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USADer große Profiteur des Weltkriegs

Bevor die USA in den Krieg eintraten, betonte die Regierung ihre Neutralität. Doch der Handel mit Kriegsgütern machte aus dem Land eine Weltmacht. Keine andere Nation profitierte so sehr von dem Konflikt.Thorsten Giersch 23.08.2014 - 16:03 Uhr Artikel anhören

An Bord der Lusitania starben nach dem Angriff eines deutschen U-Bootes 1150 Menschen, davon 114 Amerikaner.

Foto: ap

Im Jahr 1914 erzielten die USA einen Exportüberschuss von rund einer Milliarde Dollar. 1916 lag dieser bei 1,6 Milliarden Dollar – pro Woche. Denn inzwischen lieferten US-Firmen nicht weniger als 40 Prozent des Kriegsmaterials an Großbritannien, Frankreich und Russland. Die USA zahlten für ihren Einsatz auf dem europäischen Kontinent einen hohen Blutzoll. Aber wirtschaftlich war der Krieg für Amerika ein Segen.

Als 1918 klar war, dass es eigentlich nur Verlierer gab, konnten die USA von sich behaupten, zur Großmacht aufgestiegen zu sein. „Während die Europäer einander totschlugen und ruinierten für vergleichsweise belanglose Landstriche, stieg durch friedlichen Handel eine Nation zur alle überflügelnden Weltmacht auf, die, für europäische Verhältnisse, gar keine Armee hatte“, urteilt der Historiker Jörg Friedrich in seinem Buch „Der Weg nach Versailles“.

Chronologie: Von Sarajevo bis zum Kriegsausbruch
Ein regionaler Konflikt zwischen Österreich-Ungarn und Serbien führte zu einem Weltkrieg, der alle Kontinente erfasste. Eine Chronologie vom Attentat in Sarajevo bis zum Kriegsbeginn ...
Der österreichische Thronfolger Franz Ferdinand und seine Frau werden in der bosnischen Hauptstadt Sarajevo vom Gymnasiasten Gavrilo Princip im Auftrag der serbischen Geheimorganisation «Schwarze Hand» erschossen.
Alexander Graf Hoyos, Mitarbeiter im Außenministerium der Donaumonarchie, reist mit einem Memorandum zur Balkanpolitik und einem Schreiben von Kaiser Franz Joseph nach Berlin. Der Monarch bittet Kaiser Wilhelm II. um Unterstützung im Kriegsfall mit Serbien.
Wilhelm II. versichert Österreich-Ungarn offiziell mit einer «Blankovollmacht» seiner unbedingten Bündnistreue.
Beim Besuch des französischen Präsidenten Raymond Poincaré in Russland sichern sich beide Staaten Unterstützung im Bündnisfall zu.
Wien stellt ein 48-Stunden-Ultimatum an Serbien. Die gegen Österreich-Ungarn gerichteten Umtriebe sollen unter österreichischer Beteiligung bekämpft und die Schuldigen bestraft werden.
Serbien akzeptiert alle Forderungen, soweit sie nicht seine Souveränität einschränken. Wien hält die Antwort für unbefriedigend, bricht die diplomatischen Beziehungen ab und ordnet Teilmobilmachung an. Da Russland Hilfe zusichert, macht auch Serbien teilmobil.
Englische und deutsche Vermittlungsversuche scheitern. Vorgeschlagen war, eine Botschafterkonferenz einzuberufen und direkte Verhandlungen zwischen Russland und Österreich-Ungarn aufzunehmen. Doch Österreich-Ungarn erklärt Serbien den Krieg.
Zar Nikolaus II. ordnet die Generalmobilmachung an.
Da Russland das deutsche Ultimatum, die Mobilmachung rückgängig zu machen, verstreichen lässt, erklärt Berlin Russland den Krieg. Zwei Tage später folgt die Kriegserklärung an Frankreich.
Nach dem Einmarsch deutscher Truppen in Luxemburg und Belgien erklärt Großbritannien dem Reich den Krieg.

Zu Kriegsbeginn betrug die schwebende Schuld der USA in London 30 Millionen Pfund Sterling. Die Briten trieben diese Anfang August, direkt nach Ausbruch des Kriegs, ein, was den Wechselkurs des Pfund von 4,87 auf 7 US-Dollar trieb. Jedes Gut, dass Großbritannien in die Staaten lieferte, verteuerte sich somit um 45 Prozent. Doch die Bankiers brauchten nur bis Dezember, um die Wechselkurse wieder auf Normalniveau zu bringen. Denn die Warenströme liefen schnell in die andere Richtung: von den USA nach Großbritannien.

Als das Fiskaljahr der Vereinigten Staaten am 30. Juni 1914 endete, wies das Land einen Exportüberschuss von einer Milliarde Dollar aus (nach heutigem Geldwert). Drei Jahre später war die Summe auf 82 Milliarden Dollar gestiegen. Nie zuvor in ihrer Geschichten erlebten die Amerikaner einen ähnlich hohen Zuwachs. Nachgefragt wurden vor allem Rüstungsgüter. Der Handel mit Munition etwa stieg in dieser Zeit um das 300-fache.

Fakten zum Ersten Weltkrieg
Wegen der roten Farbe seiner Flugzeuge wurde Manfred von Richthofen, der legendäre Kampfflieger des kaiserlichen Deutschland, so genannt. Nach 80 Luftsiegen wurde er im April 1918 über Frankreich abgeschossen.
Der britische Marineminister Winston Churchill hatte sich schon früh für gepanzerte Kampfwagen starkgemacht. In Nordfrankreich versetzten hunderte britische "Tanks" ab 1916 die Deutschen in Angst und Schrecken, waren aber noch nicht kriegsentscheidend. Deutschland produzierte bis Kriegsende nur etwa 20 frontreife Panzer.
Europa war der Hauptkriegsschauplatz. Aber die geografische Dimension des Krieges umfasste Regionen und Länder aller Kontinente. Nebenschauplätze waren die deutschen Kolonien in Afrika, Asien und im Pazifik, der Nahe Osten, der Kaukasus und die Weltmeere.
Direkt und indirekt etwa 40, einschließlich der britischen Empire-Gebiete. Trotz Kriegerklärungen schickten vor allem einige mittelamerikanische Staaten keine Truppen. Andere Länder wie Spanien, die Schweiz und Argentinien blieben neutral.
Das neutrale Luxemburg wurde am 2. August 1914 von deutschen Truppen besetzt. Die junge Großherzogin Maria-Adelheid galt als deutschfreundlich, was sie nach Kriegsende den Thron kostete.
Sämtliche Kolonien sowie etwa 13 Prozent des vorherigen Gebiets mussten abgetreten werden. Dazu zählten Elsass-Lothringen (an Frankreich), Westpreußen, die Provinz Posen und Teile Schlesiens (an Polen), die Kreise Eupen und Malmedy (an Belgien) sowie das Saargebiet, Danzig und das Memelland (unter Verwaltung des Völkerbunds).
Serbien, dem Österreich-Ungarn eine Mitschuld an der Ermordung seines Kronprinzen gab, verlor - gemessen an seiner Bevölkerung - mehr Menschen als jedes andere Land. 1,1 Millionen Tote machten 24 Prozent der damaligen Bewohner aus.
Nein. Der letzte Veteran, der Brite Claude Stanley Choules, starb mit 110 Jahren im Mai 2011 in einem Pflegeheim in Australien. Bereits im Januar 2008 war bei Köln der letzte deutsche Kriegsteilnehmer gestorben. Der pensionierte Richter Erich Kästner wurde 107 Jahre.
Als der deutsche Vormarsch stagnierte, schaufelten die Soldaten beider Seiten an der 750 Kilometer langen Westfront ein gestaffeltes Graben- und Tunnelsystem. Damit sollte zunächst die Front gehalten werden, um später wieder in die Offensive gehen zu können. Die bis zu zehn Meter tiefen Unterstände boten allerdings keinen sicheren Schutz vor Artilleriefeuer.
Bei der belgischen Stadt Ypern, am 22. April 1915 von deutschen Truppen gegen französische Stellungen. Mindestens 1200 alliierte Soldaten kamen durch das Luftwege und Lungen verätzende Chlorgas um.
Die ideologischen Todfeinde wollten den Krieg im Osten beenden. In einer Geheimaktion schleuste Deutschland den russischen Revolutionär Wladimir Iljitsch Lenin im April 1917 aus dem Schweizer Exil nach Petrograd (heute St. Petersburg). Nach der bolschewistischen Revolution schloss er im März 1918 Frieden mit Deutschland.
Kaiser Wilhelm II. beschwor am 4. August 1914 im Reichstag den Zusammenhalt der Nation. "Ich kenne keine Parteien mehr, ich kenne nur noch Deutsche." Auch weite Teile der SPD stimmten dem Burgfrieden zu, weil sie das Vaterland bedroht sahen.

Die Aktie des Unternehmens Dupont kletterte zwischen 1914 und 1918 von 20 auf 1000 Dollar. Der US-Konzern, spezialisiert auf Chemieerzeugnisse, lieferte 45 Prozent des Munitionsbedarfs der Alliierten. Wenn noch Lagerraum auf den Schiffen gen Europa frei war, wurde dieser eilig gefüllt mit Eisenerz, Zink, Wolle, Holz, Öl, Chemikalien, Farbstoffen oder Medikamenten. Rohstoffe waren knapp in Europa, besonders Lebensmittel. An der Rohstoffbörse in Chicago verdoppelte sich der Weizenpreis im Laufe des Weltkrieges Vier Millionen Tonnen wurden pro Jahr über den Atlantik verschifft.

Besonders heikel war die Frage, ob die US-Banken den europäischen Ländern Kredite gewähren sollten. Zwei Tage nach Kriegsausbruch fragte die französische Regierung beim Geldhaus JP Morgan nach einem Kredit in Höhe von 2,3 Milliarden Dollar (nach heutigem Geldwert). Der Staat mag sich noch so neutral geben, beim Geschäft hört das auf.

Die aktuellen Bücher zum Ersten Weltkrieg
Zum 100. Jahrestag des Ausbruchs des Ersten Weltkriegs erscheinen bereits seit Monaten zahlreiche neue Bücher: Gesamtdarstellungen, Neueditionen von Antikriegsromanen, zeitgenössische Verse, Bücher zu Einzelthemen. Bis zum Sommer sind weitere geplant. Einige Neuerscheinungen im Überblick:
Christopher Clark zeigt in seiner detaillierten Gesamtdarstellung die komplexen globalpolitischen Entwicklungen vor dem Ersten Weltkrieg. Er zeichnet die Entscheidungsmöglichkeiten nach und stellt dar, wie die Verantwortlichen «Schlafwandlern» gleich in einen Krieg hineinsteuern, weil Alternativen nicht genutzt werden. (Christopher Clark: Die Schlafwandler - Wie Europa in den Ersten Weltkrieg zog, DVA, 39,99 Euro, 896 Seiten, ISBN-13: 978-3421043597)
Der Historiker Jörn Leonhard beschreibt in seiner umfassenden Studie "Die Büchse der Pandora. Geschichte des Ersten Weltkrieg" den Weg in einen Krieg, an dessen Ende ein völlig neue Welt steht. Dazu beschreibt er die Erfahrungen unterschiedlichen Zeitgenossen.(Leonhard, Jörn, Die Büchse der Pandora. Geschichte des Ersten Weltkriegs, 1157 S., 38 €, ISBN 978-3-406-66191-4)
Das komplexe Ursachengeflecht, das zum Ersten Weltkrieg führte, beleuchtet der Harvard-Professor Niall Ferguson in «Der falsche Krieg. Der Erste Weltkrieg und das 20. Jahrhundert». Er beschreibt das politische Unvermögen, den Ehrgeiz und die Fehleinschätzungen, die zur Urkatastrophe des 20. Jahrhunderts führten. (Ferguson, Niall, Der falsche Krieg. Der Erste Weltkrieg und das 20. Jahrhundert, Pantheon, 512 S., 16,99 €, ISBN 978-3-570-55200-1)
Herfried Münkler legt ebenfalls eine Gesamtdarstellung zur «Urkatastrophe» mit zahlreichen Neubewertungen vor. Zentrale These: "Wenn wir den Ersten Weltkrieg nicht verstehen, wird uns das ganze 20. Jahrhundert ein Rätsel bleiben."(Herfried Münkler: Der Große Krieg, Rowohlt, Berlin, 2013, 928 Seiten, 29,95 Euro, ISBN978-3-87134-720-7)
Adam Hochschild erzählt die historischen Ereignisse auch anhand zeitgenössischer Charaktere. Herausragend ist die Beschreibung der Unfähigkeit einzelner Handelnder, die Armeen in den Krieg schicken, ohne dass teils die Grundvoraussetzungen geschaffen sind.(Adam Hochschild: Der große Krieg. Der Untergang des alten Europa im Ersten Weltkrieg, 2. Auflage 2013, 525 S., 26,95 Euro, ISBN 978-3-608-94695-6)
Eine Gesamtdarstellung bietet auch Oliver Janz. Er geht Fragen der Verantwortung und der Möglichkeiten der Handelnden nach. Das Buch ist dabei sehr militärhistorisch geprägt.(Oliver Janz: 14 Der Große Krieg, Campus, 2013, 415 S., 24,99 Euro ISBN 978-3-593-39589-0)
Der Historiker Gerd Krumeich gibt in seinem schnellen Überblick "Der Erste Weltkrieg. Die 101 wichtigsten Fragen" kurze prägnante Antworten über verschiedene Themenfelder wie die Schuldfrage, die Waffentechnik, aber auch den Keim zum Aufstieg des Nationalsozialismus. (Gerd Krumeich: Der Erste Weltkrieg. Die 101 wichtigsten Fragen, Verlag C.H.Beck, München, 155 S., 10,95 €,  ISBN 978-3-406-65941-6)
An Hand von fünf Zeitgenossen erläutert der Historiker Tillmann Bendikowski, dass es im August 1914 keineswegs eine allgemeine Kriegsbegeisterung in Deutschland gab. An ihrem Beispiel beschreibt er die Gefühlswelten in den Wochen vor dem Kriegsausbruch.(Tillmann Bendikowski, Sommer 1914. Zwischen Begeisterung und Angst - wie Deutsche den Kriegsbeginn erlebten, C.Bertelsmann, 464 S., 19,99 €, ISBN: 978-3-570-10122-3)
Den Ablauf der Schlacht von Verdun 1916 beschreibt der Historiker Olaf Jessen in «Verdun 1916. Urschlacht des Jahrhunderts». Neben Plänen der Entscheidungsträger beschreibt er auch das Leid der Soldaten und die Konsequenzen der bis dato größten Materialschlacht der Geschichte. (Jessen, Olaf, Verdun 1916. Urschlacht des Jahrhunderts, C.H. Beck, 496 S., 24,95 €, ISBN 978-3-406-65826-6)
Yury und Sonya Winterberg beschreiben in "Kleine Hände im Großen Krieg" die Schicksale von Kindern im Krieg. Sie zeichnen nach, wie Hurrapatriotismus Ernüchterung weicht, der Krieg unbeschwerte Kindheit zerstörte und den Rest des Lebens prägte. (Kleine Hände im Großen Krieg. Kinderschicksale im Ersten Weltkrieg. Aufbau Verlag, Berlin, 368 Seiten, 22,99 Euro, ISBN 978-3-351-03564-8)
Die diplomatischen Verwicklungen im Juli 1914 zeichnet der amerikanische Historiker Sean McMeekin nach. In seinem Buch «Juli 1914. Der Countdown in den Krieg» erstellt er in einer Chronologie ein Stimmungsbild anhand von Depeschen, Protokollen und Schriftwechseln. (McMeekin, Sean, Juli 1914. Der Countdown in den Krieg, Europaverlag, 560 S., 29,99 €, ISBN 978-3-944305-48-6)
Anhand von Fotos erzählt Guido Knopp in zwei- bis vierseitigen Kapiteln über den Alltag an der Front und in der Heimat. Das Buch ist keine Gesamtdarstellung, gewährt aber einen kurzweiligen Einblick in die Geschehnisse vor 100 Jahren. (Guido Knopp: Der Erste Weltkrieg. Die Bilanz in Bildern, Verlag Edel Books, Hamburg, 2013, 384 S., 24,95 Euro, ISBN 978-3-8419-0241-2)

Wer Frankreich einen Kredit gibt, will, dass das Land den Krieg gewinnt, um das Geld auch zurückzubekommen. JP Morgan fragte beim US-Außenminister William Jennings Bryan nach, und der schrieb an Präsident Woodrow Wilson: „Geld ist die schlimmste aller Konterbande. Es befehligt alles andere.“

Wilson, seit 1913 im Amt, hatte bei seiner Entscheidung im Hinterkopf, dass jeder dritte Amerikaner Wurzeln in Europa hat. Die Hälfte dieser Auswandererfamilien stammte ursprünglich aus Deutschland, Österreich und Irland und hielt es laut renommierten Historikern mit den Mittelmächten. Und so entschied die Regierung, dass Anleihen an Kriegsparteien zwar legal seien, aber dem Geist der Neutralität widersprächen.

Gavrilo Princip (1894-1918)
Sein Attentat am 28. Juni 1914 auf den österreichisch-ungarischen Thronfolger Franz Ferdinand und seine Frau Sophie war der Zündfunke für den Ersten Weltkrieg. Der 19-jährige bosnisch-serbische Nationalist erschoss in Sarajevo zunächst die Herzogin, dann den Erzherzog. So wollte er seine Heimat von der Herrschaft der Habsburger Monarchie befreien. Mit 23 Jahren starb Princip 1918 im Militärgefängnis von Theresienstadt. Für viele Serben ist er ein Held. Der „verhinderte Herrscher“ Franz Ferdinand blieb in der Geschichtsschreibung eine eher blasse Randfigur.

Foto: dpa

Kaiser Wilhelm II. (1859-1941)
Mit seinem „Blankoscheck“ ermunterte der seit 1888 regierende deutsche Monarch (Bildmitte) das verbündete Österreich-Ungarn nach dem Attentat von Sarajevo zum Losschlagen gegen Serbien. Versuche, das Schlimmste noch zu verhindern, unternahm er nur halbherzig. Nach Kriegsausbrach hatte der nominell Oberste Kriegsherr aber bald kaum noch Einfluss – er billigte die Planungen des Generalstabs und unternahm Frontbesuche. Die Oberste Heeresleitung drängte den angeblich depressiven Kaiser ab 1916 immer weiter in den Hintergrund. Als die Niederlage absehbar war und in Deutschland eine Revolution ausbrach, floh Wilhelm 1918 in die Niederlande und dankte ab.

Foto: dpa

Franz Joseph I. von Österreich (1830-1916)
Nach dem Tod seines Neffen Franz Ferdinand entschied sich Österreich-Ungarns 83-jähriger Kaiser zum Krieg gegen Serbien – gedrängt von seinen Ministern und Militärs und mit Unterstützung Deutschlands. Er müsse der „Zertrümmerung meines Reiches“ begegnen, schrieb er an Wilhelm II. Schon im ersten Kriegsjahr mussten seine Truppen einige Misserfolge hinnehmen. Wenige Monate vor Franz Josephs Tod bildeten die Bündnispartner 1916 eine gemeinsame Oberste Kriegsleitung. Dort hatten die Deutschen das Sagen. Sein Nachfolger Karl I. konnte den Untergang des Habsburger-Reichs nicht aufhalten.

Foto: dpa

Zar Nikolaus II. (1868-1918)
Russland, die Schutzmacht der Serben, war kaum auf den Krieg vorbereitet. Bereits in den Schlachten von Tannenberg und bei den Masurischen Seen wurden zwei Armeen von den Deutschen vernichtend geschlagen. Der ab 1894 autokratisch herrschende Zar – ein Cousin Kaiser Wilhelms – übernahm im September 1915 persönlich den Oberbefehl über eine Truppe, der es an Waffen und Kampfmoral fehlte. Als dann auch noch Unruhen in Petrograd (dem heutigen St. Petersburg) ausbrachen, dankte Nikolaus 1917 ab. Damit nahmen 300 Jahre Herrschaft der Romanow-Dynastie ein Ende. Im Juli 1918 wurden er und seine Familie von Bolschewisten ermordet.

Foto: Handelsblatt

Paul von Hindenburg (1847-1934)
Der Sieger der Schlacht von Tannenberg übernahm 1916 die Oberste Heeresleitung im Deutschen Reich. Zusammen mit seinem Stabschef Erich Ludendorff nahm er immer mehr Einfluss auf das politische und militärische Geschehen. Er wurde eine Art heimlicher Herrscher im Kaiserreich. Als der Krieg nicht mehr zu gewinnen war, riet der Generalfeldmarschall dem Kaiser zur Abreise ins holländische Exil. Die Niederlage erklärte er später mit einem „Dolchstoß“ linker Kräfte in den Rücken des Militärs. 1925 wurde der bekennende Monarchist zum zweiten Präsidenten der Weimarer Republik gewählt. Im Jahr vor seinem Tod machte er Adolf Hitler zum Reichskanzler

Foto: dpa

Woodrow Wilson (1856-1924)
Der US-Präsident der Jahre 1913 bis 1921 setzte anfangs auf Neutralität. Als die Deutschen jedoch 1917 ihre uneingeschränkten U-Boot-Angriffe auch auf amerikanische Handelsschiffe wieder aufnahmen, erklärte er ihnen im Kongress den Krieg. Die Führung der siegreichen US-Truppen in Europa überließ er dem schlachterprobten General John J. Pershing. Gegen Kriegsende schlug Wilson die Errichtung eines Völkerbunds, ein indirekter Vorläufer der Uno, vor, um den Frieden zu sichern. Die Mitgliedschaft der USA scheiterte aber am Parlament. 1919 wurde Wilson der Friedensnobelpreis verliehen.


(Das Foto zeigt Wilson am Pult stehend während einer Rede im US-Kongress in Washington)

Foto: ap

GEORGE V. (1865-1936)
Der Monarch, der 1910 den britischen Thron bestieg, war ein Cousin Kaiser Wilhelms. Da er nur formell Oberbefehlshaber der Armee war, absolvierte er Hunderte Besuche an der Front sowie in Krankenhäusern und setzte sich für eine menschliche Behandlung gegnerischer Soldaten ein. Wegen der antideutschen Stimmung im Volk änderte George 1917 den königlichen Familiennamen: aus Sachsen-Coburg-Gotha wurde Windsor. Weil die russische Zarin aus Deutschland stammte, verweigerte George der 1917 gestürzten Herrscherfamilie Asyl – was sie letztlich das Leben kostete.

Foto: Handelsblatt

Wladimir Iljitsch Uljanow, genannt Lenin (1870-1924)
Die Stunde des russischen Revolutionärs schlug im April 1917. Die deutsche Regierung schleuste ihn aus seinem Schweizer Exil ins revolutionäre Petrograd (das heutige St. Petersburg), wo seine Bolschewisten im November 1917 die nach dem Abgang des Zaren gebildete bürgerliche Regierung stürzten. Lenin setzte sich dann wunschgemäß für einen Separatfrieden ein: Im März 1918 beendete das Abkommen von Brest-Litowsk den Krieg mit Deutschland. Bis zu seinem Tod 1924 errichtete er einen diktatorischen Staat, der als Sowjetunion bis 1991 bestand hatte.

Foto: Reuters

Raymond Poncaré (1860-1934)
Der französische Staatspräsident sah im Krieg die Chance, das 1871 an Deutschland verlorene Elsass-Lothringen zurückzugewinnen. Nach dem Attentat von Sarajevo sicherte er dem russischen Zaren den Beistand Frankreichs für den Kriegsfall zu. Zu Beginn der Kämpfe setzten seine Generäle Philippe Pétain und Ferdinand Foch auf eine Defensiv-Strategie, schließlich gelangen entscheidende Gegenoffensiven. Im Friedensvertrag von Versailles drückte Poincaré hohe Reparationen und die Rückgabe von Elsass-Lothringen durch.

Foto: Handelsblatt

Enver Pascha (1881-1922)
Der türkische Kriegsminister war der „starke Mann“ des Osmanischen Reiches und die treibende Kraft für den Kriegseintritt an Deutschlands Seite. Der schwache Sultan Mehmet V. rief die Muslime zum Heiligen Krieg gegen die Entente-Mächte auf. Nach ersten Niederlagen gelang den Türken 1916 an den Dardanellen ein Sieg gegen England und Frankreich. Im Schatten des Krieges kam es zu Massenmorden an den christlichen Armeniern, die als illoyal galten. Die Regierung in Berlin schwieg dazu. Nach dem verlorenen Krieg setzte sich Enver Pascha zunächst ins befreundete Deutschland ab.

Foto: Handelsblatt

„The Big Four“ wurden sie genannt während der Verhandlungen in Versailles nach dem Krieg (1919), die Regierungschef der vier mächtigsten Siegernationen. Von links nach rechts: David Lloyd George (Großbritannien), Vittorio Orlando (Italien), Georges Clemenceau (Frankreich) und Woodrow Wilson (USA).

Foto: ap

Aber die Banker fanden einen Trick. JP Morgan und die Rockefeller-Bank marschierten vorneweg und fanden im Außenministerium einen pfiffigen Kopf, der Präsident Wilson erklärte, dass die 2,3 Milliarden Dollar gar keine Anleihe seien, sondern die Franzosen mit dem geliehenen Geld nichts anderes tun würden, als amerikanische Waren zu kaufen. Davor konnte (oder wollte) sich Wilson nicht verschließen, denn die US-Wirtschaft steckte seit einem halben Jahr in einer Depression. Senatoren wie George W. Norris aus Nebraska waren in der Minderheit, wenn sie dem Präsidenten vorwarfen, er würde „ein Dollarzeichen auf die amerikanische Flagge setzen“.

Und so gab es plötzlich einen gewichtigen Unterschied zwischen einer nicht neutralen Anleihe und einem neutralen Lieferkredit. Wilson bat anschließend darum, mit solchen Themen nicht mehr belästigt zu werden – es seien dies schließlich Privatgeschäfte. „Die Banken und Lieferfirmen benötigten die Regierung erst in dem Moment, als deutsche U-Boote den blühenden Atlantikhandel störten“, unkt Historiker Friedrich.

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Als das Deutsche Reich 1917 den uneingeschränkten U-Boot-Krieg wieder aufnahm, war dies für die USA der entscheidende Grund, um mitzukämpfen. In unglaublich kurzer Zeit schaffte es die noch junge Nation, eine gewaltige Armee aufzustellen. Der Kriegseintritt hat das Schlachtenglück der Westmächte auf ihre Seite gebracht.

Frankreich und Großbritannien brauchten nicht nur die frischen, kampfeshungrigen Männer, die Unterstützung war auch enorm wichtig für die Moral ihrer Truppen. Die Vereinigten Staaten entschieden den Kampf an der Westfront und damit den Ausgang des Krieges und waren ganz nebenbei zur Weltmacht aufgestiegen.

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