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Timotheus HöttgesTelekom-Chef sieht Trump-Politik als Vorbild für Europa

Anfang März sorgte der Telekom-Chef mit der Forderung nach Bürokratieabbau in Europa nach Vorbild von Elon Musk für Aufsehen. Jetzt legte er nach. Warum macht er das? Eine Spurensuche.Stephan Scheuer 15.05.2025 - 16:22 Uhr aktualisiert Artikel anhören
Telekom-Chef Timotheus Höttges: Die Abhängigkeit vom US-Geschäft wächst. Foto: Oliver Berg/dpa

Düsseldorf. Bei der Vorstellung der Quartalszahlen hat der Telekom-Chef mit einem Lob über die Politik der neuen US-Regierung unter Donald Trump überrascht. „Das ist eine Reindustrialisierung der USA, die jetzt stattfindet“, sagte Timotheus Höttges am Mittwoch, nachdem er auf das Chaos an den Märkten und den Zollkrieg angesprochen wurde, die der US-Präsident ausgelöst hat.

Der Fokus auf Öl als Energielieferant, der Ausbau von Rechenzentren und die Verlagerung von Produktfertigung in die USA seien sinnvoll. „Ich wäre stolz darauf, wenn Europa oder Deutschland auch diesen Versuch unternehmen würden“, sagte Höttges. „Wir brauchen eine Reindustrialisierung der westlichen Welt.“ In den USA könne er einen „großen strategischen Plan“ erkennen, sagte der Manager und ergänzte: „Wir sollten einen solchen Plan für Europa haben.“

Höttges gehört damit zu den ganz wenigen Spitzenmanagern in Deutschland, die zumindest Teile von Donald Trumps Wirtschaftspolitik offen verteidigen. Schon Anfang März hatte Höttges gefordert, Europa brauche auch etwas wie die Doge-Behörde von Elon Musk.

Doge ist eine temporäre Behörde, die die US-Staatsausgaben radikal zusammenstreichen soll. Es laufen etliche Gerichtsverfahren, in denen die Rechtmäßigkeit des Vorgehens von Doge angezweifelt wird.

Die Aussagen von Höttges zu Doge lösten in Deutschland viel Kritik aus. Auch innerhalb der Telekom wurde Höttges für die Aussagen angegangen. Im Intranet teilte der Betriebsrat sogar ein Schreiben, in dem er sich von den Aussagen des Konzernchefs distanzierte.

Die Aussagen zu Doge brachten Höttges sogar Ärger mit dem eigenen Aufsichtsrat sowie der Bundesregierung ein, wie das Handelsblatt von vier Insidern erfuhr. Wieso provoziert Höttges trotzdem? Eine Spurensuche.

Höttges Agenda als CEO

Höttges ist 62 Jahre alt und auf dem Höhepunkt seiner Karriere. Als der Betriebswirt 2009 als Finanzvorstand in die Führungsmannschaft des Dax-Konzerns aufstieg, ging es der Telekom nicht besonders gut. Die Expansionspläne in den USA hatten Milliardenverluste nach sich gezogen. Die Telekom stand im Zentrum einer Überwachungsaffäre und hatte keine klare Vision für das Geschäft in Deutschland und Europa.

Heute ist der einstige Staatsmonopolist nicht mehr wiederzuerkennen. Die US-Tochter entwickelte sich zum Wachstumstreiber und steuert heute rund zwei Drittel zum Konzernumsatz bei. Das erhöht andererseits natürlich auch die Abhängigkeit von den USA. In Deutschland ist die Telekom mit Abstand Marktführer, die Rivalen Vodafone und Telefónica stehen massiv unter Druck. Und selbst das langjährige Sorgenkind T-Systems schreibt wieder kleine Gewinne.

Wer etwas Gutes für Amerika liefert, wird von dieser Regierung respektiert.
Timotheus Höttges
Telekom-Chef

Ein langjähriger Telekom-Techniker erzählt, dass er früher nach Arbeitsende das Telekom-Logo auf seiner Kleidung auf dem Heimweg versteckte, weil das Image seines Arbeitgebers so schlecht gewesen sei. „Heute trage ich gerne auch in der Freizeit meine magentafarbenen Turnschuhe“, sagt er.

Und Analyst James Ratzer von New Street Research, der Höttges seit vielen Jahren beobachtet, sagt: „Er hat den oft schwierigen Wechsel vom Finanzvorstand zum Vorstandsvorsitzenden sehr erfolgreich gemeistert.“

Ökonomisch läuft es also blendend. Wieso sollte sich Höttges dann überhaupt auf eine toxische politische Debatte einlassen? „Schuster, bleib bei deinem Leisten!“ sei ein Leitspruch für ihn, hatte Höttges noch im April auf der Hauptversammlung des Konzerns gesagt.

Warum er sich an kein Manuskript hält

Nun ist er am Mittwoch mit seinen Aussagen zu Trump wieder in die politische Debatte eingestiegen. Wieso? „Tim hält sich nicht an Manuskripte. Er will im Rampenlicht stehen – auch wenn er dafür provozieren muss“, sagt einer, der schon mehrmals an Texten für Höttges mitgearbeitet hat.

Ein anderer Telekom-Insider erzählt, die Aussage zu „Doge“ habe auch nicht in seinem Manuskript für die Rede Anfang März auf dem Mobilfunkkongress gestanden, die ihm so viel Ärger eingebracht hatte. „Höttges wusste, dass ihm das Zitat Ärger einbringen würde. Er hat es trotzdem bewusst gemacht“, vermutet der Mitarbeiter.

Hinter den positiven Aussagen über die US-Regierung unter Donald Trump dürfte aber mehr stecken. Einen wichtigen Anhaltspunkt gab Höttges selbst am Mittwoch: T-Mobile liefere in den USA ein gutes Mobilfunknetz. „Wer etwas Gutes für Amerika liefert, wird von dieser Regierung respektiert“, sagte Höttges. Zudem sei die für T-Mobile wichtige Fusion mit dem Rivalen Sprint unter der ersten Trump-Regierung verabschiedet worden.

Vieles spricht dafür, dass Höttges es sich nicht mit der neuen Regierung Trump verscherzen will, weil er noch Zukäufe in den USA plant. Damit die Übernahme des Glasfaseranbieters Lumos in den USA genehmigt wurde, kassierte T-Mobile bereits einen Teil der eigenen Diversitäts-Programme.

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Konkret auf mögliche Übernahmen angesprochen, sagte Höttges am Mittwoch: „Das Portfolio habe ich momentan sehr im Auge. Das ist eines meiner Steckenpferde, hier auch immer die richtigen Deals vorzubereiten.“ Mehr Wohlwollen von Donald Trump käme da vermutlich gerade richtig.

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