Claudia Nemat: Technologie-Vorständin der Telekom geht vorzeitig
Düsseldorf. Die Deutsche Telekom bekommt im Oktober einen neuen Technologievorstand. Amtsinhaberin Claudia Nemat löst ihren bis 2026 laufenden Vertrag vorzeitig auf, wie die Telekom am Donnerstag in Bonn mitteilte. Ihr Nachfolger wird der bisherige Chief Technology Officer Abdu Mudesir.
Die 56-Jährige, die dem Vorstand seit 14 Jahren angehört, will künftig als Investorin sowie als Aufsichtsrätin im In- und Ausland arbeiten. „Ich werde in den Technologie- und KI-Standort Deutschland investieren und Zukunftsmodelle weiterentwickeln, dies in Kombination mit internationalen Board-Mandaten“, sagte Nemat. Seit März ist sie bereits Mitglied des Verwaltungsrats beim Industriekonzern ABB.
Die Physikerin ist seit 2011 im Vorstand des Unternehmens. Davor arbeitete sie 17 Jahre bei der Unternehmensberatung McKinsey. Dort war sie unter anderem Co-Leiterin des weltweiten Technologiesektors.
Claudia Nemat wurde auch als Telekom-Chefin gehandelt
Bei der Telekom hatte sie zunächst das Europa-Geschäft geleitet, seit Anfang 2017 ist sie für Netze, IT und Produkte sowie Cyber-Sicherheit zuständig. Zuletzt versuchte sie vor allem die Anwendung Künstlicher Intelligenz im Konzern voranzubringen.
In der Öffentlichkeit wurde sie zum weiblichen Gesicht des Dax-Konzerns. Zwischenzeitlich wurde sie auch als Kandidatin für die Nachfolge Konzernchef Timotheus Höttges gehandelt. Dessen Vertrag wurde in diesem Frühjahr allerdings um zwei Jahre bis Ende 2028 verlängert.
Aufsichtsratschef Frank Appel bedankte sich in einer Mitteilung bei Nemat für ihre Arbeit, mit der sie in den vergangenen Jahren die Kultur und Performance der Deutschen Telekom „entscheidend mitgeprägt“ habe – „von der Digitalisierung der Netze über die Erfolgsgeschichte von 5G, den Aufbau resilienter Lieferketten in Zeiten von Polykrisen, weltweite Produktinnovationen bis hin zu unserer jüngst entwickelten KI-Strategie“.
Höttges hatte bei der Vorstellung der Quartalszahlen in der vergangenen Woche gesagt, seine oberste Priorität sei es derzeit, das Vorstandsteam zu verjüngen. Dazu dürfte der aktuelle Wechsel ein weiterer Schritt sein. Deutschland-Chef Srini Gopalan ist bereits im März in die USA gewechselt, für ihn rückte der deutlich jüngere Manager Rodrigo Diehl nachgerückt.
Neuer Technik-Vorstand hat viele im Konzern überzeugt
Nemats Nachfolger Mudesir war 2018 vom chinesischen Telekommunikations-Ausrüster Huawei zur dem Dax-Konzern gekommen. Der 43-Jährige hat in Bremen Computerwissenschaft und Elektrotechnik studiert und 2010 promoviert.
Unternehmenskenner sagen ihm ein hohes technisches Verständnis nach. Er überzeuge fachlich und habe viele im Konzern in den vergangenen Jahren für sich gewinnen können.
Aufsichtsratschef Appel erklärte, Mudesir werde die „Digitalisierung, Skalierung und Automatisierung der Telekom“ weiter voranbringen. „Durch seine bisherige Tätigkeit ist ein reibungsloser Übergang gewährleistet.“
Vorstandschef Höttges sagte, er freue sich auf die Zusammenarbeit mit dem neuen Technikvorstand. „Ich mag die zupackende Art, mit der er die Dinge angeht.“