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Christian Miele „Bundesregierung hat verstanden“: Start-up-Verbandschef gibt sich euphorisch

Der Präsident des Start-up-Verbands Christian Miele hat in seinem ersten Amtsjahr viel über die Politik gelernt – und sieht Deutschland nun um einiges positiver.
23.10.2020 - 04:00 Uhr Kommentieren
Der Eventures-Partner bekommt Anerkennung in der Start-up-Szene. Quelle: Marc-Steffen Unger für Handelsblatt
Christian Miele

Der Eventures-Partner bekommt Anerkennung in der Start-up-Szene.

(Foto: Marc-Steffen Unger für Handelsblatt)

Hamburg Christian Miele hält mit Kritik normalerweise nicht zurück. Der Cheflobbyist der Start-up-Szene beklagt regelmäßig pointiert Hindernisse für Gründer in Deutschland. Doch nun zieht er eine fast euphorische Bilanz seines ersten knappen Jahres als Präsident des Start-up-Verbands – vor allem wegen der bisherigen Bewältigung der Corona-Folgen.

„Wir haben mit der Bundesregierung eine Regierung, die verstanden hat, wie wichtig Start-ups sind“, lobte er vor dem Club Hamburger Wirtschaftsjournalisten (CHW). Die Politik habe parteiübergreifend schnell Hilfen für die Gründer auf den Weg gebracht. Noch im Frühjahr habe sein Verband nach einer internen Umfrage eine echte Pleitewelle bei Start-ups befürchtet. Dazu sei es auch wegen der gut umgesetzten Hilfen nicht gekommen.

„Ich habe die Zusammenarbeit mit der Politik an dieser Stelle sehr genossen“, sagte Miele. Dabei habe er vor seinem Amtsantritt oft Frustration über die Politik verspürt, die zu langsam und zu weit entfernt schien. „Da habe ich meine Meinung bedingt geändert. Weil ich eingesehen habe: Ja, in der Politik macht man die Dinge anders, als wir das in den Start-ups tun, aber es wäre überheblich und falsch zu sagen, dass sie es falsch macht.“

Miele hat vor einem Jahr den Neustart des Start-up-Verbands eingeleitet. Sein Ziel: mit Schwerpunktthemen bei der Politik Gehör finden. Offenbar gelingt das. Die Bundesregierung hat auch auf Drängen des Verbands einen zwei Milliarden Euro großen Hilfstopf für die Start-ups aufgelegt. Gut die Hälfte davon steht Risikokapitalgebern offen, deren Investitionen damit aufgestockt werden.

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    Das Programm wird gut genutzt: Bislang seien 850 Millionen Euro zugesagt, die in 360 Start-ups fließen sollen, sagte eine Sprecherin der Förderbank KfW Capital am Donnerstag. Dazu kommen 129 Millionen Euro, die über die Länderbanken an 321 Unternehmen fließen.

    Umdenken in der Krise

    Bei den Beratungen dazu habe es eine „sehr gute Arbeitsebene“ mit den Ministern Olaf Scholz (SPD) und Peter Altmaier (CDU) sowie Staatssekretären und Abgeordneten gegeben, lobte Miele. Die Erfahrung in der Krise habe bei vielen ein Umdenken bewirkt. „Mir haben viele Gründer noch bis vor wenigen Monaten gesagt: Wenn sich die Rahmenbedingungen nicht ändern und wir hier nicht willkommen sind, dann gehen wir halt“, sagte der 32-Jährige. „Mir persönlich, aber auch ganz vielen Gründern und Investoren in meinem Umfeld ist aber in den letzten Monaten vielleicht das allererste Mal in unserer Generation klar geworden, wie besonders Deutschland ist und welche Stärken wir haben.“

    Für seinen Einsatz bekommt Miele Anerkennung aus der Szene: „Ich finde es beeindruckend, wie viel Zeit und Energie er für dieses Thema neben seinem Job aufbringt. Und er macht das völlig selbstlos und nur im Sinne der Sache“, sagt etwa Christian Saller von Holtzbrinck Ventures.

    Seit zehn Jahren in der Szene aktiv

    In seinem zweiten Jahr als Verbandschef will Miele neue Themen setzen. Er will bei der Politik den Blick für die Risiken übermächtiger Plattformen wie Google und Facebook schärfen. Zuletzt unterstützte er bereits den Protest von Reise-Start-ups wie GetYourGuide gegen den Vorstoß von Google in den Reisemarkt. Europa habe eine weltweite Chance, Plattformen aufzubauen, die die Datenhoheit beim Nutzer belassen.

    Hauptberuflich ist Miele Partner beim Frühphaseninvestor eVentures in Berlin, wo er unter anderem die Onlineversicherung Coya betreut. Er ist der Urenkel eines der Gründer des Haushaltsgeräteherstellers Miele. In das Familienunternehmen zog es ihn bislang nicht: Er ist seit zehn Jahren in der Start-up-Szene aktiv. Angefangen hat er 2011 bei Rocket Internet, zwischenzeitlich führte er ein eigenes Start-up.

    Aus der Erfahrung kennt er auch die Schattenseiten: „Nein, es ist nicht alles gut in Deutschland, was die Rahmenbedingungen angeht, und die Mentalität ist immer noch katastrophal, aber wir wollen bleiben. Wir wissen, dass Deutschland viele Stärken hat“, sagte Miele. Die Zeit, in der deutsche Gründer möglichst schnell ins Silicon Valley ziehen wollten, sei zwar vorbei.

    Dennoch müsse sich Deutschland anstrengen, um den Anschluss an die Entwicklung zu halten. Es gehe nicht darum, verlorene Schlachten etwa um die Mobilfunktechnik 5G zu schlagen – jetzt gehe es darum, 6G und 7G zu gestalten. Dafür brauche Deutschland allerdings nicht nur Geld, sondern auch Gründergeist.

    Mehr: So will die Gründerszene Deutschland voranbringen

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