Handelskonflikt: Zollpause endet – Geht der Handelskrieg jetzt weiter?
Peking. Am Dienstag endet die Zollpause zwischen China und den USA. Einigen sich die Supermächte nicht auf eine Verlängerung, könnten die Strafzölle wieder auf mehr als 100 Prozent steigen. Die Entscheidung liegt bei US-Präsident Donald Trump.
Vertreter der beiden größten Volkswirtschaften der Welt hatten die 90-tägige Zollpause im Mai bei Handelsgesprächen in Genf beschlossen. Zuvor war der von Trump initiierte Zollkonflikt eskaliert: Zwischenzeitlich erhoben die USA Strafzölle von 145 Prozent auf Importe aus der Volksrepublik, China reagierte mit 125 Prozent auf US-Importe.
Zudem beschränkte China auch den Export von seltenen Erden und Permanentmagneten. Der Handel mit den USA kam dadurch zwischenzeitlich zum Erliegen.
Welche Zölle gelten aktuell?
Seit der Einigung in Genf belegen die USA die meisten chinesischen Einfuhren mit einem verringerten zusätzlichen Strafzoll von 30 Prozent. Dieser wird auf bereits geltende Strafzölle aufgeschlagen, etwa die von Trumps Vorgänger Joe Biden eingeführte Abgabe von 100 Prozent auf chinesische E-Autos. Im Schnitt werden in den USA aktuell Zölle von 50 Prozent auf chinesische Importe fällig, schätzt das Peterson Institute for International Economics (PIIE). In China gilt für US-Importe ein Zoll von zehn Prozent.
Wie wahrscheinlich ist eine Verlängerung der Zollpause?
Aufgrund von Trumps Sprunghaftigkeit ist das kaum einzuschätzen. Bei der dritten Runde der Handelsgespräche Ende Juli in Stockholm ging es hauptsächlich um eine Verlängerung der Schonfrist. Doch die Gespräche endeten offenbar ohne eine finale Einigung.
Zwar teilte Chinas Unterhändler Li Chenggang im Anschluss mit, beide Seiten setzten sich für eine weitere Aussetzung der Strafzölle ein. Auch die US-Seite betonte, dass eine Verlängerung um weitere 90 Tage möglich sei. Die letzte Entscheidung liege aber bei Präsident Trump. Der hat sich bislang nicht geäußert.
Welche Signale gibt es aus den USA?
Direkt nach den Handelsgesprächen in Stockholm sagte Trump nur, er werde die erneute Zollpause „genehmigen oder nicht“. Zumindest das Verhandlungsergebnis nannte er „wahrscheinlich ziemlich gut“.
Vertreter der US-Regierung sendeten auch zuletzt gemischte Signale an China. Einerseits drohte Vizepräsident J.D. Vance der Volksrepublik mit Sekundärsanktionen, weil diese weiterhin Gas und Öl aus Russland importiert. Andererseits sagte der Handelsbeauftragte Peter Navarro zu den nach wie vor geltenden US-Importzöllen von durchschnittlich 50 Prozent, man wolle „nicht an einen Punkt kommen, an dem wir uns selbst schaden“.
Ende vergangener Woche erhielt zudem der US-Chipkonzern Nvidia Medienberichten zufolge die Lizenz für den Export seiner H20-Chips nach China. Zwar will die US-Regierung einen Anteil von 15 Prozent am Umsatz kassieren, dennoch deutet die Exporterlaubnis eher auf eine Entspannung hin.
Trump hatte die Ausfuhr der speziell für den chinesischen Markt designten Chips im April zunächst verboten, das Verbot dann aber zurückgenommen.
Was passiert, wenn die Zollpause nicht verlängert wird?
Sollte es keine Einigung zwischen China und den USA geben, könnten die Nationen zu den vorherigen hohen Strafzöllen zurückkehren. Die USA könnten zudem noch Sekundärsanktionen gegen die Volksrepublik verhängen, weil sie weiterhin Energie aus Russland bezieht.
China ist Russlands wichtigster Handelspartner. Der Handel zwischen den beiden Nachbarländern ist seit 2021 um mehr als 70 Prozent gestiegen. China importierte 2024 Waren im Wert von fast 135 Milliarden US-Dollar aus Russland, wie Daten der Vereinten Nationen (UN) zeigen. Ein Großteil entfällt dabei auf Öl und Gas.
Zwar drohte Vizepräsident Vance China bereits mit Sekundärsanktionen. Im Gegensatz zu Indien sind die Drohungen bislang noch nicht konkret. Trump hatte vergangene Woche zusätzliche Zölle auf indische Importe von 25 Prozent angekündigt, weil das Land direkt oder indirekt Öl aus Russland kauft. Diese sollen Ende August in Kraft treten.