdings fraglich: Katar ist auf zusätzliche Kundenanfragen nicht angewiesen.

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