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Ukraine-KriegSelenski tauscht Chef der ukrainischen Armee aus

Lange hat der ukrainische Präsident seinem obersten Militär vertraut. Doch nun ist Saluschnyj seinen Posten los. Wer ist Oleksander Syrskyj, der neue Armeechef? 08.02.2024 - 21:05 Uhr aktualisiert
Oleksandr Syrskyj (rechts) ist neuer Oberbefehlshaber der ukrainischen Armee. Foto: AP

Kiew. Fast zwei Jahre nach Beginn des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine ist der Oberbefehlshaber der ukrainischen Streitkräfte, Walerij Saluschnyj, von seinem Posten entbunden worden. Das teilte Präsident Wolodimir Selenski am Donnerstag in seiner abendlichen Videobotschaft in Kiew mit.

Zum Nachfolger sei Generaloberst Oleksandr Syrskyj ernannt worden, der bisherige Kommandeur der ukrainischen Landstreitkräfte. Das US-Verteidigungsministerium teilte am Donnerstag mit, dass die USA  effektiv mit dem neuen Armee-Chef zusammenarbeiten werden. Syrskyj sei ein erfahrener und erfolgreicher Kommandeur. 

Vorher traf sich der Präsident mit seinem obersten Militär. „Ich habe ihm für zwei Jahre der Verteidigung gedankt“, schrieb Selenski auf seinen Blogs in sozialen Netzwerken. „Wir haben darüber gesprochen, welche Erneuerung die ukrainischen Streitkräfte brauchen.“ Es sei auch darum gegangen, wie die Führung der Armee erneuert werden könne. „Die Zeit für eine Erneuerung ist jetzt.“

Hintergrund ist ein Machtkampf zwischen Saluschnyj und Selenski. Auch die militärischen Rückschläge der vergangenen Monate schwächten Saluschnyjs Position. Allerdings hatten einflussreiche Stimmen, darunter auch Experten aus dem Ausland, Selenski davor gewarnt, seinen Oberbefehlshaber auszutauschen – gerade in einer so kritischen Phase des Kriegs.

Saluschnyi hat einen entscheidenden Anteil daran, dass es der Ukraine gelungen ist, der russischen Invasion standzuhalten. Er gilt als brillanter Stratege und ist eine der populärsten Führungsfiguren des Landes.

Sommeroffensive in der Kritik

Saluschnyj war im Juli 2021 als Oberkommandierender der ukrainischen Streitkräfte eingesetzt worden. Unter seiner Führung hielten die Truppen dem russischen Einmarsch vom Februar 2022 stand. Der 50-Jährige war auch der Architekt der ukrainischen Sommeroffensive 2023, die aber gegen stark befestigte russische Verteidigungsanlagen kaum vorankam.

Saluschnyj und Selenski waren über den Zustand der ukrainischen Verteidigung nicht mehr einer Meinung. Foto: dpa

Eine Umfrage von Dezember ergab, dass 88 Prozent der Bevölkerung ihm vertrauen. Der Wert für Selenski ist innerhalb eines Jahres hingegen von 84 auf 62 Prozent gefallen. Doch zuletzt war Kritik an der Armeeführung laut geworden. Die Offensive, mit der die Ukraine große Teile ihres von Russland besetzten Staatsgebiets zurückerobern wollte, blieb weit hinter ihren Zielen zurück.

Dabei spielten auch fragwürdige militärische Entscheidungen eine Rolle. So machten die Amerikaner in Gesprächen mit der Ukraine immer wieder deutlich, dass sie es für ratsam hielten, an einem Punkt loszuschlagen, statt an mehreren Frontabschnitten zugleich nach Schwachstellen zu suchen.

Doch die ukrainische Armeeführung entschied sich dafür, ihre Kräfte aufzuteilen. Eine Alles-oder-nichts-Attacke erschien ihr offenkundig zu riskant. Die Folge war, dass die ukrainischen Gegenangriffe in den Minenfeldern der Russen hängen blieben.

Ukraine-Krieg

US-Hilfen für die Ukraine stehen vor dem Aus

Die Ukraine steht im Osten des Landes unter gewaltigem Druck, die russische Armee scheint die Oberhand zu gewinnen. Weil die westliche Unterstützung bröckelt, nicht zuletzt wegen der Blockade eines milliardenschweren Hilfspakets durch die Republikaner in den USA, haben die ukrainischen Verteidiger immer größere Schwierigkeiten, die Angriffswellen der Russen abzuwehren.

Selenski widersprach dem General öffentlich

In einem aufsehenerregenden Artikel für die britische Zeitschrift „The Economist“ schrieb der General, dass der Krieg am Boden in eine Pattsituation geraten sei. Nur große Waffenlieferungen und ein Technologiesprung könnten die ukrainischen Streitkräfte wieder in die Offensive bringen. Selenski widersprach seinem höchsten Militär bei dieser Einschätzung öffentlich. 

Auch in der Frage einer weiteren Mobilisierung von Soldaten waren die führenden Verantwortlichen für die ukrainische Kriegsführung uneins. Nach Medienberichten hatte Selenski den Oberbefehlshaber schon Ende Januar zum Rücktritt gedrängt; dieser lehnte demnach aber ab.

Bei seinen Soldaten galt der bullige General als äußerst beliebt. Deshalb kamen immer wieder Spekulationen auf, der Militär strebe eine eigene politische Karriere an. Er selbst dementierte dies. Saluschnyj ist bei den ukrainischen Streitkräften einer der ranghohen Offiziere ohne Vorprägung durch die frühere sowjetische Armee. Er setzte deshalb auf Kommandostrukturen, die sich am Vorbild der Nato orientieren.

Teil des Teams? Selenski verbreitete am Donnerstag noch ein Foto mit Saluschnyj. Foto: AP

Selenski verbreitete am Donnerstag noch ein gemeinsames Foto mit Saluschnyj. Es war der Versuch, Geschlossenheit zu demonstrieren – und seine Landsleute zu beruhigen. Er habe Saluschnyj vorgeschlagen, „Teil des Teams zu bleiben“. Was damit gemeint ist, blieb zunächst unklar. Seinen Führungsposten hat Saluschnyj jedenfalls verloren.

Syrskyj eroberte Charkiw zurück

Der neue Armeechef Syrskyj wurde 2019 Befehlshaber der ukrainischen Landstreitkräfte. Davor hatte er die ukrainischen Truppen befehligt, die gegen die von Russland unterstützten Aufständischen in der Region Donezk und Luhansk in der Ost-Ukraine kämpften. Dort erhielt er den Kampfnamen „Schnee-Leopard“.

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Syrskyj verantwortete einige der größten Erfolge gegen die russische Armee im laufenden Krieg. Er organisierte die erfolgreiche Verteidigung der Hauptstadt Kiew in den ersten Monaten und wurde im April 2022 zum „Held der Ukraine“ ernannt – es ist die höchste Ehrung für einen Militär. Im Sommer 2022 startete Syrskyj die erfolgreiche Gegenoffensive in der Region Charkiw, bei der die Ukraine die Russen überraschte und große Teile der besetzten Gebiete befreite.

Anfang 2023 übernahm Syrskyj die Verteidigung der Stadt Bachmut, bei der Tausende Soldaten auf beiden Seiten fielen. Es war bis dahin eine der blutigsten Schlachten in diesem Krieg. Einige Militäranalysten stellten die Frage, ob die Verteidigung einer so zerbombten Stadt den Tod oder die Verwundung so vieler Menschen rechtfertigte. Syrskyj entgegnete, der zähe Widerstand habe Russlands Kampfkraft geschwächt und die Söldnertruppe Wagner über lange Zeit gebunden.

dpa, rtr, mok
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