Industrie: „Wir rasen auf die letzte Ausfahrt zu“ – DIHK schlägt Alarm
Berlin. Helena Melnikov hat zu Jahresbeginn eine neue Epoche bei der Deutschen Industrie- und Handelskammer (DIHK) eingeleitet. 23 Jahre lang hatte ihr Vorgänger Martin Wansleben Deutschlands größte Wirtschaftsvertretung als Hauptgeschäftsführer geleitet. Angesichts der tiefgreifenden Wachstumskrise übernimmt Melnikov das Amt in der vielleicht wichtigsten Zeit für die deutsche Wirtschaft.
Zu ihrem ersten Interview als Hauptgeschäftsführerin empfängt Melnikov das Handelsblatt in ihrem Büro auf der Berliner Museumsinsel. Auf ihrem Tisch liegt eine prall gefüllte Mappe mit Vorschlägen, die die künftige Bundesregierung dringend angehen müsse.
Ihr Team hat gerade erst die 23.000 IHK-Mitgliedsunternehmen befragt – und deren wirtschaftliche Schieflage ist eklatant. Die DIHK rechnet in diesem Jahr damit, dass die deutsche Wirtschaft um 0,5 Prozent schrumpft.
Melnikov erläutert im Gespräch, welche Reformen zur Trendumkehr sie jetzt für nötig hält. Die Wirtschaftswende traue sie auch SPD und Grünen zu. Außerdem zieht sie einen überraschenden Vergleich zwischen Ludwig Erhard und Elon Musk, übt scharfe Kritik an der AfD – und erklärt, warum Sojabohnen aus Illinois die schärfste Waffe der EU gegen die Zölle von Donald Trump sind.