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Umfrage Das unterscheidet den deutschen vom französischen Mittelstand in der Coronakrise

Jedes fünfte deutsche und jedes achte französische Unternehmen rechnet trotz Corona mit einem Umsatzplus, zeigt eine Umfrage. Französische Firmen halten sich für weniger wettbewerbsfähig.
02.12.2020 - 16:37 Uhr 2 Kommentare
Trotz Umsatzeinbußen blicken Unternehmen in Frankreich und Deutschland optimistisch in die Zukunft. Quelle: AFP
Ein Bauarbeiter in Paris

Trotz Umsatzeinbußen blicken Unternehmen in Frankreich und Deutschland optimistisch in die Zukunft.

(Foto: AFP)

Paris Die Corona-Pandemie stürzt die europäischen Volkswirtschaften in eine tiefe Krise – aber sie schreckt zumindest in Frankreich und Deutschland längst nicht alle Industrieunternehmen. Viele Firmen setzen mehr auf eigene Stärken als auf staatliche Hilfen, um sich künftig am Markt wieder besser behaupten zu können.

Einer Opinionway-Studie für Randstad zufolge, die dem Handelsblatt vorliegt, erwartet jedes fünfte deutsche und jedes achte französische Unternehmen selbst im Krisenjahr 2020 steigende Umsätze. Allerdings rechnet die Hälfte der befragten deutschen und 58 Prozent der französischen Firmen mit sinkenden Verkäufen.

Die Untersuchung beruht auf einer Befragung von jeweils 200 kleinen und mittelgroßen Unternehmen aus der Industrie. Bei den deutschen sind 64 Prozent im Export aktiv, bei den französischen 51 Prozent.

Auffällig ist, dass in Frankreich sehr viel stärker auf staatliche Hilfsangebote zurückgegriffen wird als in Deutschland. Bei unserem Nachbarn haben 44 Prozent einen staatlich verbürgten Kredit in Anspruch genommen, in der Bundesrepublik sind es lediglich elf Prozent.

Bei Umschuldungen der Bankverbindlichkeiten ist die Relation 30 Prozent zu einem Prozent, bei von den Regierungen vermittelten Zahlungsaufschüben für Strom oder Mieten sind die Werte 28 Prozent zu acht Prozent. Dagegen hat jedes zehnte deutsche Unternehmen den Erlass direkter Steuern beantragt, in Frankreich ist es nur jedes vierzehnte.

Obwohl Deutschland das Land ist, in dem die Kurzarbeit erfunden und 2009/10 als Instrument zur Überbrückung eines Wirtschaftseinbruchs erfolgreich eingesetzt wurde, nehmen französische Unternehmen diese Hilfe mittlerweile viel stärker in Anspruch – mehr als acht von zehn – als ihre deutschen Kollegen, bei denen nur gut die Hälfte darauf zurückgreift.

Französische Betriebe haben auch stärker auf die Arbeit im Homeoffice umgeschaltet, bei zwei Dritteln ist das der Fall, in der Bundesrepublik nur bei gut der Hälfte.

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Deutsche KMUs haben dagegen härtere Einschnitte vorgenommen, um auf die Krise zu reagieren. Zwölf Prozent haben Kündigungen ausgesprochen, acht Prozent eine Vereinbarung über die Kürzung der Gehälter aller Mitarbeiter abgeschlossen. In Frankreich ist das nur bei neun Prozent bzw. 0,5 Prozent der Betriebe geschehen. Jenseits des Rheins scheint also größerer Wert darauf gelegt zu werden, trotz der Einbrüche beim eigenen Geschäft die Mitarbeiter zu halten und ihre Einkommen zu schonen.

Besonders überraschend ist der deutsch-französische Konsens bei der Ansicht, dass staatliche Hilfen eine eher untergeordnete Rolle bei der Bewältigung der Krise spielen.

Auf die Frage: „Würden Sie hinsichtlich der Beibehaltung bzw. Wiederherstellung der Aktivität Ihres Unternehmens sagen, dass Sie sehr zuversichtlich, ziemlich zuversichtlich, ziemlich besorgt oder sehr besorgt sind im Hinblick auf den Staat und die von ihm vorgeschlagenen Hilfen“ antworten lediglich acht Prozent der französischen und elf Prozent der deutschen Unternehmen, sie seien sehr zuversichtlich.

Geringes Vertrauen in staatliche Hilfen

Das ist deshalb frappierend, weil in der seit Monaten laufenden Debatte über die richtige Antwort auf die wirtschaftlichen Folgen der Coronakrise die staatlichen Programme ganz weit vorn rangieren.

Die Regierungen haben sich überboten mit Hunderten von Milliarden Euro schweren nationalen Stützungsaktionen, hinzu kommt der europäische Recovery Fund, der 750 Milliarden Euro umfasst. In den Analysen der OECD, des IWF und der nationalen Wirtschaftsforschungsinstitute werden diese Angebote sehr begrüßt.

Auch wenn der Umfang der Studie beschränkt ist: Die Opinionway-Studie legt die Vermutung nahe, dass bei den KMUs mit weniger als 50 Beschäftigten, die das Gros der Befragten stellen, diese Hilfen in geringerem Umfang ankommen. Wahrscheinlich bauen sie deshalb weniger auf den Staat, als es bei den Großunternehmen der Fall ist.

Dazu passt die Aussage, dass ganz überwiegend auf die eigenen Stärken vertraut wird. Da steht das Engagement der Mitarbeiter vorn, 32 Prozent der französischen und 42 Prozent der deutschen Firmen sehen das als ihren wichtigsten Trumpf. An zweiter Stelle rangiert der Geschäftsplan des Managements. Eine vertiefte Untersuchung dieser überraschend desillusionierten Haltung dem Staat gegenüber seitens der KMUs würde sich auf jeden Fall lohnen.

Auf wenig Zuspruch stößt bei diesen Industrieunternehmen auch die seit dem Frühjahr propagierte Absicht vor allem der französischen Regierung, industrielle Aktivitäten aus dem außereuropäischen Ausland, namentlich aus Asien, wieder zurückzuholen, um die Abhängigkeit von anderen Großmächten wie China zu verringern.

Vier Prozent der französischen und ein Prozent der deutschen Firmen arbeiten daran oder haben dies bereits in die Wege geleitet. Sie begründen dies mit der besseren Beherrschung der Lieferkette, größerer Servicequalität und der Verfügbarkeit qualifizierter Mitarbeiter.

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Auf beiden Seiten des Rheins urteilen acht bis neun von zehn Unternehmen, dass sie auf die zweite Covid-19-Welle und deren wirtschaftliche Folgen viel besser vorbereitet sind als auf die erste. Als wettbewerbsfähig schätzen sich 90 Prozent der französischen und 93 Prozent der deutschen Unternehmen ein.

Auf französischer Seite hat sich allerdings die Selbsteinschätzung verschlechtert: 52 Prozent halten sich jetzt für weniger wettbewerbsfähig als der Nachbar, das ist mehr als vor einem Jahr. Auf deutscher Seite ist dies nur bei fünf Prozent der Befragten der Fall, gleichzeitig hat aber die Zahl derer abgenommen, die sich überlegen fühlen. „Das Gefühl der Überlegenheit der deutschen Industrieunternehmen weicht somit nach und nach der Bescheidenheit“, schlussfolgert Randstad-Deutschlandchef Richard Jager.

Für die skeptische Auffassung auf französischer Seite sind vor allem äußere Faktoren ausschlaggebend. Jeweils sieben bis acht von zehn französischen Unternehmen denken, dass Deutschland bei der Steuerbelastung, der Qualität der örtlichen Industrielandschaft, der Reglementierung des Arbeitsmarkts, der Verlässlichkeit von Gesetzen und Regeln sowie bei der Einhaltung von Zahlungszielen die Nase vorn hat.

Diese Bewertung wird im Wesentlichen bestätigt durch die jüngste Ausgabe der jährlichen Studie der Unternehmensberatung EY für die deutsch-französische Handelskammer, die im Oktober veröffentlicht wurde und auf der Befragung deutscher Unternehmen basiert, die in Frankreich aktiv sind.

Darin werden hohe Sozialabgaben und Steuern, eine übermäßig komplexe Regulierung, unklare Rechtstexte und mangelnde Klarheit mit Blick auf anstehende Reformen als wesentliche Hindernisse für mehr Investitionen in Frankreich beklagt.    

Mehr: So belastet die Coronakrise die „Generation Mitte”

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2 Kommentare zu "Umfrage: Das unterscheidet den deutschen vom französischen Mittelstand in der Coronakrise"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Naja, Herr Bajohr, das ist doch bei uns nicht anders. Da erzählen uns die Lobbyisten auch tagtäglich, wie furchtbar es hier ist, all das Wehgeschrei über unsere (!) mangelnde Wettbewerbsfähigkeit. Insofern ist der Vergleich schon interessant. Die Klage ist der Gruß der Kaufleute, wussten schon die Phönizier. Klappern gehört halt zum Handwerk.

  • Nein , die lügen nur mehr. Kann ich aus vielen Jahren Erfahrung bezeugen. Niemand in Frankreich wird seine Karten so einfach aufdecken. Könnte ja sein es kommt noch was aus der EU oder von der Regierung. Besser ein bißchen weinen.

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