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Ukraine-KriegRussischer Verteidigungsminister Schoigu meldet Einnahme von Mariupol

Präsident Putin ordnet an, das von ukrainischen Einheiten noch gehaltene Stahlwerk Asowstal nicht zu stürmen. Die Ukraine fordert einen freien Abzug für Zivilisten und Verletzte aus der Fabrik. 21.04.2022 - 15:19 Uhr aktualisiert Artikel anhören

Offenbar Kontrolle über Mariupol.

Foto: dpa

Moskau. Das russische Militär hat nach Angaben von Verteidigungsminister Sergej Schoigu die umkämpfte südostukrainische Hafenstadt Mariupol unter seine Kontrolle gebracht. Das teilte Schoigu am Donnerstag bei einem mit Kremlchef Wladimir Putin im Staatsfernsehen übertragenen Treffen mit. „Die verbliebenen ukrainischen Kampfeinheiten haben sich auf dem Industriegelände der Fabrik Asowstal verschanzt“, sagte Schoigu

Präsident Putin ordnete an, das Stahlwerk nicht zu stürmen. Ein entsprechender Befehl solle zurückgenommen werden. Die Kämpfer in den Katakomben sollten die Waffen niederlegen. „Die russische Seite garantiert ihnen das Leben“, sagte Putin. Er sprach von einem Erfolg und der „Befreiung Mariupols“ und ordnete an, die beteiligten Militärs auszuzeichnen. „Sie sind alle Helden“, sagte Putin.

Kreml-Sprecher Dmitri Peskow machte am Donnerstag der Agentur Interfax zufolge deutlich, dass Russland von seinen Plänen in der Ukraine keinen Abstand nehmen werde. „Die Spezialoperation verläuft weiter nach Plan. Mariupol, das ein Ort der Ansammlung nationalistischer Gruppierungen war, ist befreit“, sagte er.

Die ukrainische Regierung forderte von Russland für das eingekesselte Stahlwerk humanitäre Korridor. „Dort befinden sich gerade etwa 1000 Zivilisten und 500 verwundete Soldaten. Sie müssen alle heute aus Asowstal herausgeholt werden!“, schrieb Vizeregierungschefin Iryna Wereschtschuk am Donnerstag im Nachrichtenkanal Telegram.

Sie rief „die Welt“ dazu auf, alle Anstrengungen jetzt auf das Stahlwerk zu konzentrieren. „Das ist jetzt der Schlüsselpunkt und der Schlüsselmoment für die humanitären Bemühungen“, betonte Wereschtschuk.

Nach Darstellung Schoigus sind die ukrainischen Einheiten vollständig blockiert. Der Minister sagte, dass die Fabrik in drei bis vier Tagen ebenfalls eingenommen werden solle. Dort seien auch ausländische Söldner.

Stadt ist Schoigu zufolge vermint

Über die angebotenen humanitären Korridore habe niemand das Werk verlassen, sagte der Minister. Zuvor hatte die ukrainische Seite Verhandlungen über das Schicksal der Kämpfer und die Rettung von Zivilisten vorgeschlagen, die in dem Werk Zuflucht gesucht hätten.

Schoigu teilte zudem mit, dass die Stadt stark vermint sei. „Alle wichtigen Objekte der städtischen Infrastruktur, darunter auch der Seehafen und das Fahrwasser wurden nicht nur vermint, sondern auch noch blockiert durch Schwimmkräne“, sagte er. Vielen ausländischen Schiffen sei dadurch die Ausfahrt verwehrt worden.

Laut Mariupols Bürgermeister Wadym Bojtschenko werden an diesem Donnerstag keine Zivilisten das belagerte Asowstal-Stahlwerk verlassen. In der Hafenstadt selbst warteten rund 200 Menschen darauf, sich in Sicherheit zu bringen, sagte er. Es seien bis zum Nachmittag aber keine Busse angekommen.

Am Mittwoch seien hingegen 80 Menschen aus Mariupol herausgebracht worden. Ein kleiner Konvoi mit Zivilisten habe die Hafenstadt verlassen und sei nun auf dem Weg nach Saporischschja, das unter ukrainischer Kontrolle ist. Insgesamt harrten in Mariupol noch immer mehr als 100.000 Menschen aus, sagte Bojtschenko.

Außenministerin Annalena Baerbock hat Putin aufgefordert, die Evakuierung der Stadt zu ermöglichen. „Es liegt in Putins Hand, diese Bombardierung dort entsprechend einzustellen und zu stoppen“, sagte die Grünen-Politikerin am Donnerstag nach einem Treffen mit ihrer estnischen Amtskollegin Eva-Maria Liimets in der Hauptstadt Tallinn. „Die Lage ist nicht nur hochdramatisch, sie ist kaum zu ertragen.“

Die Großstadt Mariupol mit einst über 400.000 Einwohner ist seit Beginn des Krieges heftig umkämpft und seit Wochen von russischen Truppen eingeschlossen. Versuche, die Zivilisten zu evakuieren, scheiterten großteils. Laut Schoigu habe man aber mehr als 140.000 von ihnen ermöglicht, die Stadt zu verlassen.

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Von den ukrainischen Streitkräften rund um das Stahlwerk hätten sich fast 1500 Kämpfer bereits ergeben. Den verbliebenen Kämpfern wurde bei Aufgabe eine respektvolle Behandlung zugesagt. Ukrainische Behörden gehen davon aus, dass sich auch rund Tausend Zivilisten auf dem Gelände des Stahlwerks befinden, zudem mehrere Hundert verletzte Kämpfer.

Mariupol am Asowschen Meer gilt als strategisch wichtig. Sie liegt zwischen den pro-russischen, selbst ernannten Volksrepubliken von Luhansk und Donezk und der von Russland 2014 annektierten Halbinsel Krim.

dpa, rtr
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