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US-Wahlkampf So haben sich deutsche Firmen in den USA mit Donald Trump arrangiert

Den meisten deutschen Unternehmen ging es vor Corona gut unter Donald Trump. Von einem neuen US-Präsidenten wünschen sie sich vor allem eines: Planungssicherheit.
22.10.2020 - 19:12 Uhr Kommentieren
Viele deutsche Unternehmen sind auf Tauchstation gegangen, um möglichst unbemerkt ihrer Arbeit nachzugehen und nicht die Wut des Präsidenten auf sich zu ziehen. Quelle: Reuters
Donald und Melania Trump

Viele deutsche Unternehmen sind auf Tauchstation gegangen, um möglichst unbemerkt ihrer Arbeit nachzugehen und nicht die Wut des Präsidenten auf sich zu ziehen.

(Foto: Reuters)

New York Kommen die Autozölle oder kommen sie nicht? Wie sehr steigen die Stahlzölle und welche Umweltstandards gelten? Bekomme ich die Topmanager noch ins Land? Wann kommt der nächste Trump-Twitter-Sturm? Das sind Fragen, die sich die deutschen Unternehmen in den USA in den vergangenen vier Jahren unter Donald Trump ständig neu stellen mussten. Dennoch sind die meisten seit 2017 gut gefahren.

Der US-Präsident Trump beschimpft zwar die Deutschen als Nutznießer der amerikanischen Großzügigkeit, und der Handelsbilanzüberschuss Deutschlands bringt ihn in Rage. Er hat die Zölle auf Stahlimporte erhöht, immer wieder mit neuen Autozöllen gedroht und die Freihandelszone Nafta mit Mexiko und Kanada unter dem Kürzel USCMA amerikanischen Wünschen angepasst.

Viele deutsche Unternehmen sind auf Tauchstation gegangen, um möglichst unbemerkt ihrer Arbeit nachzugehen und nicht die Wut des Präsidenten auf sich zu ziehen. Dennoch konnten auch sie von Trumps Steuersenkungen und Deregulierungen profitieren. Von einer neuen oder wiedergewählten Regierung erhoffen sie sich nun vor allem eines: mehr Planungssicherheit.

„Die Firmen wollen Stabilität“, stellt Dietmar Rieg, Präsident der deutsch-amerikanischen Handelskammer in New York, immer wieder in seinen Gesprächen mit den Kammer-Mitgliedern fest. „Alle Unternehmen wollen ein einschätzbares, stabiles Umfeld, das es ihnen erlaubt, auf Jahre hinaus zu planen“, erklärt er.

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    Die Deutschen sind eine wichtige Wirtschaftsgröße in den Vereinigten Staaten: Mehr als 700.000 Mitarbeiter beschäftigen deutsche Unternehmen in den USA. Und bis zum Januar sah die Lage auch noch äußerst rosig aus: Da rechneten laut einer Umfrage der Handelskammern und KPMG noch 96 Prozent der US-Töchter mit weiterem Wachstum in diesem Jahr. Mit Corona ist die Konjunktur jedoch auch in den USA eingebrochen, und wie eine Blitzumfrage der Kammern vom Juli zeigte, rechneten 72 Prozent der Firmen mit einem Umsatzrückgang.

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    Dennoch halten die meisten langfristig an ihren Amerika-Plänen fest. Der Kölner Chemiekonzern Lanxess etwa mit einem Nordamerika-Anteil am Konzernumsatz von 23 Prozent hat erst vor zwei Jahren Investitionen in Höhe von einer halben Milliarde Euro über fünf Jahre angekündigt. „Zwar haben wir wegen der Coronakrise unser Investitionsbudget im laufenden Geschäftsjahr heruntergefahren, mit unserem Investitionsplan an den nordamerikanischen Standorten liegen wir dennoch voll im Plan“, betont der Vorstandsvorsitzende Matthias Zachert.

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    Die US-Politik beobachtet der Lanxess-Chef mit großem Interesse: Nordamerika bleibe neben Asien die wichtigste Wachstumsregion für Lanxess. „Daher haben Entscheidungen und Handlungen der amerikanischen Regierung natürlich Auswirkungen auf uns als Konzern“, erklärt Zachert.

    Zwei Themen liegen ihm besonders am Herzen. „Erstens sehen wir die zunehmenden Tendenzen zu nationaler Abschottung und die daraus resultierenden Handelskonflikte mit Sorge. In der kommenden Legislaturperiode hoffen wir daher auf einen kooperativeren Umgang in Fragen des Welthandels“ sagt er.

    Zweitens sei der Klimaschutz wichtig. Lanxess will bis 2040 klimaneutral werden. „Das ist aber nur möglich, wenn alle an einem Strang ziehen und die Bedingungen in den Ländern, in denen wir tätig sind, das möglich machen. Daher wünschen wir uns, dass der Kampf gegen den Klimawandel auch in den USA wieder ganz oben auf der Tagesordnung steht“, erklärt Zachert. Der nächste US-Präsident sollte „bei den Verhandlungen der Vereinten Nationen über den Klimawandel auf jeden Fall mit am Tisch sitzen“.

    Klimaschutz interessiert auch andere deutsche Unternehmen in den USA. In Kalifornien etwa haben sich BMW und VW zusammen mit Honda und Ford freiwillig verpflichtet, ihre Emissionen hinunterzufahren, obwohl Washington im Zuge der Deregulierung auf eine Lockerung der Vorschriften drängt.

    VW-Lobbyarbeit im Weißen Haus

    Ann Schneider, als Senior Vice President von Volkswagen in den USA zuständig für die Beziehungen zur Regierung, sieht ihre Arbeit der vergangenen Jahre darin, dem Weißen Haus klarzumachen, welch positiven Einfluss VW auf die USA hat. „Wir sind verantwortlich für 8800 direkte Jobs in den USA und haben allein in ein Werk mehr als drei Milliarden Dollar investiert“, betont Schneider. Die 1000 VW- und Audi-Händler sorgten für weitere 40.000 Jobs.

    Die Überzeugungsarbeit hat sich gelohnt: Das Weiße Haus hat VW jüngst den „Presidential Award of Excellence in Workforce Education and Training“ verliehen.

    Die Nafta-Reform schreibt zwar einen höheren Anteil der Produktion in den USA und in Hochlohn-Werken vor. Aber insgesamt können die deutschen Hersteller damit gut leben: „Wir kaufen jetzt mehr Teile von US-Zulieferern oder von jenen, die entschieden haben, in den USA zu produzieren“, erklärt die VW-Chef-Diplomatin Schneider.

    USA: Deutsche Firmen haben sich mit Donald Trump arrangiert Quelle: Reuters
    Containerschiff vor New York

    Mit der Nafta-Reform können die deutschen Hersteller insgesamt gut leben.

    (Foto: Reuters)

    Das Abkommen sieht vor, dass 75 Prozent der Teile aus Nordamerika kommen müssen. Deshalb kauft VW etwa die Batterien für die E-Auto-Produktion von dem Zulieferer SK Innovation in den USA. Letztlich entsprächen die neuen Regeln dem Volkswagen-Prinzip, „die Autos dort herzustellen, wo wir sie verkaufen“, meint Schneider.

    Auch Daimler kann mit dem Nafta-Nachfolger USMCA leben: „Das neue Abkommen hilft, Klarheit und stabile Bedingungen für Unternehmen zu schaffen“, teilt das Unternehmen mit. Daimler produziert in den USA mit mehr als 25.000 Mitarbeitern Pkws und Nutzfahrzeuge. „Verlässliche Rahmenbedingungen, Transparenz und Vorhersehbarkeit“ seien Bedingungen für langfristige Investitionen. Als weltweit tätiges Unternehmen unterstütze Daimler den fairen und freien Handel: Freihandel und Investitionen seien Schlüsselfaktoren für Innovation, Beschäftigung, Wachstum und Wohlstand.

    „Stabile und verlässliche Rahmenbedingungen“ nennt auch eine BASF-Sprecherin als wichtige Grundlage für die strategische Ausrichtung. Als internationales Unternehmen mit integrierten Wertschöpfungsketten sei die Minimierung von Handelsbarrieren besonders wichtig. Zölle wirkten wie eine indirekte Steuer. „Wir beobachten die wachsenden handelspolitischen Konflikte mit Sorge, da diese für viele Produkte der chemischen Industrie und für unsere Kundenindustrien Zölle zur Folge haben.“

    Mehr: Amerika nach vier Jahren Donald Trump: Abstieg einer Supermacht.

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