Frühjahrsprognose: EU-Kommission erwartet Nullwachstum für Deutschland
Brüssel. Nach zwei Jahren Rezession droht Deutschland 2025 ein Jahr der Stagnation. Die EU-Kommission sagt in ihrer Frühjahrsprognose kein Wachstum für Europas größte Volkswirtschaft voraus. Erst im kommenden Jahr soll die Wirtschaft wieder um 1,1 Prozent wachsen.
Auch für die Euro-Zone senkte die Kommission ihre Prognose – auf 0,9 Prozent Wachstum in diesem Jahr und 1,4 Prozent im kommenden Jahr.
„Die Wachstumsaussichten wurden deutlich nach unten revidiert“, sagte EU-Wirtschaftskommissar Valdis Dombrovskis am Montag in Brüssel. Dies sei den schwachen Aussichten im Welthandel und der höheren Unsicherheit in der Handelspolitik geschuldet.
Es ist die erste Konjunkturprognose der Kommission seit dem Amtsantritt von US-Präsident Donald Trump. Sie zeigt, dass der von Trump begonnene Handelskrieg gegen den Rest der Welt bereits Auswirkungen hat.
Handelskrieg drückt weltweites Wachstum
Die Kommission schätzt, dass das weltweite Wachstum in diesem und im kommenden Jahr nur noch 3,2 Prozent betragen wird – statt 3,6 Prozent, wie sie noch im Herbst angenommen hatte.
Dombrovskis betonte, dass die Prognose mit großer Unsicherheit behaftet sei, weil die Entwicklungen in der Handelspolitik schwer vorherzusagen seien. „Es ist die beste Schätzung, die wir haben“, sagte er.
Die Behörde geht in ihrer Prognose davon aus, dass die US-Zölle von zehn Prozent auf alle Produkte und von 25 Prozent auf Stahl, Aluminium und Autos in Kraft bleiben. Aktuell verhandeln die USA und die EU zwar über den Abbau aller Zölle. Auch die chinesische Regierung hatte kürzlich die US-Zölle deutlich heruntergehandelt.
Die Regierung von US-Präsident Donald Trump hat jedoch signalisiert, dass sie an den Basiszöllen von zehn und 25 Prozent festhalten wird. Sollte dies passieren, wird erwartet, dass auch die EU mit Gegenzöllen reagiert. Das dürfte die Wachstumsaussichten weiter trüben.
Der Handelskonflikt führt auch dazu, dass die Inflation in der Euro-Zone schneller sinkt als erwartet. Die Kommission rechnet damit, dass die Teuerungsrate im kommenden Jahr auf 1,7 Prozent fallen wird – unter den Zielwert von zwei Prozent der Europäischen Zentralbank.
Denn der Euro hat aufgrund der Unsicherheit in den USA stark aufgewertet – und macht damit Importe billiger. Hinzu kommt, dass chinesische Unternehmen wegen der US-Zölle ihre Exporte auf den europäischen Markt umleiten könnten, was hier die Preise drückt. Dies sei eine Sorge, bestätigte Dombrovskis. „Wir verfolgen das genau.“
Deutsche Exporte sollen um 1,9 Prozent fallen
Der Handelskonflikt trifft besonders die exportorientierte deutsche Wirtschaft. Die Kommission erwartet, dass die deutschen Exporte in diesem Jahr um 1,9 Prozent sinken.
„Die Exporte werden das dritte Jahr in Folge auf das Wachstum drücken“, schreiben die EU-Ökonomen. Das starke Exportwachstum zu Beginn des Jahres sei nur ein kurzlebiger Effekt, weil Unternehmen sich in Erwartung der höheren Zölle vorsorglich mit Waren eingedeckt hätten.
Positiv hingegen entwickele sich der private Konsum. Hier gehe es leicht aufwärts, weil die Kaufkraft dank sinkender Inflation und niedriger Zinsen steige, heißt es in der Prognose. Auch die Stimmung in den Unternehmen habe sich verbessert, nachdem die Bundesregierung große Investitionen in die Verteidigung und die Infrastruktur angekündigt hatte.
Die geplanten höheren Verteidigungsausgaben in allen EU-Ländern könnten zu einem Wachstumsschub führen, sagte Dombrovskis. Wenn alle Regierungen ihre Militärausgaben um 1,5 Prozent der Wirtschaftsleistung erhöhten, könne das europäische Wirtschaftswachstum im Jahr 2028 um 0,5 Prozentpunkte höher ausfallen.
Die Kommission hatte kürzlich vorgeschlagen, dass jedes Land bis zu 1,5 Prozent zusätzlich in die Verteidigung investieren darf, ohne dass dies bei der Defizitbewertung nach den EU-Schuldenregeln berücksichtigt wird.
In Deutschland könne das geplante Investitionspaket der Bundesregierung in Höhe von 500 Milliarden Euro ein zusätzliches Wachstum von einem Prozent bis 2028 bringen, sagte Dombrovskis. Bis 2035 könnte der Effekt sogar 2,6 Prozent betragen.
Die zusätzlichen Verteidigungsausgaben sind in der EU-Konjunkturprognose jedoch noch nicht eingerechnet, weil die europäischen Regierungen noch keine detaillierten Ausgabenpläne vorgelegt haben. Sie würden jedoch „offensichtlich“ dazu führen, dass die Defizite in der Eurozone wieder steigen, sagte Dombrovskis.
Selbst ohne die geplanten Investitionen erwartet die Kommission, dass die deutsche Schuldenquote wieder steigen wird – von 62,5 Prozent der Wirtschaftsleistung Ende 2024 auf 63,8 Prozent in diesem Jahr und 64,7 Prozent im kommenden Jahr.