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VerbraucherpreiseInflationsrate bei 0,5 Prozent – Wie schafft Italien das?

Gespannt blicken Europas Staaten auf den Zinsentscheid der EZB am Donnerstag. Doch beim Kampf gegen die Teuerung entwickeln die Regierungen ihre ganz eigenen Strategien.Christian Wermke, Tanja Kuchenbecker, Sandra Louven 24.01.2024 - 14:19 Uhr

Paris, Madrid, Rom. Im Februar will Italiens größter Nudelhersteller Barilla seine Listenpreise senken: Bis Ende des Jahres sollen viele Pasta- und Gebäcksorten im Preis fallen, um sieben bis 13 Prozent. Es ist eine lang ersehnte Nachricht – denn die Lebensmittelpreise in Italien haben sich in den vergangenen Jahren stark verteuert: Zwischen 2020 und 2023 stieg der Zuckerpreis um 65 Prozent, der von Reis um 50 Prozent, bei Olivenöl gab es einen Anstieg von 42 Prozent, bei Pasta waren es 40 Prozent.

2022 lag die Inflation laut Eurostat in Italien auf Jahressicht bei 8,7 Prozent, im vergangenen Jahr waren es 5,9 Prozent. Vor allem im vierten Quartal ist die Teuerungsrate aber deutlich zurückgegangen – und das viel stärker als in anderen europäischen Staaten, in denen es nach vielen Monaten wieder einen leichten Anstieg gab. Im Dezember lag die Inflation laut Eurostat im Vergleich zum Vorjahr gerade mal bei 0,5 Prozent.

Nur in Belgien ist die Inflation auf ähnlich niedrigem Niveau – in Deutschland lag der Wert im Dezember bei 3,8, in Frankreich sogar bei 4,1 Prozent. Gespannt blickt Europa daher auch auf die Europäische Zentralbank, die an diesem Donnerstag erklären dürfte, wie lange sie die Zinsen in der Eurozone noch auf dem derzeitigen Niveau halten will.

Woran aber liegen die Unterschiede in den einzelnen Ländern? Welchen Anteil haben die Regierungen daran – und wie versuchen sie, die Teuerung langfristig in den Griff zu kriegen?

Energiepreise deutlich gesunken

„Die Inflation ist bisher vor allem aufgrund der Auswirkungen bei den Energiepreisen gesunken“, sagte Alessandro Brunetti vom italienischen Statistikamt Istat. Die Italiener gaben im vergangenen Jahr deutlich weniger Geld für Gas und Strom aus – auch dank Milliardenhilfen des Staates, der die Kosten auf den Rechnungen abfederte. Aber auch bei Lebensmitteln hat es einen starken Rückgang gegeben.

Die rechte Regierung um Giorgia Meloni hatte im Herbst ein „Anti-Inflations-Quartal“ ausgerufen. Das Ziel: Preise für Grundnahrungsmittel und andere Konsumgüter zu senken. Der Initiative hatten sich Dutzende Lebensmittelproduzenten, Verbände und Supermarktketten im ganzen Land angeschlossen.

Sie verpflichteten sich, eine Auswahl an Artikeln des täglichen Bedarfs zu niedrigen Preisen anzubieten – etwa mit Werbeaktionen, Initiativen für Eigenmarken oder fixen Preisen. Dafür stellte die Regierung das Logo eines rot-grünen Einkaufswagens bereit, mit dem die Teilnehmer werben konnten. Noch gibt es keine belastbaren Daten dazu, welchen Anteil die Initiative am Inflationsrückgang hat – aber sie dürfte eine Rolle gespielt haben.

Frankreichs Kassen sind leer, viele Maßnahmen gegen die Inflation laufen aus

Einen ähnlichen Ansatz gab es zuletzt in Frankreich. Im September hatte das Wirtschaftsministerium neue Maßnahmen angekündigt, die mit Industriebetrieben und dem Vertrieb verhandelt wurden. 5000 Produkte gehören zur Liste, für die es keine Preiserhöhungen oder sogar -senkungen geben soll. Vor allem Eigenmarken der Supermärkte sind darunter. Verbraucherschützer sehen die Maßnahme aber als nicht sehr bedeutsam an: Ein Zurück zu den Preisen vor der Krisenzeit sei ausgeschlossen.

Der französische Staat hatte sich in Zeiten von Corona und Inflation bisher sehr großzügig gezeigt, doch die öffentlichen Kassen sind leer.  „Unsere Methode ist es, alle in diesen Kampf gegen die Inflation einzubeziehen“, sagte Wirtschaftsminister Bruno Le Maire. Der Staat könnte nicht allein die Kosten tragen, sonst werde das Haushaltsdefizit zu groß.

Seit Anfang Dezember laufen wieder Verhandlungen zwischen den Geschäften und den 75 größten Industriebetrieben. Das Ziel: Preissenkungen noch im Januar. Wer nicht mitspielt, kommt durch Le Maire öffentlich an den Pranger. „Einige Industrielle machen nicht mit“, erklärte er. Unilever, Nestlé und Pepsico hätten bisher nicht genug getan, sagte er schon vor einiger Zeit. Auch die Zwischenhändler ermahnt er, niedrigere Preise weiterzugeben.

Staatliche Zuschüsse auf Sprit wie vor einem Jahr will die Regierung vermeiden. Auch eine Absenkung der Mehrwertsteuer auf Lebensmittel steht nicht zur Debatte, die Politik rechnet für diesen Fall eher mit höheren Margen im Handel. Ein großer Teil der Maßnahmen gegen die Inflation, die 2022 griffen, wurde nach und nach aufgehoben. Preisbremsen auf Energie werden dieses Jahr zurückgefahren und sollen dann ganz verschwinden.

2023 lag die Inflation laut Eurostat in Frankreich bei 5,7 Prozent, ein Jahr zuvor waren es 5,9 Prozent. Die Regierung geht davon aus, dass die Teuerung in diesem Jahr langsam zurückgeht. Das Statistikamt Insee rechnet mit 2,6 Prozent Anstieg für Juni 2024 im Vergleich zum Vorjahr. Für Nahrungsmittel dürfte der Wert auf 1,9 Prozent sinken.

Spanien behält Steuererleichterungen und günstigeren Nahverkehr bei

Vor einem Jahr begann Spanien zu kontrollieren, ob die Unternehmensmargen verantwortlich sind für die hohe Inflation. Das Ergebnis bislang: Sie waren es nicht. „Die Inflation war auch bei Lebensmitteln eine Folge der gestiegenen Kosten“, erklärt Manuel Hidalgo, Ökonom an der Universität Pablo de Olavide in Sevilla.

So sind die Preise für spanisches Olivenöl wegen der Trockenheit und der daraus folgenden geringen Ernte in die Höhe geschossen. Die Preise für Milch und Milchprodukte wiederum hätten angezogen, weil spanische Bauern im Coronajahr 2020 zahlreiche Kühe geschlachtet hatten, um Futterkosten zu sparen. Nun gäbe es entsprechend weniger Vieh für die Milchproduktion, was den Preis treibe. Und schließlich hätten hohe Gaspreise auch die Kosten für Düngemittel erhöht.

Die Inflation lag in Spanien im Dezember 2023 laut Eurostat bei 3,3 Prozent, die Kerninflation ohne Energie und frische Lebensmittel bei 3,8 Prozent. Um sie weiter zu senken, verlängert die spanische Regierung zahlreiche Maßnahmen aus dem Vorjahr: Dazu gehören je nach Verkehrsträger ein kostenloser oder stark verbilligter öffentlicher Nahverkehr, reduzierte Steuern auf Energie und der Wegfall der Mehrwertsteuer auf Grundlebensmittel wie Milch oder Gemüse.

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Ökonom Hidalgo geht davon aus, dass die Inflation bereits unter Kontrolle ist. Die Schiffsattacken im Roten Meer könnten sie zwar wieder etwas antreiben. „Aber wenn kein neuer großer Schock kommt, wird die Inflation in Spanien und Europa bald bei rund zwei Prozent landen – auch wenn die Regierungen ihre Hilfsmaßnahmen auslaufen lassen.“

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